Berufe im öffentlichen Dienst - Der Polizist: Jetzt noch schnell bewerben!
Ob Feuerwehr, Bundeswehr, Bundesnachrichtendienst oder Polizei – Berufe im öffentlichen Dienst können nicht nur spannend und interessant sein, sondern sind meist auch gut bezahlt. UNICUM zeigt euch, welche Verdienstmöglichkeiten ihr als Beamter habt und wie ihr es schaffen könnt, einen der beliebten Jobs zu bekommen. Dieses Mal geht es um den Beruf des Polizeianwärters im gehobenen Dienst.
Der Job eines Polizisten kann spannend, aufregend und verdammt anstrengend sein. Nicht nur die Fälle mit denen ihr euch beschäftigen müsst, sondern auch der ständig wechselnde Schichtbetrieb und Sondereinsätze können euch einiges abverlangen. Gleichzeitig habt ihr als Polizist viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Ob bei der Kriminalpolizei, Spezialeinheiten, der Hubschrauberstaffel, der Wasserschutzpolizei, der Hundeführer- oder Reiterstaffel − langweilig ist der Beruf sicher nicht. Wir haben für euch die wichtigsten Punkte, wie ihr einen der begehrten Ausbildungsplätze im gehobenen Dienst bekommt und was ihr dafür leisten müsst, zusammengefasst.
Jedes Bundesland hat andere Voraussetzungen
Die Einstellungsvoraussetzungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen benötigt ihr beispielsweise das Sportabzeichen, in Bayern nicht. Im Saarland dürft ihr höchstens 27 Jahre, in Thüringen 31 alt sein. Aber in allen Bundesländern gibt es eine Altershöchst- und -mindestgrenze, eine Mindestgröße und die Vorgabe, dass ihr keine Vorstrafen haben dürft. Einheitlich ist auch, dass die Polizeiausbildung im gehobenen Dienst einen Bachelorstudiengang beinhaltet und ihr deshalb eine zum Hochschulstudium berechtige Ausbildung braucht. Das kann entweder das Abitur, ein Meisterbrief oder auch eine vergleichbare Ausbildung sein. Was genau als Hochschulberichtigung gilt, welche Voraussetzungen ihr erfüllen und was ihr bei einer Bewerbung einreichen müsst, könnt ihr den Internetseiten der Polizei der einzelnen Bundesländer entnehmen.
Wenn ihr alle Bedingungen erfüllt, könnt ihr euch auf eine Reihe von Tests und Aufgaben einstellen. In den meisten Fällen beginnt ihr zuerst mit einem Intelligenztest, dann folgen ein Sporttest und anschließend das Assessment-Center. In Nordrhein-Westfalen müsst ihr zusätzlich einen Reaktionstest - den Wiener Test - bestehen. Keine Sorge, die Tests werden meist auf drei Tage verteilt, so dass ihr nicht alles an einem Tag durchstehen müsst.
15 Sekunden Bearbeitungszeit pro Aufgabe
Den Intelligenztest absolviert ihr an einem PC gemeinsam mit einigen anderen Bewerbern und Bewerberinnen. Mit dem Test soll das logisch-analytisches Denkvermögen, die Problemlösungsfähigkeit, Sprache, Bildung, das Abstraktionsvermögen, die Gedächtnisleistung und Rechtsprachkenntnisse überprüft werden. Die Anzahl der Fragen, die ihr beantworten müsst, ist in jedem Bundesland anders, aber mit ungefähr 260 Stück müsst ihr rechnen. Die Beantwortung der Fragen dauert etwa zwei bis drei Stunden. Die Schwierigkeit liegt oft nicht nur im Verständnis und in der Lösung der Aufgaben, sondern im Zeitdruck, den ihr bei jeder Aufgabe bekommt. Häufig habt ihr pro Aufgabe nur 15 Sekunden Bearbeitungszeit. Durch diese zeitliche Eingrenzung soll überprüft werden, wie ihr mit Zeitdruck zurechtkommt und ob ihr auch unter erschwerten Bedingungen in der Lage seid, komplexe Aufgaben zu lösen. Für diesen Teil des Einstellungsverfahrens könnt ihr euch gut vorbereiten.
Es gibt etliche Bücher und Computerprogramme, in denen zahlreiche Übungsaufgaben und Lösungserklärungen enthalten sind. Oft steht neben den Aufgaben, wie viel Zeit ihr in etwa für die Aufgaben benötigen dürft. Sinnvoll ist es also, eine Stoppuhr beim Üben laufen zu lassen. "Es empfiehlt sich einfach vorher einmal mit Aufgabentypen wie Postkorb-Übungen oder Flussdiagrammen gearbeitet zu haben", erklärt Polizeioberrat Klaus Bunse vom Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW.
Soziale Kompetenzen sind wichtig
Der Intelligenztest ist in den meisten Bundesländern der erste Teil des Auswahlverfahrens. Was danach folgt, ist auch nicht bundesweit standardisiert. In Bayern müsst ihr in einem Gespräch eure soziale Kompetenz, Belastbarkeit und Leistungsmotivation beweisen. In Sachsen müsst ihr Durchsetzungs-, Kommunikations-, Team- und Kooperationsfähigkeit in einem Gruppengespräch beweisen. Der Wiener Test - ein Reaktionstest - ist in Nordrhein Westfalen nach dem Intelligenztest an der Reihe.
