Germanistik
Goethe, Mann, Fontane – Im Germanistik-Studium dreht sich alles um deutschsprachige Literatur und die deutsche Sprache. Vom althochdeutschen Gedicht über das mittelalterliche Epos bis hin zum zeitgenössischen Roman: Germanistik-Studenten setzen sich wissenschaftlich mit der deutschen Sprache von der Vergangenheit bis in die Gegenwart auseinander.
Beschreibung und Inhalte
Zu Beginn des Studiums stehen Einführungsveranstaltungen in den drei Germanistik-Schwerpunkten des Studiums an:
- Neuere deutsche Literatur (Inhalte: z.B. zeitgenössische Autoren, neue Literaturformen)
- Ältere deutsche Literatur (Inhalte: Textanalyse vom 8. bis 15. Jahrhundert u.a.)
- Sprachwissenschaft (Inhalte: z.B. Wortbildungen, Wortbausteine, Schriftdeutsch, Dialekte)
Die angehenden Germanisten müssen sich vor dem Studium entscheiden, ob sie auf Lehramt (Abschluss zumeist das Staatsexamen) oder auf Bachelor studieren möchten. Egal für welchen Weg man sich entscheidet: Wer Germanistik studiert, muss lesen, viel lesen. Auch außerhalb der Uni und nach den Vorlesungen, müssen sich die Studenten den Gedichten, Romanen und Erzählungen widmen, die anschließend in Seminaren und Kursen analysiert und besprochen werden.
Das Handwerkszeug dazu erlernen die Germanistik-Studenten in den ersten Semestern. Sie lernen Methoden und Begriffe kennen, mit deren Hilfe sie Sprache und Texte wissenschaftlich untersuchen können. Später im Studium kann man sich dann auf einen der drei Kernbereiche spezialisieren. Im Schwerpunkt Sprachwissenschaft befasst man sich z.B. mit Grammatik, der Zeichen- und auch Lautlehre. Viele Unis bieten ihren Studenten darüber hinaus zusätzliche Kurse wie z.B. Präsentationstechnik, Rhetorik oder Didaktik an. Diese Inhalte richten sich erster Linie an Lehramtstudenten.
Im Rahmen des Germanistik-Studiums sollen zudem erste Erfahrungen in der Berufspraxis gesammelt werden. An den meisten Unis ist ein vier- bis achtwöchiges Praktikum Pflicht, das in aller Regel in den Semesterferien absolviert werden muss. Von Verlagen und Medienunternehmen über Bibliotheken und Büchereien bis hin zum Theater oder Museum: Praktika in diesen Bereichen sind besonders beliebt.
Der Zugang zum Germanistik-Studium ist allerdings nicht immer ganz leicht. An sehr vielen Unis gibt es örtliche Zulassungsbeschränkungen, wie etwa einen NC. Meist bewegt sich dieser um die Note „gut“ und die Unis achten besonders auf die Noten in den studiumsnahen Fächern. Viele Unis sehen praktische Erfahrung, die im Vorfeld des Studiums gesammelt wurde, besonders gerne.
Eine Übersicht über den aktuellen NC für Germanistik an 23 deutschen Hochschulen findet ihr hier: www.nc-werte.info
Vorkenntnisse
Wer Germanistik studieren möchte, sollte gewisse Fähigkeiten mitbringen und Voraussetzungen erfüllen. Man sollte sich für die deutsche Sprache interessieren und die Bereitschaft haben, sich durch sehr viel Literatur zu arbeiten. Die Tatsache, dass man in der Freizeit gerne mal einen Roman liest oder in der Schule Spaß daran hatte, Goethes Faust zu analysieren, genügt meist nicht. Da das Germanistik-Studium sehr wissenschaftlich ausgerichtet ist, müssen die Studenten schon früh lernen, komplexe literarische Texte und Quellen zu analysieren und kritisch zu bewerten. Ein Interesse an wissenschaftlichem Arbeiten bzw. Arbeitsweisen sollte also in jedem Fall vorhanden sein. Zudem sollte man sperrigen, anspruchsvollen und trockenen Schriften und Überlieferungen (verfasst z.B. in Altdeutsch oder Frühneuhochdeutsch) gegenüber offen sein. Gute rhetorische und didaktische Vorkenntnisse sind ebenso von Vorteil wie die Fähigkeit, auch komplexe Fragestellungen zielgerichtet anzugehen.
