BWL

von Björn Schneider

BWL ist das beliebteste Studienfach überhaupt und gehört zu den absoluten Klassikern unter den Studiengängen. Ein Grund für die Beliebtheit ist, dass man als BWL-Absolvent in einem breiten Tätigkeitsfeld einsetzbar ist.

Beschreibung und Inhalte

Die Absolventen sind einerseits ausgebildete Generalisten. Andererseits eignen sie sich – durch die Wahl entsprechender Schwerpunkte im Verlauf des Studiums – ein fundiertes Fachwissen in bestimmten Bereichen der Betriebswirtschaft an. Sie sind deshalb auch in den verschiedensten Unternehmensbereichen zu finden: Von der Marktforschung und dem Controlling über das Management und Personalwesen bis hin zum Marketing und Vertrieb. Der BWL-Student wird oft als der schmierige Karriere-Typ gesehen, der ohne sein rosa Lacoste-Hemd und dem lässig über die Schulter geschwungenen Pullover, den Campus nicht betritt. Das mag oft der Neid anderer Studenten sein, da dem BWLer nach einem guten Abschluss besonders schnell der Einstieg in den Job gelingt. Der Bachelor-Abschluss in BWL findet in der freien Wirtschaft schneller Anerkennung als bei anderen Studienfächern. Auch hohe Einstiegsgehälter sind für Betriebswirte keine Seltenheit.  

Im Grundstudium steht zunächst das BWL-Handwerkszeug auf dem Stundenplan. In den ersten Semestern erwerben die angehenden Betriebswirte Grundlagenwissen, das sie im Laufe des Studiums – je nach Wahl des Schwerpunktes – vertiefen und ausbauen. Hierzu zählen neben betriebswirtschaftlichem Basiswissen, auch Kenntnisse in den Bereichen Rechtswissenschaft, Mathematik und Volkswirtschaftslehre. Die Studenten lernen, wie Unternehmen aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Sie lernen externe Faktoren kennen, die ein Unternehmen beeinflussen, die Entwicklung einzelner Wirtschaftszweige oder welche verschiedenen Elemente zum Erfolg eines Unternehmens beitragen.

Im Hauptstudium spezialisieren sich die Studenten in aller Regel auf zwei Fachbereiche und erwerben vertieftes Hintergrundwissen in den gewählten Schwerpunkten. An den meisten Unis kann man u.a. aus folgenden Fachbereichen wählen:

  • Bankwesen (Inhalte: z.B. Bankensysteme, Bankentypen, Institutionen)
  • Controlling (Inhalte: Wirtschaftlichkeit, internes Rechnungswesen etc.)
  • Finanzwirtschaft (Inhalte: z.B. Kapitalmärkte, Investition, Finanzierung)
  • Logistik (Inhalte: Ursprung der Logistik, Grundlagen, Wertschöpfungskette u.a.)
  • Marketing (Inhalte: Historische Entwicklung, Konzeption, Corporate Identity)
  • Personalwesen (Inhalte: z.B. Personalführung, - controlling, Lohn- und Gehaltswesen)
  • Steuerwesen (Inhalte: Steuerarten, - gruppen, internationaler Vergleich etc.)

BWL ist das Studienfach mit den meisten Studenten in Deutschland. Um die Vielzahl an Bewerbern zu bewältigen, haben die Hochschulen oft einen örtlichen NC oder Eignungstest. Das ist auch bei international ausgerichteten Programmen und Studiengängen der Fall, da sich diese Fächer besonders großer Beliebtheit und damit hoher Bewerberzahlen erfreuen. An diesen (häufig privaten) Hochschulen sind zudem Bewerbungsgespräche keine Seltenheit. Gute Englischkenntnisse verlangen die meisten Hochschulen, da Fachliteratur oft nur auf Englisch vorliegt und einige Lehrveranstaltungen sowie Seminare in Englisch abgehalten werden.


Eine Übersicht über den aktuellen NC für BWL an 63 deutschen Hochschulen gibt es auf www.nc-werte.info.

 

Vorkenntnisse

Da in den ersten Semestern Fächer wie Mathe und Statistik auf die Studenten zukommen, sollte ein mathematisches Grundverständnis vorhanden sein. Mit Mathe müssen sich die Studenten aber nicht nur im Grundstudium beschäftigen. Gleichungen und Formeln begleiten einen das ganze Studium hindurch. Auch eine Neigung, sich mit komplizierten Sachverhalten auseinanderzusetzen, ist von Vorteil: Die Bearbeitung komplexer Fallstudien spielt vom ersten Semester an eine wichtige Rolle. Eine Schlüsselqualifikation sind die Fremdsprachenkenntnisse. Viele Unis erwarten gute bis sehr gute Englischkenntnisse. Wirtschaftliche Fachsprache bzw. Fachbegriffe in englischer Sprache werden in aller Regel im Verlauf des Studiums vermittelt.

