Jura
Vorurteile gegenüber Juristen gibt es viele: Die einen sehen in ihnen die Karrieristen in Karohemd und Laptop unter dem Arm. Andere wiederum sehen in ihnen die ehrbaren Richter und Anwälte, die sich für Recht und Ordnung einsetzen. Sicher ist: Jura gehört seit Jahren zu den beliebtesten Studiengängen unter männlichen und weiblichen Studenten.
Beschreibung
Das Jura-Studium ist sehr lernintensiv und anspruchsvoll. In manchen Bundesländern liegt die Durchfallquote im ersten Staatsexamen bei knapp 40%. Dennoch: Die Aussicht auf ein hohes Einstiegsgehalt sowie die ausgezeichneten Berufschancen bei gutem Abschluss sind für viele Abiturienten Grund genug, ein Jura-Studium aufzunehmen.
Das Jura-Studium an der Uni dauert mindestens acht Semester. Bestehen die Studenten die Zwischenprüfung (zumeist nach vier Semestern Grundstudium), sind sie für das Hauptstudium zugelassen. Nach dem Hauptstudium sowie zwei Pflichtpraktika folgt das erste Staatsexamen, die erste juristische Prüfung. Durchfallquoten von zwanzig Prozent und mehr sind nicht unüblich.
Wer das erste Staatsexamen erfolgreich hinter sich gebracht hat, beginnt mit dem zweijährigen Referendariat. Im Referendariat sammeln die Studenten die notwendige praktische Erfahrung in verschiedenen Rechtsgebieten (z.B. bei einem Amts- oder Landgericht, Strafgericht, Verwaltungsgericht oder in einer Behörde).
Inhalte
Am Ende der zwei Jahre steht das zweite Staatsexamen, die sogenannte zweite juristische Staatsprüfung. Wer diese bestanden und sein Jura-Studium damit erfolgreich abgeschlossen hat, ist sogenannter Volljurist, dem alle Berufsmöglichkeiten offen stehen.
Im Grundstudium stehen die juristischen Methoden und Grundlagen der einzelnen Rechtsgebiete im Mittelpunkt. Dabei bilden die drei großen Rechtsbereiche den Schwerpunkt. Die drei Hauptgebiete des Rechts sind:
- Strafrecht (Inhalte: Vermögens-, Kapitaldelikte u.a.)
- Zivilrecht (Inhalte: BGB, Schuldverhältnisse, Erbrecht, Familienrecht u.a.)
- Öffentliches Recht (Inhalte: z.B. Europarecht, Verwaltungsrecht, Grundrechte)
Das Zivilrecht umfasst dabei den größten Teil des Jurastudiums. Zu diesen drei Hauptbereichen kommen Grundlagenfächer wie Rechtsgeschichte und –philosophie.
Im Hauptstudium vertiefen die Studenten ihr Wissen in diesen drei Kernbereichen und erwerben Schlüsselqualifikationen etwa in Rhetorik oder Verhandlungslehre. Die angehenden Juristen wählen zudem einen Schwerpunkt (z.B. Europa-, Medien-, oder Medizinrecht).
Interessenten müssen sich bei den Unis direkt bewerben. Diese entscheiden dann nach eigenen Auswahlkriterien über die Zulassung. Dabei ist in erster Linie die Abiturnote entscheidend. Aktuell verlangen 19 Hochschulen einen bestimmten Notenschnitt von ihren Bewerbern.
Eine Übersicht über diese Hochschulen und deren Jura-NC findet ihr hier
www.nc-werte.info
Es gibt mittlerweile aber auch sehr viele Unis, bei denen es keinen Numerus Clausus mehr gibt und jeder Bewerber seinen Studienplatz erhält.
Vorkenntnisse
Wer mit Mathe bzw. den Naturwissenschaften keine Probleme hat, hat gute Chancen, auch in Jura zu bestehen. Die Studenten müssen logisch kombinieren, komplizierte rechtliche Sachverhalte verstehen und aufschlüsseln sowie das geltende Recht an passender Stelle anwenden können. Ähnlich wichtig sind sprachliche und rhetorische Fähigkeiten sowie ein grundlegendes Interesse an philosophischen und ethischen Fragestellungen. Zudem sollte man sich gut organisieren können sowie genug Ausdauer und Selbstdisziplin haben.
