Karrierestart im Internet - Teil 2
Wie Alexander Marcus, Sascha Lobo und Co. im Internet durchstarten

- Foto: Thinkstock
Als Künstler durchstarten? Vergesst es, viel zu schwer! Oder etwa doch nicht? Alexander Marcus, Sascha Lobo und Julia Knolle haben es vorgemacht. Wo Labels und Verlage Absagen erteilen, gelingt manchmal im Internet der Durchbruch – mit der richtigen Strategie. Wir zeigen euch verschiedene Wege, um im internet durchzustarten.
Amanda Hocking
Altenpflegerin ist kein besonders glamouröser Job. Doch Amanda Hocking brauchte und machte ihn – in ihrer Freizeit aber träumte die Amerikanerin davon, als Schriftstellerin durchzustarten. Bloß wollte Amandas paranormale Mysterygeschichten im Gegensatz zu den Zauberstorys von "Harry Potter"-Erfinderin J. K. Rowling, die es durch einen lukrativen Verlagsdeal von der Büroangestellten zur Milliardärin geschafft hat, kein Verlag drucken.

- Self-Publisherin Amanda Hocking - Foto: Mariah Paaverud Chimera Studios
Also nahm die heute 28-Jährige die Sache selbst in die Hand: Auf der Onlineplattform Amazon veröffentlichte sie ab 2010 nach und nach ihre mehrteilige Romanserie "Trylle" – und hatte Glück: Die Leser verschlangen ihre Storys über Wendy Everly, die hinter die Geheimnisse einer Welt fernab der menschlichen kommt. Die Downloadzahlen schossen in die Höhe. Und Amandas Kasse klingelte. Über eine Million E-Books gingen über die virtuelle Ladentheke, wodurch Amanda zur erfolgreichsten Self-Publishing-Autorin der Welt wurde.
Aufgrund dieses Erfolgs meldeten sich auch die Buchverlage zurück: Amandas Romane sind als "Unter dem Vampirmond" oder "Die Tochter der Tryll" inzwischen auch in deutschen Buchhandlungen erhältlich. Eine neue Jugendbuchreihe ist bei gerade beim US-Verlag St. Martin’s Press gestartet. Und die Filmrechte an ihrer "Trylle"-Vampirreihe hat die Self-made-Millionärin Amanda auch schon verkauft. Erfolg auf ganzer Linie, und das alles, weil die junge Frau aus Austin/ Minnesota den Mut hatte, ihre Werke trotz zahlreicher Verlagsabsagen im Web selbst zu veröffentlichen.
Daniel Lieske
Daniel Lieske ist von Beruf Comiczeichner. Das war er aber nicht immer: Bevor der Hype um seinen Comic „The Wormworld Saga“ losbrach und er Geld mit seinen Strips verdienen konnte, arbeitete Daniel für Gameentwickler an Spielen wie "Sacred II" und "Patrizier IV" als Illustrator mit. Dieser Job sei eine wichtige Grundvoraussetzung gewesen, sagt der Zeichner heute. "In meiner Zeit als Grafiker in der Videospieleindustrie habe ich vor allem gelernt, mit dem Computer als Gestaltungsmittel umzugehen." Doch nicht nur dieses Know-how hat Daniel dabei geholfen, als selbstständiger Künstler seine Familie zu ernähren.

- Daniel Lieske - Foto: Daniel Lieske/Tokyopop
Wie er die prachtvoll in Szene gesetzte Story eines kleinen Jungen, der durch ein Gemälde den Weg in eine Parallelwelt findet und diese fortan vor dem Bösen bewahren muss, bekannt gemacht hat – darin liegt das Geheimnis für Daniel Lieskes Erfolg. „"Meine Recherchen hatten damals ergeben, dass ich als Newcomer quasi keine Chance gehabt hätte, einen Verlag zu finden", stellt Daniel fest. "Und selbst wenn dies geklappt hätte, dann hätte ich wohl
höchstens eine Auflage von 5 000 Büchern erwarten dürfen." Also brachte er "The Wormworld Saga" kostenlos auf seiner Website online. Mehr als 100 000 Leute klickten sich auf diese Weise im Jahr durch die Fantasy-Geschichte. So viele, dass Daniel seine Comics bald in mehrere Sprachen übersetzte und eine kostenpflichtige App zum Comic verkaufte.
Dass Comicverlage oder auch Labels verschwinden werden, glaubt Daniel allerdings nicht. "Ich denke, was sich mittelfristig ändert beziehungsweise sich schon stark geändert hat, ist die Vormachtstellung der Verlage und Publisher", sagt der Zeichner. "Während im althergebrachten Modell die Verlage entschieden, was die Leute wohl gerne kaufen würden, entscheidet jetzt das Publikum selbst, wovon es mehr sehen möchte." Zur Herstellung von CDs, DVDs, Games und Büchern würden große Labels und Verlage noch immer gebraucht. "Wenn die Inhalte allerdings gänzlich in die digitalen Medien abwandern, dann wird die Luft dünn für alle, deren Aufgabe es ist, physikalische Produkte durch die Gegend zu karren", vermutet Daniel. Doch so weit ist es noch nicht: Auch "The Wormworld Saga" ist jetzt klassisch über einen Verlag als Comicbuch erschienen.
Keiner mag Faustmann
Es gehört schon eine große Portion Glück dazu, um sich als Musiker selbstständig machen zu können. Auf ihr Glück allein wollten sich Lisa Keiner und Robi Faustmann allerdings nicht verlassen und nahmen eine ungewöhnliche Werbeaktion für ihr Popduo Keiner mag Faustmann in Angriff: Über die Crowdfunding-Plattform Startnext riefen die zwei jungen Wiener die Netzgemeinde auf, für ein Konzert in einem Waschsalon zu spenden.

