Lehramt

von Inga Amberge

Lehramt ist ein echter Dauerbrenner unter der großen Menge an Fächern, die den Studienanfängern zur Auswahl stehen. Viele gute Gründe sprechen für das Lehrerwerden. In den letzten Jahren hat die Zahl der Studienanfänger auf Lehramt allerdings immer weiter abgenommen, sodass die Schulen händeringend nach Lehrkräften suchen. Auch das Studium hat einen großen Wandel durchgemacht. Das traditionelle Lehramtsstudium gehört mittlerweile fast zum alten Eisen und der Master of Education ist auf dem Vormarsch. Damit ihr nicht den Überblick verliert, haben wir für euch zusammen gefasst, wie das neue Lehramtsstudium aufgebaut ist und was euch erwartet.

Zulassungsvoraussetzungen

Wenn ihr sicher seid, dass Lehramt der richtige Weg ist, solltet ihr euch im Voraus gut informieren, an welcher Universität ihr die gewünschte Fächerkombination studieren könnt. Außerdem könnt ihr nicht überall alle Schulformen studieren, sodass ihr auch hier die Angebote vorher überprüfen müsst. Im Gegensatz zu den meisten anderen Studienfächern gibt es allerdings auch Studiengänge, für die es vor Studienbeginn eine Eignungsprüfung gibt, wie z.B. für die Fächer Kunst, Musik und Sport. Hier soll getestet werden, ob ihr die notwendigen Vorkenntnisse und Fähigkeiten für ein entsprechendes Studium mitbringt. Dies gilt auch für Sprachen, die ihr studieren wollt. In Eignungs- und Einstufungstests wird das Leistungsniveau der Studenten überprüft.
Abgesehen von diesen uni-spezifischen Voraussetzungen ist die Allgemeine Hochschulreife ausreichend, wobei ihr auch hier die NCs für die jeweiligen Wunschfächer beachten müsst.

Studiengang

Das Studium für zukünftige Lehrer steckt im Wandel. Wie alle anderen Studiengänge ist das Lehramtstudium in eine Kombination aus Bachelor und Master umgewandelt worden, die das veraltete Studium bis zum Wintersemester 2011/2012 vollkommen (zumindest in einigen Bundesländern) ersetzt haben soll. Wo und wie schnell die Umstrukturierung eingeführt wird, liegt jedoch bei den einzelnen Bundesländern. Das allgemeine Ziel steht allerdings fest: das Studium soll von vornherein praxisorientierter werden.
Während das bisherige, veraltete Lehramtsstudium aus Grundstudium mit Zwischenprüfung und anschließendem Hauptstudium und erstem Staatsexamen bestand, werden diese Bestandteile in der neuen Studienform durch Bachelor- und Masterstudium ersetzt.

Bachelor of Education (B.Ed.)

Der erste Schritt hin zum Lehrerberuf ist der Bachelor of Education. Das Studium dauert in der Regel sechs Semester und ist die Voraussetzung für einen anschließenden Master of Education. Im Vergleich zum bisherigen Lehramtsstudium hat der Bachelor of Education den Vorteil, dass er ein eigener berufsqualifizierender Abschluss ist, der allerdings nicht die Aufnahme eines Referendariats ermöglicht.
Grundsätzlich ist das Studium in fünf Bereiche unterteilt: Erziehungswissenschaften, Fachwissenschaften, Fachdidaktik, Praktika und Bachelorarbeit, wobei die Fachbereiche je nach Uni und Bundesland voneinander abweichen können. In dieser Phase werden den Studenten Fachinhalte ihrer zwei Fächer, aber auch allgemeines Wissen über die Vermittlung von Lehrinhalten beigebracht. Während des Studiums müsst ihr ebenfalls Praktika machen, z.B. das Orientierungspraktikum während des ersten oder zweiten Semesters des Bachelorstudiums. In NRW ist es mittlerweile sogar obligatorisch, ein Eignungspraktikum abzuleisten, das ihr spätestens vor Beginn des Orientierungspraktikums vorweisen müsst.
Im Laufe des Bachelor of Education-Studiums müsst ihr irgendwann die Schulform festgelegt werden, in der später unterrichtet wird. In den meisten Bundesländern sind die Schulformen wie folgt aufgeteilt:

  • Grund- und Hauptschule
  • Realschule
  • Gymnasium
  • Berufschule
  • Sonderschule

