Bauingenieurwesen

von Ann-Christin von Kieter

Als Anfang 2009 das Historische Stadtarchiv in Köln einstürzte, dürfte Bauingenieuren das Herz besonders in die Hose gerutscht sein. Schließlich befasst sich diese Berufsgruppe mit der Planung und der statischen Berechnung von Bauten in den Bereichen „städtischer Tiefbau“, „Städtebau und Verkehr“, „Wasserbau und Wasserwirtschaft“ und „konstruktiver Ingenieurbau“.

Beschreibung und Inhalte

Im Fokus liegt dabei vor allem die technisch-konstruktive Komponente der Bauwerke, während für die gestalterische Arbeit Architekten zuständig sind. Beide Berufsbilder überschneiden sich jedoch in einigen Teilgebieten. Es müssen beispielsweise auch organisatorische Aufgaben erledigt werden. Hand in Hand sorgen Architekten und Bauingenieure so für einen reibungslosen Ablauf des Baubetriebes, in dem sie Baustellen leiten und Bauausführungen überprüfen. Neben dem technischen Know-how spielen auch wirtschaftliche, ökologische und soziokulturelle Aspekte eine Rolle, zum Beispiel wenn es darum geht, ein denkmalgeschütztes Bauwerk zu erhalten.

Vorkenntnisse

Die Vielseitigkeit der Projekte und Arbeitsgebiete erfordert einen relativ großen Wissensschatz. Vorteilhaft vor der Aufnahme eines Studiums zum Bauingenieur ist deswegen eine vorausgegangene Ausbildung in einem handwerklichen Beruf (z. B. Schreiner). Die dort erworbenen Kenntnisse erleichtern nicht nur das Verständnis, sondern können teilweise sogar lange Pflichtpraktika ersetzten. Auf jeden Fall solltet ihr bereits in der Schulzeit eine Vorliebe für naturwissenschaftliche Fächer entwickeln. Aber selbst wenn ihr Mathe als Leistungskurs gewählt habt, schadet es nicht, vor dem eigentlichen Studienbeginn Vorkurse zu belegen, um hinterher nicht an Modulen wie „höhere Mathematik“ zu scheitern.  Wie der Fall des Kölner Stadtarchivs beweist, ist die Arbeit als Bauingenieur zudem mit einem hohen Maß an Verantwortung und Gewissenhaftigkeit verbunden. Im Hinblick auf eine spätere Tätigkeit auf der Baustelle sollten auch eine gewisse Fähigkeit zur Menschenführung und ein gutes Durchsetzungsvermögen vorhanden sein.

Studiengang

Bauingenieurwesen ist ein sehr klassischer Studiengang und wird daher an fast jeder (technischen) Universität oder Fachhochschule in Deutschland angeboten. Während das Studium früher mit dem Diplom abgeschlossen wurde, bekommt ihr nun nach sechs Semestern den Titel Bachelor of Engineering verliehen und könnt dann ein Masterstudium anschließen. Aufgrund der Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis bietet sich auch an, Bauingenieurwesen als Duales Studium zu belegen. Dabei wird parallel zum Meisterabschluss in einem technischen oder handwerklichen Beruf der Hochschulabschluss Bachelor of Engineering erworben. Einen guten Überblick über die Ausbildungsmöglichkeiten findet ihr beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V.

Die Regelstudienzeit eines Bachelorstudienganges Bauingenieurwesen beträgt sechs Semester, wobei in den ersten beiden Studienjahren hauptsächlich Pflichtfächer vorgesehen sind. Diese Module beinhalten neben naturwissenschaftliche auch wirtschaftlich-rechtliche Inhalte, weshalb Kurse zu „Baurecht“ oder „Geschichte des Baus“ ebenfalls auf dem Stundenplan stehen. Auch um die künstlerische Komponente werdet ihr nicht herumkommen, denn auch in „Grundlagen der Darstellung“ müssen Credits gesammelt werden. Erst später kommen Wahlpflichtfächer hinzu, mit denen ihr nach individuellen Fähigkeiten ein Qualifikationsprofil entwickeln sollt.
Wer seine erworbenen Grundlagen noch vertiefen möchte, bekommt die Gelegenheit dazu in einem viersemestrigen Masterstudiengang. Dieser vermittelt eine gewisse Ingenieurskompetenz, die der Realisierung von Bauvorhaben dient. Aus diesem Grund bekommt ihr an einigen Hochschulen auf Wunsch statt des „Master of Science“ weiterhin den Titel „Diplom-Ingenieur“ verliehen. Neben einigen Pflichtmodulen rücken im Master die Wahlfächer noch stärker in den Fokus, die einen Spielraum für persönliche Neigungen zulassen.
Manche Unis bieten zudem von vorneherein speziellere Masterstudiengänge an. Denkbar wäre unter anderem eine Kombination mit der Immobilienwirtschaft, was sich besonders anbietet, wenn ihr Gefallen an betriebswirtschaftlichen Themen gefunden habt.

Berufsaussichten

Wer sich durch das komplexe Studium gekämpft hat, wird meist mit einem schnellen Berufseinstieg belohnt. Der Grund: Die Branche sucht händeringend Nachwuchs.
Es wird erwartet, dass die Zahl der Bauingenieure, die altersbedingt aus dem Job aussteigen, in nächster Zeit größer sein wird als die Zahl der Absolventen.
Allerdings ist für die Beschäftigung im Bausektor das Auftragsvolumen ein wichtiger Faktor. Und momentan sieht es in der Baubranche nicht ganz so rosig aus, wie es einmal war. Trotzdem gehen die meisten Institute davon aus, dass sich der Abschwung für das Gewerbe nicht weiter fortsetzen wird. Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang auch eine Differenzierung nach Tätigkeitsbereichen. So verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit weniger freie Stelle im Bereich des konstruktiven Ingenieurbaus sowie in der Stadtplanung. Dem gegenüber steht ein gestiegener Bedarf im Straßenbau- und Verkehrswesen sowie im Hochbau. Auch neu entstandene Geschäftsfelder wie Umwelttechnik oder Baustoffrecycling kompensieren den Rückgang etwas.
Auf Nummer sicher geht ihr, wenn ihr ein gewisses Maß an Mobilität und Flexibilität mitbringt und nicht davor zurückschreckt, international Fuß zu fassen. Das anerkannte Ausbildungsniveau deutscher Bauingenieure sichert nämlich dank der Globalisierung des Arbeitsmarktes auch weltweit gute Chancen. Von daher ist es nicht verkehrt, während des Studiums die Fremdsprachenkenntnisse auszufrischen und eventuell ein Auslandspraktikum in Erwägung zu ziehen.

Einen umfassenden Einblick in die Hochschulsituation und die Arbeitsmarktlage bietet „ISA“, das Informationssystem Studienwahl und Arbeitsmarkt der Universität Duisburg-Essen.

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