Doppelt hält besser: Das duale Studium

von Martin Przegendza

Nach dem Abitur stellt sich die Frage: Ausbildung oder Studium? Die Antwort hängt leider nicht immer mit dem Traumberuf zusammen. Während Ärzte und Juristen eindeutig Studium sagen, sieht die Sache bei Informatikern und Kaufleuten schon anders aus. Bei ihnen heißt es entweder, oder. Oder auch nicht.

Denn eine Ausbildungsform gewinnt mehr und mehr an Bedeutung: das duale Studium. Lernen beim Arbeiten und arbeiten beim Lernen, statt praxisfern zu studieren oder theoriearm zu arbeiten, heißt die Devise.

Das hat den Vorteil, dass man einerseits im Berufsleben steht und Geld verdient, andererseits aber nicht auf tiefgründige Theorie verzichten muss. Zudem spielen Studiengebühren keine Rolle – die bezahlt meist die Firma. Allerdings stellt das Unternehmen Anforderungen an euch. Je höher die Kosten, desto mehr wird von euch erwartet.

Bereitschaft zur Bindung erforderlich

Daraus ergibt sich ein gewisser Leistungsdruck, der in dieser Form nicht allen liegt. Die Unternehmen erwarten aber nicht nur Top-Leistungen von euch, sondern auch die Bereitschaft, sich längerfristig an sie zu binden. Wollt ihr das nicht, verlangen viele einen Teil des Ausbildungsgehalts zurück. Das gilt übrigens auch für den Fall, dass ihr das Studium abbrecht.

Auch wenn es duales Studium heißt, bewerbt ihr euch zuerst beim Unternehmen. Erst wenn ihr einen Ausbildungsvertrag in der Tasche habt, könnt ihr euch an der FH oder Akademie einschreiben. Die schließt dann ihrerseits einen Kooperationsvertrag mit dem Unternehmen ab. Danach folgt ein sechs- bis zehnsemestriges Studium, bei dem ihr in der Regel alle drei Monate von der Uni in den Betrieb und zurück wechselt; meist in den Semesterferien.

Weniger Wissenschaft, mehr Praxis

Auch wenn Praxis und Theorie parallel laufen, überwiegt der praktische Teil. Raum für wissenschaftliche Vertiefung ist meistens ebenso wenig vorhanden, wie die Möglichkeit zu promovieren. Dafür bleibt nach dem Studium der Praxisschock aus.

Ein weiterer Nachteil liegt in der hohen Arbeitsdichte. Die Uni ruht nicht, wenn ihr im Betrieb seid; Büffeln und Hausarbeitenschreiben steht immer an. Andererseits müsst ihr euch während der Theoriephasen auf die Handwerks- oder Handelskammerprüfung vorbereiten.

Der enorme Zeit- und Kostenersparnis sollte diese Übel aber locker wettmachen. Hinzu kommt, dass ihr, wenn ihr einen der begehrten Studienplätze ergattert, unter besten Bedingungen studiert: kleine Seminare, direkte Betreuung und beste Ausstattung sind eher die Regel, denn die Ausnahme.

Ein duales Studium ist ein echter Kraftakt, der viel von euch verlangt. Zwei Abschlüsse in kürzester Zeit, die finanzielle Absicherung und vor allem die Arbeitsplatzsicherheit sollten aber Anreiz genug sein, um „Azudent“ zu werden.

Verwandte Themen im Forum

Welches Studienfach verdirbt den Charakter?
administrator|
Nach Deutschland einwandern
Nieluja02|
UK Meets Germany: A Forum for Young Leaders (UKMG)
ICD Press|

UNICUM Newsletter

Hier die UNICUM Newsletter bestellen ! (Link)