Studiengang
Alle größeren Unis in Deutschland bieten Germanistik als Studienfach an. An vielen Unis kann man vor dem Studium wählen, ob man im 2-Fach-Bachelor (wenn dem Student die Fachwissenschaft an sich reizt) oder auf Lehramt studiert. Beim 2-Fach-Bachelor besteht z.B. die Möglichkeit, Germanistik mit einer Fremdsprache im Nebenfach zu kombinieren. Studiert man Germanistik auf Lehramt, muss nach dem Bachelor entweder noch ein Lehramts-Masterstudiengang absolviert oder das Studium (ganz klassisch) mit dem Staatsexamen abgeschlossen werden. Daneben gibt es noch den Master-Abschluss, der nicht auf den Lehrerberuf sondern auf eine wissenschaftliche Karriere (Promotion, Habilitation) vorbereitet. Der Master baut auf dem erworbenen Bachelor-Wissen auf und vertieft es durch die Wahl eines Schwerpunktes. Und das Spektrum ist buntgemischt: So bietet z.B. die Uni Freiburg den Master in „Literaturwissenschaft international“ an. An der TU Dresden kann man seinen Master in „Culture and Communication“ machen, an der FU Berlin „Komparative Niederlandistik“ studieren oder „Germanistische Literaturwissenschaft“ an der TH Aachen.
Verschaffe dir hier einen Überblick, an welchen Unis du Germanistik studieren kannst: www.germanistik.net
Zahlen
Das Fach ist vor allem bei Frauen beliebt: Rund 70% der Studienanfänger sind weiblich. Mit über 60 000 Studentinnen steht Germanistik bei ihnen in der Rangliste der beliebtesten Studiengänge an zweiter Stelle. Über 6% aller weiblichen Studenten hierzulande widmen sich demnach der deutschen Sprache und ihren Besonderheiten. Bei den Männern schafft es das Germanistik-Studium nicht einmal unter die Top Ten. Viele der (sowohl männlichen als auch weiblichen) Studenten entscheiden sich für das Studium, um später als Lehrer oder Lehrerin zu arbeiten. Das ist ein Drittel aller Studierenden. Das CHE-Hochschulranking 2010 empfiehlt zukünftigen Germanistikstudenten die Uni Freiburg (Bachelor) sowie die Uni Bamberg und die Uni Göttingen (Lehramt Deutsch) als beste Hochschulen.
Berufsaussichten
Der Germanistikstudent von heute mit dem Abschlussziel Bachelor, darf sich häufig rechtfertigen, warum er denn nicht auf Lehramt studiert. Die gängige Meinung: Geisteswissenschaftler werden nach dem Studium sowieso keinen passenden Job finden und durch unzählige Praktika ausgenommen und ausgenutzt. Das ist zwar durchaus etwas dran, schließlich gelingt im Durchschnitt nur etwa 30% der Absolventen eines Bachelor-Jahrgangs im Fach Germanistik der direkte Berufseinstieg. Somit müssen sich viele Absolventen tatsächlich erst einmal mit dem ein oder anderen Praktikum über Wasser halten, ein Jahr nach Studienabschluss haben die meisten dann auch eine Stelle gefunden.
Der Vorteil der Germanistik-Studenten: Sie sind vielseitig einsetzbare Allrounder und Generalisten. Sie kommen oft in Bereichen unter, in denen viel kommuniziert wird sowie Informationen beschafft und vermittelt werden müssen, so z. B. in der Sprachforschung, Unternehmenskommunikation oder im Journalismus. Werbung, Verlagswesen und PR kommen für viele ebenso in Frage wie Forschungseinrichtungen, Medienunternehmen oder das Bibliothekswesen.
Viele Abiturienten entscheiden sich im Gegensatz dazu, Germanistik auf Lehramt zu studieren. Ungefähr jeder dritte Student möchte später als Lehrer arbeiten. Es ist reizvoll, da ein schneller Berufseinstieg praktisch sicher ist. Ein Faible für pädagogische Themen sollten hier ebenso vorhanden sein wie Engagement, Leidenschaft und ein gewisses Talent, mit Kindern oder Jugendlichen umzugehen.
Zusatzinfos rund ums Germanistik-Studium gibt’s hier:
www.hochschulen.com










