Ungewöhnliche Studiengänge

von Ann-Christin von Kieter

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom – oder studieren BWL, Jura, Medizin und Co. Wer sich traut, findet unter den folgenden kuriosen Studienangeboten vielleicht sein Traumfach.

Tourismus und Freizeit

„Die Freizeit darf unter dem Studium nicht leiden“ heißt eine beliebte Studi-VZ-Gruppe. Dieser Grundsatz ist für einige Bremer Studierende leicht einzuhalten. Denn dort gibt es das Fach „Angewandte Freizeitwissenschaft“.


Auf die AIDA, fertig, los! Wer keine Angst hat, seekrank zu werden, kann es auch hiermit probieren: „Cruise Industry Management“ in Bremerhaven. Der Wirtschaftsstudiengang bereitet euch auf Jobs in der Tourismus- und Kreuzfahrtbranche vor.

Musik und Kunst

Wer mit seiner Blockflöte mehr anstellen kann, als Oma und Opa an Heiligabend zu verzücken, der ist in Stuttgart genau richtig. An der staatlichen Hochschule für Musik und Kunst könnt ihr euer Lieblingsinstrument studieren und dafür den Abschluss Bachelor of Musik bekommen. Selbigen gibt’s auch für "freischaffende Musiker" oder "Kirchenmusik".

Ihr seid nicht musikalisch? Dann lasst euch doch zum Puppenspieler ausbilden. Das geht ebenfalls in Stuttgart und nennt sich offiziell "Figurentheater".

Umwelt und Natur

Eine halbe Tonne Müll produziert jeder Deutsche pro Jahr. Das klingt nach vielversprechenden Jobchancen. Wer aber keine Lust auf orangefarbene Latzhosen hat, kann es mit einem Studium probieren. "Abfallwirtschaft und Altlasten" bietet die Uni Dresden an, "Abfallentsorgung" die RWTH Aachen.

Wesentlich hübscher ist da "Kristallographie". Der Beschäftigung mit funkelnden Steinen könnt ihr in Freiburg oder Köln nachgehen. Ebenfalls eine saubere Sache: "Air Quality Control" an der Uni Stuttgart oder "Water Science" an der Uni Duisburg-Essen.

Essen und Trinken

Bleiben wir beim flüssigen Element. Kaffee ist für Viele ein Lebenselixier, doch ihm gleich einen Studiengang widmen? Klar, dachte man sich an der Northern Business School in Hamburg und schuf das Fach "Coffeemanagement".
Nicht so alkoholfrei geht es an der Uni Gießen oder der FH Wiesbaden zu. Hier steht "Oenologie", also Weinbau im Vorlesungsverzeichnis. Eine Alternative für Biertrinker gibt’s in München. An der TU in Freising könnt ihr euch für "Brauwesen" einschreiben.

Feste Nahrung ist euch lieber? Dann müsst ihr doch nach Hamburg und "Food Sciences" belegen.

Pädagogik und Soziales

Eure soziale Ader ausleben könnt ihr an der FH Merseburg auf besonders interessante Weise. "Sexualpädagogik und Familienplanung" heißt das Zauberwort. Bevor ihr euch allerdings der Fortpflanzung widmen könnt, müsst ihr einen Bachelor in der Tasche haben. Gleiches gilt für das Fach "Straßenkinderpädagogik" an der Uni Heidelberg.

Ihr wollt Lehrer werden und sucht noch nach Inspiration für ein zweites Fach? Bitteschön: "Körperpflege auf Lehramt" wird an der TU Darmstadt angeboten.

Sprachen und Kultur

Unter dem Begriff "neuere Philologie" tummeln sich so wohlklingenden Namen wie "Fennistik", "Sinologie" oder "Polinistik". Dahinter verbergen sich die modernen Sprachen Finnisch, Chinesisch und Polnisch. Keine Lust, Vokabeln zu pauken? Dann wäre  "Onomastik", also Namenskunde an der Uni Leipzig eine lohneswerte Alternative.

Oder ihr stürzt euch auf den kulturellen Bereich. Für die Erforschung sämtlicher Völker, quer über den Globus verteilt, findet sich der passende Studiengang.


„Soll ich, oder soll ich nicht?“ – Das sagt der Studienberater:

"Mein Grundsatz lautet: 'Erfolgreich ist, wer das macht, was ihm am Herzen liegt.' Bei der Wahl des Studienfachs sollten persönliche Fähigkeiten und Interessen eine zentrale Rolle spielen, denn die eigene Motivation ist der Schlüssel zum Erfolg. Nichtsdestotrotz rate ich aber jedem, sich vorab über die Lage am Arbeitsmarkt zu informieren. Es kann sein, dass es für stark spezialisierende Studiengänge hinterher nur wenige passende Stellen gibt. Dann kommt es auch darauf an, was für ein Typ man ist, und ob man bereit ist, ein gewisses Risiko einzugehen. Ein weiteres Problem könnte sich bei der Wahl eines Masterstudiengangs ergeben. Wenn der Bachelor schon zu speziell ist, wird es hinterher vielleicht schwierig, etwas Passendes zu finden. Immerhin muss ein Großteil der Studieninhalte dafür deckungsgleich sein."



Stefan Pöpsel ist Diplom-Sozialpädagoge und arbeitet im Akademischen Beratungs-Zentrum der Universität Duisburg-Essen im Bereich Studienberatung.

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