Agrarwissenschaften
Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln – von wegen: Wenn ihr euch für ein Studium die interdisziplinären Agrarwissenschaft entscheidet, braucht ihr Köpfchen. Ihr befasst euch mit Rohstoffen, Nahrungsproduktion und Produktfreundlichkeit. Ihr denkt, ihr braucht einen eigenen Hof, auf dem ihr nach dem Studium einsteigen könnt? Dem ist nicht so.
Beschreibung und Inhalte
Der Agrarsektor ist groß, die Möglichkeiten vielfältig. Die Angebote reichen von Agrarbiologie über Agribusiness bis zum Ökologischen Landbau. Bei so vielen Optionen solltet ihr euch vorher überlegen, in welche Richtung ihr gehen wollt. Standardmäßig absolviert ihr Module zur Pflanzen- und Tierproduktion, Agrarökonomie, Agrargeographie, Agrartechnik und ökologischem Landbau. In der Tierproduktion werden Tiere unter dem Aspekt der landwirtschaftlichen Nutzung und Verwertbarkeit untersucht. Aber es geht auch um Tierzüchtung, Haltung, Gesundheit und Ernährung der Tiere. Dazu gehören auch die Punkte Stallbau und Weidemanagement, das heißt die bestmögliche Ausschöpfung des Weidegrases zur Fütterung. Speziell im Teilbereich Pflanzenproduktion thematisiert ihr Anbaumethoden von Nahrungs-, Rohstoff-, Energie- und Pharmapflanzen. Pharmapflanzen sind gentechnisch veränderte Gewächse. Sie produzieren pharmazeutisch wirksame Proteine, Antikörper, Impfstoffe oder Hormone.
Zur Pflanzenkunde gehören auch die Bodenkunde und der Bodenschutz. In diesem interdisziplinären Teilbereich befasst ihr euch mit Entstehung, Entwicklung und Klassifizierung von Böden. Bei der Pflanzenernährung dreht sich alles um Stoffzufuhr, um Bodenbeschaffenheit und den Ertrag von Pflanzen. Beim Thema Düngung erläutert ihr die Unterschiede zwischen organischen, organo-mineralischen und mineralischen Dünger. Aber ihr beschäftigt euch auch mit dem Acker- und Pflanzenbau, der Pflanzenzüchtung und der Melioration, ein Verfahren zur Steigerung der Ertragsfähigkeit und zur Vereinfachung der Bewirtschaftung.
Die Agrarökonomie verfolgt einen wirtschaftswissenschaftlichen Ansatz. Ihr untersucht die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten landwirtschaftlicher Produktion. In der Agrargeographie ermittelt ihr die Wechselwirkung zwischen natürlichen und den so genannten anthropogenen Formen. Das bedeutet, dass Wechselspiel zwischen den durch die Menschen hervorgerufenen und der Natur gegebenen Faktoren. Die Agrartechnik weist eine ingenieurwissenschaftliche Orientierung auf. Ihr befasst euch mit der Entwicklung landwirtschaftlicher Maschinen. Im ökologischen Landbau geht es um umweltfreundliche Produktionsmethoden, Rahmenbedingungen und Vermarktungsstrategien.
Vorkenntnisse
Es ist nicht verkehrt, wenn ihr euch vor Aufnahme eures Studiums mit landwirtschaftlichen Themen befasst habt und über aktuelle Themen informiert seid, denn der Agarsektor befindet sich im ständigen Wandel. Der Trend ist die Nachhaltigkeit: Das Thema Ökologie wird euch sicherlich auf dem Weg durch das Studium begleiten. Je nach Bildungseinrichtung wird vor Studienaufnahme oder im Studienverlauf ein Praktikum verlangt. Grundsätzlich gilt: Die Studieninhalte sind im Vergleich zur gymnasialen Oberstufe komplexer, das Niveau ist höher, und ihr müsst auch mehr Stoff in kürzerer Zeit bewältigen. Mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen seid ihr klar im Vorteil, denn während eures Studiums befasst ihr euch mit Fächern wie Botanik, Zoologie, Chemie oder Physik. Je nach Ausrichtung im Master, geht es auch um wirtschafts-, sozial-, oder ingenieurwissenschaftlichen Themen. Speziell im Master-Studiengang sind viele Vorlesungen auf Englisch, da solltet ihr entsprechende Sprachkenntnisse mitbringen oder zügig erwerben.
Studiengang
In den vergangenen Semestern war das Fach Agrarwissenschaften zulassungsfrei. Somit könnt ihr euch aller Voraussicht nach einfach an eurer Wunschuniversität einschreiben. Dies kann sich natürlich ändern. Deswegen Augen und Ohren vor dem Einschreiben offen halten! Im modularisierten Studium erwerbt ihr zunächst den Bachelor of Science, anschließend den Master of Science. Ihr arbeitet in Instituten, besucht Versuchs- und Forschungseinrichtungen. Das Profil der Universitäten ist unterschiedlich. An der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg zum Beispiel liegt ein Schwerpunkt auf den Pflanzenwissenschaften, bei der Humboldt Universität zu Berlin auf den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.
In den modularisierten Studiengängen Bachelor und Master herrscht Anwesenheitspflicht. In der Regel erwerbt ihr die Creditpoints, die ihr für einen erfolgreichen Abschluss benötigt, in Vorlesungen, Seminaren und Übungen. Aber auch Praktika, Exkursionen, Arbeitsgemeinschaften und Projektarbeit begleiten euch im Stundenverlauf. Während eures Studiums erlernt ihr das wissenschaftliche Arbeiten. Dazu gehört auch, sich mit dem argarwissenschaftlichen Fachvokabular vertraut zu machen. Der Studiengang Argrarwissenschaften weist einen hohen Praxisbezug auf. Ein Auslandsaufenthalt ist zwar nicht grundsätzlich Pflicht, wird aber gerne gesehen.
Berufsaussichten
Nach eurem Abschluss seid ihr fit für den Agrarsektor! Ihr könnt in der landwirtschaflichen Produktion, beispielsweise bei Landwirtschaftsverbänden, in Maschinen- und Betriebshilferingen tätig werden. Ihr entwickelt Produkte, arbeitet in der Qualitätssicherung oder im Vertrieb eines Unternehmens oder im Zuliefererbereich. Zudem könnt ihr in Planungs- oder Ingenieurbüros, bei Sachverständigenorganisationen und Consulting-Unternehmen anfangen. Denkbar wären auch der Finanzdienstleistungssektor oder Versicherungen. Außerdem ist der Weg in eine Werbeagentur, in die Presse oder in den Agrartourismus möglich. Auch in den Sektoren Verarbeitung, Handel, Verbände und Organisationen gibt es ein Angebot für Agrarwissenschaftler. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit in den öffentlichen Dienst zu gehen. Es bietet sich sowohl das Lehramt für Berufsschulen als auch eine Anstellung im höheren Verwaltungsdienst bei einer Behörde an. Natürlich bleibt auch noch die Hochschulkarriere, mit Promotion und Habilitation.