Auf den Internetseiten der jeweiligen Bundesländer könnt ihr sehen, was genau ihr nach dem Intelligenztest leisten müsst. Allgemein gilt, dass ihr als Polizisten viel unterwegs sein werdet, beispielsweise auf Streife durch die Stadt geht, auf Festivals euch durch die Menge kämpfen oder Verbrechern hinterherrennen müsst. Deshalb wird in jedem Bundesland eine gesunde Fitness vorausgesetzt. Diese wird beim Einstellungstest auf verschiedene Weisen getestet.
Eine halbe Olympiade als Einstellungstest
In Nordrhein Westfalen müsst ihr dafür ein Fahrradergometer besteigen und im heimischen Ort das Sportabzeichen und den Rettungsschwimmer machen. In anderen Bundesländern müsst ihr vor den Augen der Personaler eine halbe Olympiade durchlaufen, um zu zeigen wie sportlich ihr seid: von Sit-Ups, Bankdrücken, Pendellauf, Cooper-Test über Standweitsprung und Schwimmen ist alles dabei. Hier gilt wie bei jeder Prüfung auch, dass gute Vorbereitung alles ist. "Während des Studiums wird die Sportleistung ständig überprüft. Wer also sein Sportabzeichen nur mit Mühe und Not geschafft hat, wird es in der Ausbildung schwer haben. Deshalb achten wir darauf, dass die Bewerber wirklich fit sind", erzählt Klaus Bunse zur Notwendigkeit der Sporttests.
Jedes Bundesland bietet euch den Service an, euch vorher zu sagen, was im Sporttest verlangt wird. Nutzt diesen Service und bereitet euch darauf vor!
"Einfach drauf ankommen lassen"
Auch ein Rollenspiel, ein Vortrag, eine Teamarbeit und ein Interview werden in fast jedem Bundesland von euch erwartet. Hierbei sollt ihr beweisen, dass ihr in verschiedenen Situationen wisst, wie ihr euch kompetent verhaltet." Wir wollen sehen, wie kommunikationsfähig und kooperativ die Bewerber sind. Wichtig hierbei ist, dass man sich natürlich gibt und sich nicht verstellt. Offenheit und Ehrlichkeit ist wichtig", erklärt Klaus Bunse. "Außerdem möchten wir, dass die Vorstellung vom Beruf des Polizisten, die sich die Bewerber gemacht haben, auch der Realität entspricht. Es bringt weder uns, noch den Bewerbern etwas, wenn sie nach der Einstellung enttäuscht vom Beruf sind, weil sie sich ein falsches Bild gemacht haben."
Habt ihr alle Test erfolgreich hinter euch gebracht, gilt es nur noch eine letzte Hürde zu überwinden: den Amtsarzt. Polizisten sind Beamte und da diese auf Lebenszeit vom Staat versorgt werden, wird natürlich besonders scharf darauf geachtet, ob ihr auch wirklich kerngesund seid. Gerade Beschwerden an der Wirbelsäule können ein Ausschluss sein. Ob genau euer Rückenleiden oder andere körperlichen Beschwerden euch polizeiuntauglich machen, kann nur der Amtsarzt sagen. "Man kann vorher auch mal mit dem Hausarzt sprechen. Aber das letzte Wort hat der Amtsarzt. Da sollte man es einfach drauf ankommen lassen, was er sagt", erklärt Klaus Bunse hierzu. Wenn ihr euch also bis zum Amtsarzt durchgekämpft habt, kann es immer noch sein, dass dieser euch wegen zu schlechter Hör-, Sehqualitäten oder einer krummen Wirbelsäule für untauglich erklärt.
Jeder Test muss bestanden werden
Nicht nur der Arzt kann euch aus dem Einstellungsverfahren nehmen. Wenn ihr einen der Tests nicht bestehen solltet, ist das Bewerbungsverfahren für euch gelaufen. Dann könnt ihr euch höchstens noch in einem anderen Bundesland oder im nächsten Jahr bewerben. Bei welchem Test die höchste Durchfallquote vorherrscht, ist in jedem Bundesland unterschiedlich. In einigen Bundesländern fallen in allen Tests etwa gleich viele durch, in anderen scheitert ein Großteil am Sportteil. Bei der Durchfallquote ist laut Bunse kein großer Unterschied zwischen Mann und Frau feststellbar.
Wenn ihr jeden Test erfolgreich bestanden habt und der Arzt euch sein Ok gibt, winkt euch nicht nur ein fast sicherer Ausbildungsplatz, sondern auch ein Studium für das ihr keine Gebühren zahlen müsst. Ihr werdet sogar fürs Lernen bezahlt und das gar nicht mal so schlecht. In Baden-Württemberg erhaltet ihr im gehobenen Dienst im ersten Ausbildungsjahr monatlich 995 Euro netto, in Hessen 989 Euro und in Bayern 933 Euro.
Die meisten Bewerbungsfristen für das Einstellungsjahr 2012 laufen Anfang November aus. Viele Polizeipräsidien bieten im Spätsommer und Herbst Informationsveranstaltungen zu ihren Einstellungstest und Ausbildungen an. Zusätzlich gibt es in fast jeder größeren Stadt Einstellungsberater. Informiert euch frühzeitig bei Veranstaltungen, im Netz, bei der Stadt und oder an eurem Präsidium!
Die Einstellungsverfahren von anderen Berufen im öffentlichen Dienst sind ähnlich, aber doch auch ganz anders. Klicke hier für die Berufe des Regierungsinspektoren beim Bundesnachrichtendienst und des Feuerwehrmanns.













