Berufe im öffentlichen Dienst - Der Feuerwehrmann

von Gloria Wilhelm
Feuerwehrmänner bei der Arbeit

Ob Feuerwehr, Bundeswehr, Bundesnachrichtendienst oder Polizei – Berufe im öffentlichen Dienst können nicht nur spannend und interessant sein, sondern sind meist auch gut bezahlt. UNICUM zeigt euch, welche Verdienstmöglichkeiten ihr als Beamte habt und wie ihr es schaffen könnt einen der beliebten Jobs zu bekommen. Dieses Mal geht es um den Beruf des Brandmeisteranwärters – also des Feuerwehrmanns.

Nur aus Tatü-Tata, ein paar kleine Feuer löschen und Kätzchen von Bäumen holen, besteht der Beruf eines Feuerwehrmanns oder einer Feuerwehrfrau nicht. Das sollte sich jeder klar machen, der ernsthaft überlegt, zur Feuerwehr zu gehen. Schwere Ausrüstung tragen, betrunkene und pöbelnde Menschen ins Krankenhaus fahren und das Auspumpen von Kellern gehört genauso zum Job wie das Fangen von Enten, Großbrände löschen und Brandwachen auf Festivals halten. Wie in jedem Beruf hat ein Feuerwehrmann schöne und nicht so schöne Arbeiten, aber in jedem Fall kann der Job super spannend sein, richtig auf die Knochen gehen und einem alles abverlangen. Dem entsprechend hart ist auch der Einstellungstest, der in jeder Stadt etwas anders aussieht. Wir haben für euch die wichtigsten Punkte zusammengefasst und Tipps von einem Feuerwehrmann eingeholt, damit ihr den Einstellungstest erfolgreich übersteht.

Da im öffentlichen Dienst der Staat beziehungsweise die Stadt euer Arbeitgeber ist, müsst ihr euch bei der Stadt bewerben. Die Bewerbungsfristen bei den meisten Städten enden Ende September oder Mitte Oktober. Der klassische Einstieg in die Feuerwehr beginnt mit der Laufbahn des Brandmeisteranwärters. Hierfür muss in ganz Deutschland jeder, der sich bewerben will, vorher eine - am besten handwerkliche - Ausbildung abgeschlossen haben. Mit welcher Ausbildung ihr wirklich eine Chance habt, angenommen zu werden, ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Die Stadt Düsseldorf ist da eine Ausnahme. Sie bietet seit 2006 eine Stufenausbildung an, bei der man nicht nur das Feuerwehrtechnische erlernt, sondern sich auch in handwerklichen Ausbildungsfeldern, beispielsweise im Bereich Metall, Gas, und Elektrotechnik, beweisen muss. Deshalb ist eine vorangegangene Ausbildung keine Einstellungsvoraussetzung. 

 

Feuermelder an einer Wand.

Verpatzt ihr einen der Tests, seid ihr raus

Der Ablauf der Einstellungstests ist, wie andere Angelegenheiten der Berufsfeuerwehr auch, nicht standardisiert und von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Im Folgenden beschreiben wir den gängigsten Ablauf für das Bewerbungsverfahren. Zunächst müsst ihr in einer schriftlichen Bewerbung zeigen, dass ihr die formalen Voraussetzungen erfüllt. Anschließend kommt ein schriftlicher Test, indem ihr eure Intelligenz unter Beweis stellen sollt. Danach folgen der körperliche Test, der euch sportlich Einiges abverlangen wird und das Vorstellungsgespräch, das meist ganz klassisch ist. Wenn euch dann der Amtsarzt auf Herz und Nieren überprüft hat, wird entschieden, wer die Geeignetsten aller Bewerber sind und diese dann eingestellt. Generell gilt, dass ihr jeden Test erfolgreich bestehen müsst, um eingestellt zu werden.

Zur formalen Eignung, die ihr in der Bewerbung darstellen sollt gilt, dass ihr mindestens die Fachoberschulreife besitzt, keine Vorstrafen haben dürft, in den meisten Fällen mindestens 16 Jahren alt seid und eine Sehleistung von mindestens 80 Prozent auf jedem Auge ohne Sehhilfe habt. Auch wenn das mehr eine Formalität ist, solltet ihr wie bei jeder Bewerbung auf Rechtschreibung und das äußere Erscheinungsbild achten. Bedenkt, dass ihr viele Konkurrenten haben werdet und dieses Schreiben euren ersten Eindruck darstellt.

"Etwa 100 Bewerber fallen jedes Jahr durch den Sporttest"

Wenn alle Formalitäten geklärt sind, lädt euch die Stadt zum schriftlichen Teil ein. Dort soll getestet werden, ob ihr ein Gefühl für Sprache, Rechtschreibung, Logik, Mathematik, Recht und Gesetz besitzt. Außerdem sollen eure Fähigkeiten in Sachen Arbeitstempo, Belastbarkeit während Stresssituationen und vor allem im mathematischen Bereich getestet werden. Zusätzlich wird euer technisches und naturwissenschaftliches Verständnis überprüft. Das Ganze passiert in mehreren schriftlichen Aufgaben, die ihr in der Regel in zwei bis drei Stunden gelöst haben sollt. Simon Heußen ist Leiter des Rettungsdienstes bei der Berufsfeuerwehr Bochum und meint, dass es empfehlenswert ist, die Aufgabenarten durch Testtrainingsbücher oder -programme zu üben. Es ist einfach gut, Begriffe wie Post-Korb-Übung oder Flussdiagramm-Analyse vorher mal gehört zu haben.

