Unistart 2013 – Eine Zukunftsprognose

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Mit rund 2,4 Millionen Studierenden sind die deutschen Hochschulen schon jetzt ziemlich voll. Und es wird noch schlimmer: Nach Bayern und Baden-Württemberg entlässt 2013 auch NRW die ersten G8-Absolventen aus den Schulen. Was kommt auf den Abi-Jahrgang 2013 zu? Wir wagen eine Zukunftsprognose.
Wenig Zimmer - viele Studenten
Wie viele Studienplätze es in Deutschland rein rechnerisch genau gibt, weiß niemand. Irgendwo bei 1,3 oder 1,4 Millionen dürfte die Zahl liegen – auf jeden Fall längst nicht genug für die aktuell 2,4 Millionen Studierenden. Doch nicht nur in den Unis ist es eng: "Die ersten sechs Wochen des Wintersemesters sind immer die ganz harten Wochen des Jahres", sagt Georg Schlanzke, Referatsleiter für den Bereich Wohnen beim Deutschen Studentenwerk (DSW).
Lange Wartelisten in den Wohnheimen, Notschlafstellen in Turnhallen, die hektische Suche tausender Erstsemester nach einer Unterkunft – die letzten Wochen haben wieder gezeigt, wie schwer der Studienstart sein kann. "Zum Teil forderten Vermieter, dass man eine Wohnung schon zwei Monate vor Semesterbeginn mieten sollte, auch wenn man sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht braucht", berichtet Sarah Rojewski. Die 20-Jährige aus der Nähe von Köln hat sich für Medienwissenschaft eingeschrieben, und in ihrem Freundeskreis machten etliche Geschichten in Sachen Wohnungssuche die Runde. Einige Freundinnen seien "in einer Art Verzweiflungstat irgendwo eingezogen, nur um nach kurzer Zeit schon wieder zu wechseln".
Und andere aus ihrer Klasse suchen bis heute nach bezahlbarem Wohnraum und müssen derweil täglich zwei Stunden und mehr zur Uni pendeln – für eine Wegstrecke, wohlgemerkt. "Bundesweit fehlen derzeit mindestens 25 000 Wohnheimplätze", sagt DSW-Sprecher Stefan Grob.
Baumärkte, Kinos oder Autohäuser als Veranstaltungsräume
Eine der Ursachen: die doppelten Abiturjahrgänge, die in den meisten West-Bundesländern seit 2009 ihren Abschluss machen, dazu die Abschaffung der Wehrpflicht. Mit Baden-Württemberg hatte in diesem Jahr eines der größten Bundesländer seine Abiturienten erstmals nach acht Jahren aus dem Gymnasium entlassen, 2013 dann ist mit Nordrhein-Westfalen das bevölkerungsreichste Bundesland dran. Mindestens 123 000 Studienanfänger werden im kommenden Jahr alleine an Rhein und Ruhr erwartet, bundesweit sind es über eine halbe Million Erstsemester, die im Oktober 2013 nicht nur ein Zimmer, sondern auch Platz im Hörsaal und in der Mensa brauchen.
"Wir sind über jeden Einzelnen froh, der sich für ein Studium entscheidet", sagt zwar tapfer die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD) und spricht damit für alle ihre Länderkollegen. Doch de facto behelfen sich die Hochschulen schon heute, ein Jahr vor der großen Welle, mit Notlösungen. Mal wird, wie in Paderborn, ein ehemaliger Baumarkt für Veranstaltungen umgebaut, dann werden Kino-Säle (Essen) oder Autohäuser (Bielefeld) für Vorlesungen angemietet. Etliche Unis haben die früher obligatorische Mittagspause gestrichen und nutzen die Räume nonstop zwischen acht Uhr morgens und zehn Uhr nachts. Und sogar samstags und sonntags bieten viele Hochschulen mittlerweile Seminare an. Trübe Aussichten also für den Herbst 2013, wenn es noch voller wird?
Immer optimistisch bleiben
Überraschenderweise zeigen sich die Verantwortlichen bundesweit optimistisch. Es werde zwar voll, sagt Svenja Schulze, die zuständige Ministerin in NRW, und vielleicht werde auch nicht jeder seinen Wunsch-Studienplatz bekommen, "aber die Hochschulen sind vorbereitet". Tatsächlich gibt es an den Unis zum Teil schon seit Jahren entsprechende Planungen, um zusätzliches Personal, neue Räume und mehr Beratung anbieten zu können. So hat etwa die Ruhr-Universität Bochum die Projektgruppe RUB.2013 gegründet, die das kritische kommende Jahr vorbereitet.
Der Optimismus wird auch von den Erfahrungen aus Bayern gespeist. Dort hatte der Doppeljahrgang vor einem Jahr die Unis gestürmt, die Zahl der Erstsemester schnellte von 65 000 (2010) auf 86 000 (2011) nach oben. "Es wurde zwar eng, aber keines der prophezeiten Horrorszenarien ist eingetreten", sagt FDP-Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch. Der Ausbau der Hochschulen habe sich bezahlt gemacht – auch wenn es nicht überall rundlief: In den BAföG-Ämtern etwa habe die Bearbeitungszeit mit acht Wochen doppelt so lange wie normal gedauert – "das muss sich verbessern", fordert Heubisch. NRW könne aus solchen Erfahrungen lernen, bestätigt Svenja Schulze. Klar ist: Es wird 2013 noch ein bisschen enger werden an den Unis. Aber vom Studium abschrecken lassen sollte sich davon niemand.









