Wie wird man eigentlich ... Kriminalbiologe? - Teil 2
Der "Herr der Maden" Dr. Mark Benecke im Interview mit UNICUM

- Kriminalbiologe Mark Benecke | Foto: Oetinger Verlag
Das Fernsehen ist mal wieder Schuld: Dank TV-Serien wie "CSI" haben wir als Otto-Normalverbraucher ein ziemlich falsches Bild von der Arbeit eines Forensikers und Kriminalbiologen. Lässig den Tatort nach Spuren absuchen, mit lauter schickem HighTech verdächtige Partikel scannen und dann den Erfolg bejubeln lassen – die Realität sieht da anders aus. Was wirklich in den biologischen Labors passiert und was man für den Beruf mitbringen muss, verrät Dr. Mark Benecke. Dieser zählt nicht nur selber zu den bekanntesten Kriminalbiologen der Welt, sondern bildet auch seit über einem Jahrzehnt den Nachwuchs in diesem Fach aus.
"Einfach immer arbeiten. Nicht faulenzen und CSI gucken!"

- Foto: Rocksau Pictures
Du warst für deine Ausbildung auch an einer US-amerikanischen FBI Academy. Wie wichtig ist es in deinem Fach, ins Ausland zu gehen?
Es lohnt sich grundsätzlich, seinen Arsch so oft wie möglich zu bewegen. Egal wohin! Ob das jetzt Kolumbien, die USA ist oder Vietnam ist: In meinem Job muss man raffen, das Menschen überall auf der Welt gleich sind. Aber man muss verstehen, dass zum einen die gesetzlichen Richtlinien in allen Ländern anders sind, und dass gewisse Delikte in verschiedenen Ländern häufiger vorkommen. In Indien z.B. ist Selbstbegießen mit Benzin sehr häufig, da bringen sich gehäuft Frauen auf diese Art um. Das muss man einfach vor Ort kriminalistisch erlebt haben, denn denken kann man es sich echt nicht. Man kann deswegen gar nicht oft genug unterwegs sein und in anderen Ländern Erfahrungen sammeln. Damit sollte man auch schon ganz früh anfangen.
Je mehr man weiß, umso weniger nimmt man auch in Fällen etwas Falsches an. Das haben wir z.B., wenn hier in Deutschland "Ehrenmorde" passieren. Da muss man erst einmal verstehen, welche Sorten Ehre es gibt, welche Arten von Tötungen da überhaupt in Betracht kommen, warum dieser oder jener Gegenstand benutzt wurde. Dafür muss man immer unterwegs und neugierig sein. Und nicht am Strand liegen und Caipis saufen, sondern arbeiten. Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Einfach immer arbeiten. Nicht faulenzen und CSI gucken (lacht).
Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, würdest du dich dann wieder für diesen Weg entscheiden?
Jeden Schritt, den ich gehe, mache ich, weil ich ihn gehen will. Ich war allerdings ursprünglich zusätzlich für Germanistik, Psychologie und Theaterwissenschaften eingeschrieben. Das war bekloppt und viel zu viel, und so hab ich doch ausschließlich Biologie gemacht. Die anderen Fächer begleiten mich aber doch irgendwie: ich schreibe beispielsweise Bücher und Kolumnen. Das hat mit ein paar Techniken aus der Germanistik zu tun. Und Psychologie: Ich rede oft mit den Tätern und mit den Angehörigen der Opfer, da erlebe ich interessante psychologische Effekte. Ich bin deswegen überhaupt kein Psychologe, aber ich sehe viel, was ich mir dann von Fachleuten erklären lassen kann und will. Es ist sauwichtig, auch in die benachbarten Gebiete reinzuschnuppern. Man muss dabei nur raffen, dass man nicht der Coolste ist, sondern dass die KollegInnen mindestens genauso viel können wie man selber und dass man nur so -- mit Neugier und Respekt -- mit ihnen zusammenarbeiten kann.
Ich habe gelesen, dass du eigentlich Koch werden wolltest. Nehmen wir an, es wäre etwas daraus geworden, wo und was würdest du heute kochen?
Jau, als Kind wollte ich Koch werden. Hmm, heute… Ich bin ja Vegetarier. Und ich würde wahrscheinlich nur Überraschungsmenüs kochen. Es gäbe keine Speisekarte. Es würde in meinem Restaurant einen Einheitspreis geben und dann würde ich das, was halt eben regional aktuell vorhanden ist, zusammenschmeißen. Das wäre wohl immer Gemüse und ein Stück Brot dazu (lacht). Ein vegetarisches Überraschungsrestaurant, alles andere wäre mir auch zu langweilig. Alles, was man vorhersehen kann, da habe ich schon direkt keinen Bock drauf.
Meine letzte Frage ist etwas makaber, aber: Was soll einmal auf deinem Grabstein stehen?
Öhm… (lacht)… darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Aber ehrlich gesagt, wäre es mir lieber, wenn es gar keinen Grabstein geben würde, sondern mein Körper wieder in den Kreislauf der Natur käme. Das fände ich viel cooler. Aber ansonsten vielleicht "HELLO, FLIES" oder so.
Kurz & kompakt
- Dipl.-Biol. Dr. rer. medic., M.Sc., Ph.D. Mark Benecke ist nicht nur Deutschlands bekanntester Forensiker, sondern auch fleißger Buchautor.
- Zu seinen jüngsten Werken gehören u.a. das Kinderbuch "Das knallt dem Frosch die Locken weg! Experimente für große und kleine Kinder" (Oetinger, 2012), "Memento Mori: Der Traum vom ewigen Leben" (Edition Roter Drache, 2012) und "Aus der Dunkelkammer des Bösen" (Lübbe, 2011).
- Benecke ist ebenfalls ein Vampirspezialist und hat dazu zwei Bücher unter dem Titel "Vampire unter uns" (Edition Roter Drache, 2009/2010) verfasst. Ein Interview zu Thema Blutsauger findet ihr auf unicum.de/entertainment
- Er wurde u.a. mit der Silbernen Ehrennadel des Bundes Deutscher Kriminalbeamter ausgezeichnet.
- Mark Benecke ist überzeugter Vegetarier und unterstützt PETA.
- im Fernsehen war Benecke schon oft zu Gast, so z.B. in einigen Ausgaben von "Galileo Mystery", einer Folge von "Durch die Nacht mit ..." auf ARTE (mit Michaela Schaffrath) sowie zahlreichen Talkshows.
- Weitere Informationen zur Arbeit von Mark Benecke findet ihr im Netz unter www.benecke.com
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