Karriere in der Versicherungsbranche

So sieht der Alltag von Strombergs Erben wirklich aus

von Marie-Charlotte Maas
Karriere in der Versicherungsbranche
Foto: Thinkstock

Bei dem Begriff Versicherung fällt vielen sofort eines ein: die Fernsehserie "Stromberg" mit Christoph Maria Herbst. Dort ist die Arbeit im Büro mit dem wohl schlimmsten Chef der Welt kein Zuckerschlecken. In Wahrheit geht es in der Versicherungsbranche ein bisschen anders zu. Drei Mitarbeiter erzählen von ihrem Alltag und ihrem Werdegang.

Laura Göres, 26, arbeitet als Versicherungsmathematikerin bei der Allianz Deutschland AG

Karriere in der Versicherungsbranche - Laura Göres
Laura Göres - Foto: Allianz Deutschland AG

"Als ich mein Studium begann, hätte ich nicht gedacht, dass ich eines Tages in der Versicherungs- branche arbeiten würde: Ich habe Biomathematik an der Hochschule in Remagen studiert; in der Schule waren bereits Mathematik und Biologie meine Leistungskurse. Nach meinem Diplom machte ich an der LMU in München meinen Master in Statistik. Eigentlich sollte der Weg eher in Richtung Promotion gehen. Meine Abschlussarbeit führte mich dann aber zur Allianz und mit diesem Schritt änderte sich meine Berufsplanung: Seit acht Monaten arbeite ich als Versicherungs- mathematikerin bei der Allianz Deutschland AG.

Meine Aufgabe ist es, in Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, Tarife für die Sachversicherung zu berechnen, die die Allianz ihren Kunden anbietet. Dazu berechnen und bewerten wir mit Hilfe der Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung mögliche Risiken und leiten so ab, wie hoch die Kosten für den Tarif in den nächsten Jahren sein werden.

Berufsbegleitend absolviere ich die dreijährige Ausbildung zur Aktuarin bei der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Dazu nehme ich an Seminaren teil und schreibe Prüfungen, unter anderem in Finanz- und Schadenversicherungsmathematik sowie Versicherungswirtschaftslehre. Meine Arbeit finde ich sehr spannend und abwechslungsreich. Da an der Entwicklung von Versicherungsprodukten viele Spezialisten beteiligt sind, arbeiten wir auch viel mit Kollegen aus anderen Abteilungen zusammen. Außerdem bestehen innerhalb des Allianz-Konzerns zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung – auch im internationalen Bereich." 

Henner Barthel, 27, arbeitet als Retrozessions Underwriter beim Rückversicherer Hannover Rück

Karriere in der Versicherungsbranche - Henner Barthel
Henner Barthel - Foto: Hannover Rück

"Ein Rückversicherer versichert die Versicherungen, denn auch die können in manchen Fällen nicht die gesamten Kosten für einen Schaden übernehmen. Als Underwriter prüft und verhandelt man solche Verträge. Aber wer versichert eigentlich die Rückversicherer? An dieser Stelle kommt die sogenannte Retrozession ins Spiel: Wir minimieren das Haftungsrisiko unseres Unternehmens, indem wir wiederum bei anderen Rückversicherungen und Erstversicherern Schutzdeckungen einkaufen.

Klingt kompliziert, lässt sich aber zum Beispiel am Hurrikanrisiko in den USA erklären. Ein Erstversicherer sichert viele Menschen gegen das Sturmrisiko ab. Dieser Erstversicherer kann dieses Risiko nicht zu 100 Prozent halten und lässt einen Rückversicherer einen Teil des Sturmrisikos übernehmen. Da ein Rückversicherer wie die Hannover Rück von vielen Erstversicherern ein solches Sturmrisiko übernimmt, muss sie sich selbst auch gegen einen zu hohen Schaden absichern.

Darum bedient auch sie sich unter anderem des Werkzeuges der Rückversicherung und schließt Rückversicherungsverträge mit anderen Rückversicherungs- oder Versicherungsgesellschaften ab. Die Vorbereitungen und Verhandlungen für solche Verträge finden öfter im Ausland, in Bermuda oder den USA statt. Für diese Reisen sind gute Englischkenntnisse von großer Bedeutung. Die Wahl für meinen Beruf hatte vor allem mit der Möglichkeit zu tun, ein duales Studium zu absolvieren. Ich habe drei Jahre lang BWL mit dem Schwerpunkt Versicherung studiert und gleichzeitig bereits bei der Hannover Rück gearbeitet. So konnte ich mein theoretisches Wissen in der Praxis erproben und gleichzeitig bereits Geld verdienen."

Karina Schiester, 30, ist Trainerin für Außendienstmitarbeiter und arbeitet im Vertrieb der Debeka-Versicherung

Karriere in der Versicherungsbranche - Karina Schiester
Karina Schiester - Foto: Privat

"Nach meinem Abitur wusste ich nicht wirklich, was ich studieren sollte, also beschloss ich, eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich zu machen. Ich habe überlegt, in welcher Branche es gute Verdienst und Aufstiegschancen gibt, und habe mich dann für eine Ausbildung bei einem Versicherer entschieden.

Drei Jahre lang war ich Azubi bei der Debeka. Dass ich in den Außendienst gehen würde, war schnell klar. Ich habe Spaß am Umgang mit anderen Menschen, bin neugierig und gehe gerne auf die unterschiedlichsten Menschen zu. Alles Eigenschaften, die man als Mitarbeiter im Vertrieb mitbringen sollte. Um Verkaufstalent geht es – entgegen der weitverbreiteten Annahme – in meinem Beruf eher weniger. Seit 2008 arbeite ich auch als Referentin in der Schulungsabteilung. Diese Abwechslung aus Referenten- und Vertriebstätigkeit mag ich sehr. Kein Tag ist wie der andere. Als Mitarbeiter im Vertrieb berate ich die unterschiedlichsten Menschen und helfe bei der Entscheidung, welche Versicherung zu ihnen passen könnte.

Als Referentin und Trainerin unterstütze ich andere Außendienstmitarbeiter bei ihren Prüfungsvorbereitungen und führe Zeitmanagements- und Kommunikationstrainings mit ihnen durch. Diese Tätigkeit nimmt mittlerweile den größten Teil meiner Arbeitszeit ein. Als Angestellter im Außendienst hat man eine gewisse Sicherheit. Im Krankheitsfall bezieht man weiter Gehalt und wird auch bezahlt, wenn man im Urlaub ist. Aber das Gehalt ist auch leistungsbezogen – ist man besonders erfolgreich, verdient man mehr. Dass man so sein Gehalt bis zu einem gewissen Grad selbst bestimmt, ist ein Anreiz. Und mein Job ist sicher, gerade im Außendienst werden immer Mitarbeiter gesucht."

Diskutiert mit im Forum

Jurastudium mit Fachabi ?
DV1516|
Jurastudium oder Lehramtsstudium
l_enny|
Wirtschaftsinformatik und Hochschulbewerbungsverfahren
Invisible|
was tun vorm Studium?
Moeeee|

UNICUM Newsletter

Hier die UNICUM Newsletter bestellen ! (Link)