Medizin
Das klassische Medizin-Studium gehört zu den anspruchsvollsten und lernintensivsten Fächern. Mit mindestens zwölf regulären Semestern Studienzeit ist es auch das längste Studium an deutschen Unis. Ein voller Stundenplan und bis zu 30 Wochenstunden sind keine Seltenheit im Grundstudium (die sog. Vorklinik).
Beschreibung und Inhalte
Inhalt und Aufbau des Medizin-Studiums sind bundesweit einheitlich in der sog. Approbationsordnung geregelt. Es ist somit genau festgelegt, welche Seminare und Kurse die Studenten in welchem Semester belegen müssen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Studienfächern ist es im Medizin-Studium somit nicht möglich, Kurse und Veranstaltungen vorzuziehen.
Das Medizin-Studium ist in zwei Abschnitte geteilt: Die Vorklinik und die klinische Ausbildung. Die drei großen Fächer der Vorklinik sind:
- Anatomie (Inhalte: Aufbau des Körpers, Aufbau des Nervensystems u.a.)
- Physiologie (Inhalte: Funktionen des Körpers, z.B. Verdauung, Atmung etc.)
- Biochemie (Inhalte: z.B. Stoffwechsel, Zellen, Organellen)
In der Vorklinik ist ein dreimonatiges Pflegepraktikum im Krankenhaus vorgeschrieben. Dieses müssen die Studenten bis zum Ende des Grundstudiums abgeleistet haben. Es empfiehlt sich, das Praktikum - falls es zeitlich möglich ist - vor Studienbeginn zu absolvieren, da man im Studium die dadurch gewonnene Zeit zum Lernen verwenden kann. Die Studenten sollen im Praktikum die tägliche Pflegearbeit in einer Klinik kennenlernen. Das Praktikum erfolgt - abgesehen von einigen Ausnahmen (Privatkliniken) - in den meisten Fällen ohne Entgelt. Am Ende der vorklinischen Ausbildung steht dann das erste Staatsexamen, das Physikum. Dieses ist bundeseinheitlich geregelt und wird von den Prüfungsämtern Jahr für Jahr neu konzipiert. Die Studenten schreiben zur selben Zeit an zwei Tagen und müssen etwa 600 Multiple-Choice-Fragen beantworten. Dabei ist der komplette Lernstoff der ersten beiden Jahre prüfungsrelevant.
Nach dem Physikum beginnt der klinische Studienabschnitt (Hauptstudium). Blockpraktika in Unikliniken und Lehrkrankenhäusern stehen an, die auf den ärztlichen Alltag vorbereiten und einen Einblick in die medizinische Arbeitsweise geben. An der Theorie kommen die Studenten aber auch im Hauptstudium nicht vorbei. Die Medizinstudenten lernen die verschiedenen medizinischen Bereiche bzw. Disziplinen kennen: von der Allgemeinmedizin über die Neurologie bis hin zur Urologie. Dazu kommen fächerübergreifende Inhalte wie medizinische Informatik oder Gesundheitsökonomie. Die Studenten müssen in dieser Phase insgesamt vier Monate Praktikum ableisten, Famulatur genannt. Sie machen das Praktikum teils in der Praxis, teils im Krankenhaus. Hier können sie sich selbst ausprobieren und lernen die medizinischen Basics, z.B. wie man eine Nadel legt, Blut abnimmt oder auch eine Wunde näht.
Im letzten Teil des Medizin-Studiums findet das Praktische Jahr (PJ) statt. In diesem Jahr arbeiten die Studenten im Krankenhaus und sammeln weitere Praxiserfahrung – zumeist unentgeltlich. Vorgeschrieben sind je 16 Wochen in der Inneren Medizin und Chirurgie, die dritte Station können die Studenten frei wählen. Nach dem PJ folgt das zweite Staatsexamen, die Studenten nennen es das „Hammerexamen“, da der komplette Stoff des Studiums prüfungsrelevant ist. Die schriftliche Prüfung zieht sich über drei Tage, täglich müssen sich die Studenten in einer fünfstündigen Prüfung 320 Multiple-Choice-Fragen stellen.
Da sich mehr Studenten an den Unis bewerben, als Studienplätze zur Verfügung stehen, ist der Studiengang Medizin zulassungsbeschränkt. Die Vergabe der Studienplätze regelt die „Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen“ (ZVS). Etwa 20% der Plätze werden nach Abi-Note vergeben, 20% nach Wartezeit und 60% der Plätze vergeben die Unis selbst. Der NC ändert sich zwar von Jahr zu Jahr, Medizin bleibt aber ein Studienfach, das ein Einser-Abi voraussetzt. Wer an einer Uni in Baden-Württemberg, in Bochum, Leipzig, Mainz oder Lübeck studieren möchte, kann am Medizinertest teilnehmen und mit einem guten Ergebnis seine Note verbessern. Zum vergangenen Sommersemester lagen die NC-Werte bei 1,1 (Berlin) bis 1,4 (z.B. Hamburg).
