Lehrer werden? - Teil 1

- Foto: Thinkstock
Schlechtes Image, hohe Burnout-Raten, viele Ferien und das Beamtenprivileg. So weit die Vorurteile. Doch wie sieht der Markt, der Arbeitsalltag und die Bezahlung für junge Lehrer wirklich aus?
„Der Lehrerberuf ist einer der ältesten und schönsten Berufe überhaupt – und einer der wichtigsten in der Gesellschaft“, findet Annette Schavan. „70 Prozent aller Lehrer haben Freude an ihrem Beruf, das ergab eine Umfrage in den Monaten Juni, Juli und August. Die anderen 30 Prozent gehen in die Schule, weil sie nicht alleine saufen wollen“, findet Harald Schmidt.
Wer hat Recht? Die Bildungsministerin, die gerade zusätzliche 500 Millionen Euro für die Lehrerbildung bewilligt hat? Oder der Entertainer, der weiß, dass kaum etwas einen sichereren Lacher garantiert als Witze über Pädagogen? UNICUM hat den Faktencheck gemacht und Lehrer und Experten getroffen, die ein ehrliches und differenziertes Bild ihres Jobs zeichnen, der eben keiner ist wie jeder andere.
Die Ausbildung
Beim Lehramtsstudium gibt‘s noch immer überwiegend ein zweiphasiges Modell. Zunächst der theoretische Teil an der Hochschule, später die Praxisphase, das 18- bis 24-monatige Referendariat an einer Schule .Kritikpunkt von Studenten wie Lehrern ist noch immer die Praxisferne im Studium. Doch hier tut sich was. In Berlin diskutiert eine Expertenkommission unter Pisa-Papst Jürgen Baumert über ein Praxissemester im Studium. Anderswo nehmen die Betroffenen in Projekten wie „Studenten machen Schule“ das Problem selbst in die Hand.
Künftigen Lehrern, die auf Beamtenprivilegien hoffen, werden so noch rechtzeitig die Augen geöffnet. Dies hofft zumindest Dr. Peter Vogt. Der Mediziner ist seit Jahren anerkannter Experte für Lehrergesundheit und stellt klar: „Man hat als Lehrer ein Leben lang, also 45 Jahre, Kinder, Schüler, Pubertierende – eine Altersgruppe, von der man sich immer weiterentfernt. Für manche ist das eine Quelle ewiger Jugend, aber für die meisten ist das eher schwierig.“
Die Anforderungen
Ich möchte, dass die Besten und Engagiertesten eines Jahrgangs Lehrer werden“, wünscht sich die Bundesbildungsministerin. Doch Spitzennoten machen noch keinen guten Pädagogen. Vogt, Experte für Burnout-Prophylaxe aus Bad Tölz, ergänzt: „In meinen Augen ist sehr wichtig, dass man Kinder und Jugendliche mag. Der Lehrberuf ist ein kooperativer Beruf, das heißt, ihn kann man nicht alleine machen.“
Für Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbandes, brauchen Pädagogen etwas, was man nur schwerlich in Seminaren bekommt: „Nerven wie Drahtseile“. Im hessischen Marburg gibt’s jemanden, auf den dies zutrifft. Marco Otto ist ein leidenschaftlicher Lehrer, „80 Prozent meines Lebens bestehen aus Schule“, sagt er und das klingt nicht wehmütig, sondern stolz. Mittlerweile 18 Jahre besucht er diese Schule, als Schüler, Referendar und nun als Lehrer.
Die Jobchancen

- Marco Otto | Foto: privat
Probleme, einen Job zu finden, hatte Marco Otto nicht. Das lag auch an seinen Fächern: Englisch und Latein. Geradezu gebuhlt wird auf dem Arbeitsmarkt um Lehrer mit Fächern wie Mathe, Physik, Informatik oder eben Latein. Dass es für Junglehrer auch anders aussehen kann, beschreibt der Berliner Stephan Serin in seinen teils autobiographischen Büchern „Föhn mich nicht zu“ oder dem jüngst erschienen „Musstu wissen,weissdu!“.
In ihnen schildert er nicht nur den Alltag in deutschen Klassenzimmern, sondern auch seine unbefriedigende Jobsituation nach dem Referendariat. Bedingt durch seine Fächerwahl: Französisch und Politik. Als Vertretungslehrer hangelt er sich durch verschiedenste Berliner Schulen und gibt zu: „Natürlich hab ich auch darunter gelitten, dass die Chancen so schlecht waren aufgrund von meiner nur durchschnittlichen Note und mehr noch meinen Fächern.“
Generell gilt: Der Markt für Lehrer ist extrem unübersichtlich, schließlich gibt es je nach Bundesland ganz unterschiedliche Schulformen oder Tarife. Chancen, gerade den Mangelfächern, gibt es auch für Quereinsteiger, allerdings nicht immer zu den besten Konditionen. Lehrervertreter Kraus, selbst Schulleiter an einem bayerischen Gymnasium, spricht da aus eigener Erfahrung: „Ich hab an meiner Schule in den letzten Jahren Diplom-Ingenieure und Diplom-Physiker eingestellt, aber ich konnte den Leuten immer nur einenJahresvertrag geben.“
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