Studiengang
An 32 Fakultäten sowie Fachhochschulen in Deutschland kann man einen rechtwissenschaftlichen Studiengang bzw. Jura studieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Studiengängen, hat der Bologna-Prozess bis jetzt kaum Auswirkungen auf das Studienfach Jura. An den meisten Unis schließt man Jura immer noch mit dem klassischen Staatsexamen ab.
Einige wenige Unis sowie private und öffentliche FHs bieten mit dem Bachelor/Master aber die neuen Abschlüsse an. So z.B. die Uni Dresden mit dem Bachelorstudiengang Law in Context (Inhalte: z.B. Wirtschaftsrecht, Politik, Umweltrecht), oder die Uni Münster (Bachelor Politik und Recht). Die Absolventen mit Bachelor- und Master-Abschlüssen können später nicht als Richter oder Anwalt arbeiten, aber z.B. in Unternehmen und der freien Wirtschaft.
FHs bieten nicht das „klassische“ Jura, dafür aber z.B. das artverwandte Wirtschaftsrecht. Dieses Studium beläuft sich in aller Regel auf sechs bis sieben Semester und kombiniert betriebwirtschaftliche Inhalte mit relevanten Rechtsgebieten wie Arbeits- Handels- oder Steuerrecht. Juristische Fragestellungen und rechstwissenschaftliche Inhalte finden sich aber immer auch in anderen Studiengängen bzw. Fächern. Beispiele hierfür sind Medizin (z.B. Arzthaftung), Architektur (Baurecht u.a.), Sozialpädagogik (z.B. Familienrecht) oder auch Informatik (Datenschutzrecht u.a.).
Eine Übersicht über alle Universitäten, die Jura als Studienfach anbieten, gibt es hier: www.jurastudium-info.de
Eine Übersicht über Jura-nahe, artverwandte Studiengänge findet ihr hier:
www.studis-online.de
Zahlen
Weibliche wie männliche Studenten fühlen sich von einem Jura-Studium fast gleichermaßen stark angezogen. Knapp 5% (ca. 48 000) aller weiblichen Studenten in Deutschland absolvieren ein rechtswissenschaftliches Studium. Auch unter Männern erfreut sich Jura nach wie vor großer Beliebtheit. 40 000 Studenten sind eingeschrieben, das entspricht 4% aller männlichen Studenten. Das CHE-Hochschulranking 2010 empfiehlt zukünftigen Studenten die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und die private Bucerius Law School in Hamburg. Sie erhielten die besten Noten.
Allerdings: Diese Privatunis sind in der Regel sehr teuer, 10.000–20.000 Euro pro Jahr sind keine Seltenheit. Dafür garantieren sie aber eine hervorragende juristische Ausbildung. In den meisten Fällen muss man vor Studienbeginn einen Auswahltest bestehen.
Darüber hinaus genießen die juristischen Fakultäten der Unis Heidelberg, Tübingen und Freiburg einen besonders guten Ruf.
Berufsaussichten
Etwa 10 000 ausgebildete Volljuristen strömen jedes Jahr auf den Markt. In kaum einem anderen Fach ist die Abschlussnote so entscheidend wie in Jura. Wer beide Staatsexamen mit Prädikat (mindestens „voll befriedigend“, das entspricht 10 von 18 Punkten) besteht, hat die allerbesten Berufschancen und kann sich seinen Job regelrecht aussuchen. Sie können als Staatsanwälte oder Richter arbeiten, bei Großkanzleien, internationalen Organisationen und Behörden wie etwa dem Auswärtigen Amt oder bei Parteien sowie Verbänden: sie alle sind ständig auf der Suche nach Spitzenjuristen mit Prädikats-Examen. Nur etwa 15% aller Studenten erreichen dieses Prädikatsexamen.
Die Absolventen mit durchschnittlichem Abschluss, fangen oftmals in kleineren Kanzleien an. Aber auch im Notariatswesen, in der öffentlichen Verwaltung, der Wirtschaft und Wirtschaftsberatung (z.B. bei Banken, Versicherungen, großen Industrie- und Handelsunternehmen) sowie bei Verbänden können Juristen arbeiten. Der Bachelor-Abschluss zielt in der Regel auf eine juristische Tätigkeit in der Wirtschaft, als Anwalt oder gar als Richter kann man mit einem Bachelor oder Master nicht arbeiten. Der Master ist die Voraussetzung für die Promotion.
Weitere Infos rund ums Jurastudium gibt es unter:
www.jura-studium-info.de
www.juristenausbildung.de