Studiengang

Die meisten Unis in Deutschland bieten BWL als Studienfach an. Neue Entwicklungen gab es zuletzt im Bereich Ethik und Umwelt in der Wirtschaft. In den letzten Jahren haben immer mehr Unis Fragen der Wirtschaftsethik und -moral in ihren Lehrplan aufgenommen. Nach der Finanzkrise und den weitreichenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft, sollen die Studenten für ethische Fragen und Grundsätze in einer gewinnorientierten Branche sensibilisiert werden. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird für viele Unis immer wichtiger. In der Vorlesung geht es z.B. um die Frage, wie man den Energieeinsatz in Unternehmen verringern und Ressourcen schonend nutzen kann. Mit solchen Inhalten befassen sich z.B. die Studierenden der Umwelt- und Betriebswirtschaft der FH Trier. Auch die Studiengänge Management, Philosophy and Economics an der Frankfurt School of Finance and Management und Sustainability Economics and Management an der Uni Oldenburg beinhalten diese Fachrichtung als wesentlichen Teil der Ausbildung.

Im Bereich der BWL sind in den letzten Jahren immer mehr Kombinationsstudiengänge und Studienfächer mit starkem BWL-Bezug entstanden. Dazu zählen Fächer wie Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurswesen oder Wirtschaftsmathematik, die vor allem unter männlichen Studenten sehr beliebt sind. Daneben gibt es noch die Nischenstudiengänge, die Fachwissen in einem Teilbereich der Wirtschaft vermitteln. Hierzu zählen z.B. Automobilwirtschaft der Hochschule München, der Studiengang Immobilienwirtschaft an der Uni Regensburg, Technologiemanagement an der Uni Stuttgart oder auch das Fach Wirtschaftsphysik, das man an der Uni Ulm studieren kann.

Zahlen

Sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Studenten ist BWL das beliebteste Studienfach. Da sind sich die Geschlechter einig. Etwa 85 000 Männer und über 90 000 Frauen sind in BWL eingeschrieben, dies entspricht je 8% aller Studenten. Die Uni Mannheim und die HS Reutlingen erzielten beim CHE-Hochschulranking 2010 die besten Ergebnisse. Darüber hinaus genießen die Unis Köln und Münster einen besonders guten Ruf.

Berufsaussichten

Besonders gute Berufschancen haben Absolventen, die ihr Studium mit sehr guten Noten abschließen. Schließlich gibt es sehr viele BWL-Studenten, die Jahr für Jahr auf den Markt drängen. Die meisten BWL-Absolventen haben ihr späteres Tätigkeitsfeld schon vor dem Abschluss umrissen, da sie im Hauptstudium bestimmte Schwerpunkte gesetzt und gewählt haben. Für Betriebswirte kommen in erster Linie natürlich Jobs bei Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen in Frage. So arbeiten sie etwa als Marketingspezialisten für einen Getränkelieferanten, entwickeln PR-Maßnahmen für das neueste Produkt einer Softwarefirma oder prüfen die Ausgaben von Kaufhausketten. Viele Unternehmen stellen bevorzugt Generalisten ein, um sie in Traineeprogrammen ganz nach dem eigenen Bedarf zu spezialisieren und zu „formen“. Generell gilt: Die meisten Arbeitsplätze gibt es bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, von denen viele weltweit tätig oder sogar Weltmarktführer auf ihrem Gebiet sind. Oft sind die Chancen dort am Besten, um früh Verantwortung zu übernehmen und schnell aufzusteigen.

Für BWL-Studenten ist der Jobeinstieg in den letzen Jahren ein wenig schwerer worden, da die Absolventen der Kombinationsstudiengänge (Wirtschaftsinformatik, -ingenieurswesen etc.) zum Teil in direkter Konkurrenz zu den BWL-Absolventen stehen. Dennoch: Die Einstiegschancen von Betriebswirten sind gut - eine gute Abschlussnote sowie weitere Qualifikationen z.B. durch Praktika oder Hospitanzen, vorausgesetzt.  

Weitere Infos zum BWL-Studium gibt es auch auf www.hochschulen.com.

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