Simon Heußen von der Berufsfeuerwehr Bochum
Simon Heußen von der Berufsfeuerwehr Bochum | Foto: Ulli Weber |

Meist bekommt ihr kurz nach dem schriftlichem Test Bescheid, ob ihr diesen bestanden habt. Wenn das der Fall sein sollte, könnt ihr euch auf eine Einladung zum Sporttest freuen. "Etwa 100 Bewerber fallen jedes Jahr bei den Tests der Berufsfeuerwehr Bochum durch den Sporttest durch, weil sie nicht richtig vorbereitet waren", erklärt Simon Heußen. In den meisten Städten wird vor der Prüfung angegeben, welche Leistungen zu erbringen sind. Am besten geht ihr mal mit einem Freund auf dem Sportplatz und überprüft, welche Übung ihr spielend meistert und wo ihr noch an euch arbeiten müsst. Solltet ihr keine Informationen über die Anforderungen eurer Wunschstadt finden, lohnt es sich nachzufragen oder an anderen Städten zu orientieren. Viele unterschätzen den körperlichen Eignungstest, bei dem Ausdauer, Kraft, Balance, das Empfinden für Höhe, Sprungkraft und Schnelligkeit getestet wird. Gerade Frauen sollten hier aufpassen, denn die wenigstens Feuerwehren machen beim sportlichen Test einen Unterschied zwischen Mann und Frau. Beide müssen schließlich später im Beruf auch das Gleiche leisten.

Wenn ihr auch diesen Test bestanden habt, erwartet euch ein klassisches Vorstellungsgespräch. Lernt also vorher wie viele Wachen eure Stadt hat, wer der Chef ist und was euch als Feuerwehrmann/ -frau erwartet. Im besten Fall denkt ihr euch vorher auch noch ein paar interessante Fragen aus, ruft euch euren Lebenslauf ins Gedächtnis und legt euch gute Aussagen zu eventuellen Lücken in diesem zurecht. "Der schlimmste Fehler den man bei jedem der Tests machen kann, ist dass man sich nicht vorbereitet hat", betont Heußen. 

Der Amtsarzt ist die letzte Hürde

Habt ihr das alles hinter euch, gilt es nur noch eine letzte Hürde zu überwinden: den Amtsarzt. Feuerwehrleute sind Beamte, und da diese auf Lebenszeit vom Staat versorgt werden, wird natürlich besonders scharf darauf geachtet, dass ihr auch wirklich kerngesund seid. Gerade Beschwerden an der Wirbelsäule können ein Ausschluss sein. Ob euer Rückenleiden oder andere körperlichen Beschwerden euch feuerwehruntauglich machen, kann nur der Amtsarzt sagen. Wenn ihr euch also bis zu diesem Punkt durchgekämpft habt, kann es immer noch sein, dass euch der Arzt wegen einer krummen Wirbelsäule, zu schlechter Hör- oder Sehqualitäten für untauglich erklärt. Welches Leiden genau zur Ablehnung führt, ist vorher nicht abzuklären. "Da sollte man es einfach drauf ankommen lassen und den Amtsarzt entscheiden lassen" empfiehlt Simon Heußen, "bei einer schlechten Sehstärke, ist die Chance allerdings sehr gering, dass man genommen wird".

Wasserleitungen an einer Hauswand.

Solltet ihr es geschafft haben euch erfolgreich beim Bewerbungsmarathon durchzusetzen, winken euch solide Arbeitsbedingungen, Regelungen für eure Versicherung und ein sicheres Einkommen. Da ihr nach der Ausbildung und der Probezeit Beamte auf Lebzeit werdet, sind die Ausbildungen beliebt und die Einstellungstests dementsprechend hart. Trotzdem solltet ihr euch nicht abschrecken lassen. Frauen sind bei der Feuerwehr gern gesehen. Auch wenn die Männerquote extrem hoch ist, sind Bewerbungen von Frauen ausdrücklich erwünscht!

Frauen sind bei der Feuerwehr gern gesehen

Die Höhe des Gehaltes ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich und zudem, wie bei jedem Beamtenberuf, vom Familienstand abhängig. Und im Gegensatz zu anderen Berufen sieht das Ausbildungsgehalt nicht schlecht aus. Beispielsweise erhaltet ihr während der traditionellen Ausbildung in Berlin 817 Euro brutto, bei der Stadt Düsseldorf monatlich sogar 912 Euro brutto. Nach der Ausbildung erhöht sich nicht nur das Grundgehalt, sondern ihr bekommt zudem noch Zulagen (beispielsweise Gefahren- oder Feiertagszulagen), die die Summe noch deutlich in die Höhe treiben können. Momentan gelten gerade in vielen Städten Deutschlands allerdings Beförderungsstopps. Das bedeutet, dass ihr zwar noch befördert werden könnt, ihr aber keine Gehaltserhöhung dafür bekommt. Das kann sich aber auch wieder ändern.

Die meisten Bewerbungsfristen für das Einstellungsjahr 2012 laufen Ende September oder Mitte Oktober aus. Viele Feuerwehren bieten im Spätsommer und Herbst Informationsveranstaltungen zu ihren Einstellungstest und Ausbildungen an. Informiert euch frühzeitig bei Veranstaltungen, im Netz, bei der Stadt und oder an eurer Feuerwehrwache!

 

Die Einstellungsverfahren von anderen Berufen im öffentlichen Dienst sind ähnlich, aber doch auch ganz anders. Klicke hier für die Berufe des Regierungsinspektoren beim Bundesnachrichtendienst und des Polizisten.

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