Studieren an einer Top-Universität — Großer Name = Große Karriere?

von Rita Martens-Baentsch

Ohne Abschluss an einer Top-Uni geht später im Job karrieretechnisch gar nichts – vor allem im Studienfach BWL. Stimmt das? UNICUM hat bei Personalverantwortlichen, Beratern und an Hochschulen nachgefragt.

Soll ich in Mannheim oder Köln studieren, oder doch besser an einer privaten Business School? Wer im Job durchstarten will, muss sich früh entscheiden und die Weichen stellen – für die beste Hochschule am richtigen Studienort. So jedenfalls liest man es in Wirtschaftsmagazinen und Karriereratgebern, und die zahlreicher werdenden Uni-Rankings verstärken den Eindruck noch.

Ist es tatsächlich so, dass Absolventen von privaten Top-Unis größere Chancen haben als andere, im Berufsleben erfolgreich zu sein? Bei der Beantwortung dieser Frage müsse man zwischen großen, international ausgerichteten Unternehmen und kleineren, lokalen Firmen unterscheiden, sagt Stefanie Zimmermann, Chefredakteurin des Staufenbiel Instituts, die auch Studierende berät: „Mittelständischen Unternehmen ist der Ruf der Universität oft nicht ganz so wichtig. Unternehmen mit einem Image als Top-Arbeitgeber wie Dax-Konzerne und große Consulting-Firmen erhalten noch extrem viele Bewerbungen und müssen daher sieben. Da kann auch der Ruf der Universität zu einem Auswahlkriterium werden.“

Name der Uni ist bundesweit völlig irrelevant

Bei der Boston Consulting Group setzt man andere Akzente, wenn es um die Bewerberauswahl geht. „Wir suchen herausragende Absolventen aller Fachrichtungen mit intellektueller Neugier und dem Willen, wirklich etwas zu bewegen“, sagt Dr. Carsten Baumgärtner, verantwortlich für das Recruiting bei BCG. Er misst dem Studienort eine eher untergeordnete Bedeutung zu. 

Der Karriereberater Thomas Landwehr geht sogar einen Schritt weiter: „Ich glaube, dass der Name der Uni bundesweit völlig irrelevant ist.“ Aussagekräftiger sei es, wenn man ein Auslandssemester und gute Praktika gemacht hätte. „Wessen Ziel es aber von vornherein ist, eine Karriere im Ausland zu starten, und das Geld besitzt, der sollte eine private Uni besuchen, die international ausgerichtet ist. Im Ausland wird stärker auf den guten Namen der Uni geachtet als in Deutschland.“ Das deutsche Universitätswesen sei kaum zu vergleichen mit den Verhältnissen in den USA, wo bestimmte Jobs nur bekommt, wer an Elite-Hochschulen wie Harvard oder Stanford studiert hat.

Bei der Suche nach einem passenden BWL-Studienort rät Raoul Wintjes, Personalberater bei proAct Consulting und Karriereexperten.com, nicht nur auf die Lehrbedingungen zu achten: „Erkundigen Sie sich, wie die Wirtschaftskontakte der Uni und der Professoren sind, ob es Förderungen für Praktika gibt und was die Alumni machen.“ Es müsse für BWLer nicht immer nur Mannheim, Vallendar oder München sei. „Es ist sinnvoll“, sagt Wintjes, „über Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn eine Suchanfrage zu stellen. Wer an der Uni Köln BWL studiert hat, sucht einfach nach allen Kölner Alumni. Schon sieht man die Unternehmen, die besonders viele Kölner Absolventen eingestellt haben. Die Chance, sich hier für einen Job zu bewerben, könnte also größer sein als anderswo.“

Unternehmen binden die besten Talente schon früh an sich

Vernetzung und gute Kontakte der Hochschulen in die Wirtschaft werden immer wichtiger. So auch an der TU München, wo die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften einen hervorragenden Ruf genießt. „Häufig haben unsere Studierenden einen Job, noch bevor sie den Abschluss in der Tasche haben“, sagt PR-Referent Klaus Becker. „Die Absolventen haben durch verschiedene Komponenten hervorragende Berufschancen: Zum einen ist da der gute Ruf der Uni, dann die spezifische Ausbildung und natürlich unsere gepflegten Kontakte zu Unternehmen.“ 

Die Kontaktaufnahme zwischen Student und Unternehmen erfolgt an vielen Hochschulen bei Veranstaltungen direkt auf dem Campus. So auch an der privaten Otto Beisheim School of Management in Vallendar (WHU), die mit einem eigenen Karriere-Service für Studierende wirbt: Unternehmen, die zum Kreis der Stifter und Förderer der WHU gehören, können sich den Studierenden auf Recruiting-Events und Messen vorstellen.