Wer nur über die Wartesemester an einen der begehrten Studienplätze kommt, sollte darüber nachdenken, die Zeit mit einer Berufsausbildung in einem medizinnahen Beruf zu überbrücken.
Vorkenntnisse
Da Mathe, Physik und Biologie zentrale Inhalte im Grundstudium sind, sollte Interesse an diesen Fächern sowie ein naturwissenschaftliches Grundverständnis vorhanden sein. Die Studenten werden vieles lernen, mit denen sie sich später nie wieder beschäftigen müssen. Aufgrund der Menge an Prüfungsstoff ist es zudem von Vorteil, wenn die Studenten leicht auswendig lernen können. Die angehenden Mediziner sollten Lernen und das Beschäftigen mit neuen Inhalten nicht als Qual empfinden, denn: nach der Vorlesung muss das gerade Gelernte vertieft und oft nochmals nachgearbeitet werden.
Studiengang
34 Universitäten bieten bundesweit ein Medizin-Studium an. In den meisten Fällen kann das Studium dort nur zum Wintersemester aufgenommen werden, nur neun Unis bieten die Möglichkeit, auch zum Sommersemester zu beginnen. Dazu zählen z.B. die Uni Gießen, Uni Köln, sowie die Uni Würzburg. Eine Übersicht über alle Unis, die Medizin anbieten, gibt es unter www.nc-werte.info. Das Medizin-Studium schließt an jeder Universität traditionell mit dem Staatsexamen ab. Es gibt aber durchaus Überlegungen, auch das Medizin-Studium nach Bachelor und Master zu stufen. Die meisten Fachvertreter lehnen diesen Vorschlag aber ab.
Zahlen
Vor allem Frauen reizt das Medizin-Studium. Der Anteil an weiblichen Studenten unter den Studienanfängern in Medizin liegt seit Jahren deutlich über dem Männeranteil. Über 49 000 weibliche Studenten sind bundesweit in Medizin eingeschrieben, das sind fast 5% aller Studentinnen. Im Gegensatz dazu liegt die Zahl männlicher Medizinstudenten mit ca. 30 000 deutlich unter dem Wert der Frauen. Dennoch gehört das Medizin-Studium sowohl für Frauen als auch für Männer zu den jeweils zehn beliebtesten Studiengängen. Das CHE-Hochschulranking 2010 empfiehlt zukünftigen Medizinstudenten die Uni Heidelberg für ein Medizin-Studium als beste Hochschule.
Berufsaussichten
Nach dem Studium und der Ausbildung zum Facharzt fällt vielen der Einstieg in den Beruf schwer, vor allem was den klassischen Berufseinsteg in einer Klinik betrifft. In einigen Kliniken sind die Strukturen sehr festgefahren und noch sehr hierarchisch. Die Arbeitsbelastung ist hoch, Wochenend- und Nachtschichten sind keine Seltenheit und auch das Gehalt fällt – abhängig von der Fachrichtung - in vielen Fällen nicht gerade üppig aus. Aber es gibt auch Fachbereiche mit exzellenten Berufsaufsichten und sehr guter Bezahlung, dazu zählen z.B. die Radiologen. In Bezug auf die Entlohnung finden sich am unteren Ende z.B. die Dermatologen und Allgemeinmediziner. Die Folge: Immer mehr Jungmediziner entscheiden sich für eine Karriere in der universitären Forschung, der Gesundheitspolitik, Pharmaindustrie oder Biotechnologie und gegen den Beruf des praktizierenden Arztes. Auch eine Tätigkeit im Ausland kommt für viele Absolventen in Frage. Neben skandinavischen Ländern wie Schweden gelten England und die USA für junge Mediziner als sehr attraktiv.
Zwar sind die Arbeitsbedingungen hierzulande oft nicht die angenehmsten, ein schneller Berufseinstieg ist nach dem Medizin-Studium trotz allem fast sicher: Knapp 85% der Absolventen eines Jahrgangs erhalten im Durchschnitt innerhalb des ersten Jahres eine feste Stelle. Auch das durchschnittliche Einstiegsgehalt von ca. 42.000 bis 48.000 Euro brutto kann sich kann sich sehen lassen.
Mehr Infos zum Medizin-Studium unter
www.thieme.de