Auch die Fächerkombination für den Lehrerberuf solltet ihr gut durchdenken. Eine zu hohe Belastung durch Korrekturen könnt ihr z.B. durch die Kombination eines Haupt- und eines Nebenfaches vermeiden. Die Kombination Englisch und Deutsch ist hier ein Paradebeispiel, wenn es um Schreibtische voller Klausuren geht.
Wie schon erwähnt berechtigt der Bachelor of Education nicht zur eigenverantwortlichen Lehrtätigkeit, sondern nur zur Ausübung einer Lehrassistenz.
An einigen Universitäten müsst ihr nicht von vornherein den Bachelor of Education machen, um anschließend den Master of Education machen zu können. Ein Bachelor of Arts oder ein Bachelor of Science berechtigen euch ebenso zu einem M.Ed.-Studium mit dem Unterschied, dass diese Varianten nicht so sehr am späteren Lehrerberuf orientiert sind.
Mehr Infos unter www.bachelor-studium.net

Master of Education (M.Ed.)

Für Studenten mit dem Berufswunsch Lehrer ist der Master of Education unumgänglich, da er mit dem ersten Staatsexamen der vorherigen Lehrerausbildung vergleichbar ist. Nach erfolgreichem Abschließen des Masters steigt ihr dann ins Referendariat ein und erhaltet die Lehrbefähigung.
Je nach angestrebter Schulform beträgt die Regelstudienzeit für den M.Ed. zwei bis vier Semester. In dieser Zeit müsst ihr insgesamt 120 Kreditpunkte sammeln, die sich  aus Klausuren, Seminaren, Prüfungen, Vorlesungen und natürlich der Masterarbeit zusammensetzen. Das Studium umfasst Lehrinhalte der Erziehungswissenschaften, Fachdidaktik der jeweiligen Unterrichtsfächer und schulpraktische Elemente.
Mehr Infos unter www.master-of-education.com

Zahlen

Bachelor und Master sind auch in Deutschland auf dem Vormarsch mit mittlerweile rund 11.600 Studiengängen an allen deutschen Hochschulen. Zum Wintersemester 09/10 immatrikulierten sich Dreiviertel aller Erstsemester für ein Bachelor- oder Masterstudium. Ein Jahr später, zum Wintersemester 2010/2011 gab es bereits 857 Bachelor-Studiengänge, die über einen späteren Masterabschluss zum Lehramt befähigen.
Mit Ausnahme einiger weniger Bundesländer (Saarland und Sachsen-Anhalt) führen früher oder später alle Bundesländer das gestufte Lehramtsstudium ein. Mehr als die Hälfte der Bundesländer plant sogar eine flächendeckende Umstellung, darunter z.B. auch Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Andere Bundesländer haben sich entschieden, Bachelor und Master nur eingeschränkt einzuführen, z.B. nur an bestimmten Hochschulen, oder das neue Studium nur als Pilotversuch zu nutzen.
Da der Bedarf nach wie vor höher ist als die tatsächliche Anzahl an Lehrkräften, gibt es momentan einen großen Zugang an Seiteneinsteigern. Bevor Quereinsteiger jedoch eigenständig unterrichten dürfen, müssen sie, ebenso wie normale Lehramtsanwärter, ein Referendariat durchlaufen und auch den erziehungswissenschaftlichen, fachdidaktischen und fachwissenschaftlichen Teil, der normalerweise im Studium vermittelt wird, nachholen.
Rund 70 % der Lehrer sind Frauen.

Berufsaussichten

Die Berufsaussichten für zukünftige Lehrer unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und hängen von verschiedenen Faktoren ab. Unter Berücksichtigung einiger Punkte können jedoch Tendenzen ermittelt werden.
In den kommenden Jahren werden ca. 300.000 Lehrer in den Ruhestand gehen (www.abi.de) und Platz für neue Lehrkräfte machen. Die Chancen auf einen guten Berufseinstieg hängen hierbei aber auch von der studierten Fächerkombination ab. Fächer wie Deutsch und Englisch werden häufiger studiert als Naturwissenschaften und sind daher ausreichend an Schulen vorhanden. Gefragt sind momentan naturwissenschaftliche Fächer wie Physik, Chemie und Mathe oder auch seltene Fächer wie Latein. Durch die richtige Fächerkombination und das Beobachten von Prognosen kann der Einstieg in den Lehrerberuf also deutlich erleichtert werden.
Ein letzter wichtiger Grund, weshalb viele Studenten auf Lehramt studieren, ist die Option auf Verbeamtung. Leider haben sich auch hier die Zeiten geändert und immer mehr Lehrer arbeiten in einem Angestelltenverhältnis. Trotzdem gilt der Lehrerberuf nach wie vor als sehr sicher.
Mehr wichtige Tipps findet ihr unter www.abi.de.

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