Für Unternehmen ist es im Wettlauf um die besten Talente wichtig, Studenten schon früh an sich zu binden. „Dafür setzen sie auf Zielhochschulen, die ihrer Erfahrung nach die besten Absolventen hervorbringen“, weiß Staufenbiel-Chefin Zimmermann. „Auf diese Hochschulen richtet sich bevorzugt das Hochschulmarketing, und so kommen Studenten schon während des Studiums mit einem potenziellen Arbeitgeber in Kontakt. Das ist natürlich ein Vorteil bei der Suche nach dem Traumjob.“

Marita Reuter, Leiterin Unternehmenskommunikation bei KPMG, sieht das ähnlich: „KPMG hat einen guten Überblick über die Hochschulen und deren Angebote; es gibt Kooperationen zwischen unserem Unternehmen und einer ganzen Reihe von Hochschulen in Deutschland.“ Jede Bewerbung werde dennoch unabhängig vom Studienort bewertet, so Reuter.

Der Uni-Name allein macht noch keinen zum großen Karrieristen – es kommt auf mehrere Bausteine an, die wie ein Kreislauf wirken: Je bekannter der Name der Uni, desto mehr Unternehmen investieren in sie und umso besser werden die Studierenden ausgebildet und umso eher werden die Absolventen von den Top-Arbeitgebern genommen. Was aber nicht bedeutet, dass ein Wirtschaftswissenschaftler von einer schlecht gerankten FH beim Vorstellungsgespräch keine Chance hätte: Mit Persönlichkeit, Engagement und Zusatzqualifikationen lässt sich immer noch punkten.

Nachgefragt bei:

Foto | Privat

Svenja Hofert (Foto), Karriereberaterin und Autorin zahlreicher Bewerbungs- und Karrierebücher.

Unicum.de: Was ist wichtiger: der Ruf der Uni oder die Examensnote?

Hofert: Bei großen Konzernen ist es bekannt, dass zum Beispiel Köln eine Top-Uni in BWL ist, aber bei den kleineren und mittleren Unternehmen – und das ist ja nun mal die Masse – ist es oft nicht bekannt. Die vergleichen dann die Note 1,9 eines Hamburger Absolventen mit der eines Kölner Absolventen mit dem Notendurchschnitt von 2,7, der aber für diese Uni sehr gut ist. Oder wenn man sich bei großen Unternehmen über ein Online-Formular bewirbt, wo man seine Note eingeben muss, wird man mit einer schlechten Note automatisch ausgeknockt, denn die Programme sind nicht so clever, dass sie auch nach Ruf der Uni auslesen. 

Also planen Studierende ihre Karriere schon mit der Wahl der Universität? 

Es kommt ganz auf das persönliche Ziel nach dem Studium an. Wer nicht so mobil ist und lieber in kleineren Unternehmen einsteigen will, der kann mit einer sehr guten Note einer beliebigen Uni schneller einen Job dort bekommen, ist dann aber stärker an das Unternehmen gebunden. Wer lieber überregional und international Karriere machen möchte und sehr fleißig ist, wird sich bei einem großen Unternehmen bewerben wollen, wo die Bindung daran nicht so stark ist, was aber für eine langfristige Karriere besser ist. Hier haben die Top-Uni-Absolventen große Vorteile, weil sie dort frühzeitig Kontakte beispielsweise für Praktika mit solchen Unternehmen knüpfen. An guten dualen Fachhochschulen wie der Nordakademie in Hamburg gibt es oft regional ausgerichtete Kooperationen, die von Vorteil für die sind, die einen schnellen Einstieg suchen, aber nicht unbedingt am Anfang viel wechseln wollen.

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