- Keiner mag Faustmann - Foto: Max Parovsky
"Wir hatten schon vor einigen Jahren die Idee, eine Crowdfunding-Aktion zu starten, weil es einfach toll ist, die Leute von Anfang an an seinem Projekt teilhaben zu lassen und einzubinden", erklärt Lisa. Einen Monat lang konnten Fans für das Konzert spenden und sich die DVD-Aufnahmen davon sichern. Dieses Angebot fanden viele User so sympathisch, dass am Ende 3.171 Euro zusammenkamen – sogar noch etwas mehr, als Keiner mag Faustmann für ihr Waschsalonkonzert gebraucht hätten. Eine große Fangemeinde, die das Duo durch die Crowdfunding-Aktion auf sich aufmerksam gemacht hat, wartet schon begierig auf die live eingespielten Songs wie "Wien-Berlin".
Ganz so leicht, wie es klingt, ist dieses Rezept zum Erfolg dann aber doch nicht. "Bei Startnext muss man einige Formulare und Marketingkonzepte ausfüllen, damit man überhaupt anfangen kann mit der Finanzierungsphase", erklärt Robi. "Daher muss man sich schon so genau überlegen, was man vorhat." Mal eben übers Netz ein bisschen Geld einsacken: Fehlanzeige. Doch wer kreativ ist und eine clevere Marketingstrategie hat, der kann sein Künstlerdasein zum Teil über Plattformen wie Startnext finanzieren. Keiner mag Faustmann haben es vorgemacht.
Sascha Lobo

- Sascha Lobo - Foto: Getty Images
Deutschlands wohl bekanntester Iro-Träger ist Blogger, Journalist, Buchautor und Werbetexter. Nicht, dass seine Karriere ohne seinen Blog nicht ins Rollen gekommen wäre – schließlich zieren schon kurz nach dem Uniabschluss verschiedene Festanstellungen seinen Lebenslauf. Aber seine heutige Bekanntheit hätte er wohl nicht ohne seinen Grimme-Online-Award ausgezeichneten Blog „Riesenmaschine“ erlangt. Der gefiel den Kollegen von "Spiegel online" so gut, dass Lobo dort nun feste Instanz mit seiner Kolumne "S.P.O.N. – Die Mensch-Maschine" ist.
Julia Knolle

- Julia Knolle - Foto: Vogue/Trevor Good
Qualität setzt sich durch, bestes Beispiel: "Les Mads"-Mitbegründerin Julia Knolle. Zu Beginn war das Bloggen über Mode eine Nebenbeschäftigung für die damalige BWL-Studentin. Dann wurde die Burda Style Group auf den Blog aufmerksam und vermarktete den Blog professionell. Julia Knolle und ihre "Les Mads"-Kollegin Jessica Weiß erhielten die Auszeichnung "Blog des Jahres", wurden auf sämtliche große Modeevents eingeladen und schrieben schließlich sogar ein Buch darüber. Von der Bloggerin ging es für Knolle direkt weiter in die Redaktionschefsessel – zuerst zum Burda-Frauenportal "Glam.de", seit 2011 ist sie Redaktionsleiterin von Vogue Digital.
Alexander Marcus

- Alexander Marcus - Foto: Getty Images
Ohne YouTube kein Alexander Marcus. Dort lud der Techno-Produzent mit bürgerlichem Namen Felix Rennefeld vor einigen Jahren sein erstes Video hoch. Sein Kommentar dazu an UNICUM (das ganze Interview auf unicum.de): "Mein Erfolg wäre ohne YouTube nicht möglich gewesen, weil ich bei den ganzen Firmen nirgends eine Chance bekommen habe. YouTube ist auf jeden Fall ein guter Weg, sich an den Labels und den Medien vorbeizuschlängeln. Weil ja der Endkonsument entscheidet." Und der Endkonsument liebt die Electrolore-Kunstfigur, schließlich ist dieses Jahr bereits sein drittes Album erschienen.
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