UNICUM Kinotipp: Schilf

von Jan Thiemann
Foto | X-Verleih

Der Physik-Thriller „Schilf“ nach dem Roman von Juli Zeh läuft ab dem 8. März in den Kinos. Die Biografie der Regisseurin Claudia Lehmann ist ebenso spannend wie der Film.

An der Spitze der Regierung steht eine Physikerin. Leonard und Sheldon aus der Big Bang Theory-WG sind Kult. Und nun kommt auch eine geballte Ladung Physik in die Kinos. Am 8. März startet mit Schilf" eine Verfilmung von Juli Zehs gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2007. Es geht um die Freundschaft von zwei Physikern.

Sebastian, gespielt von Mark Waschke, ist Prof an der Uni Jena, sein Studienkumpel Oskar (Stipe Erceg) Wissenschaftler am renommierten CERN-Institut. Wenn es um das Thema Parallelwelten geht, kriegen sich die eigentlich besten Kumpels regelmäßig in die Haare. Doch plötzlich wird Sebastians kleiner Sohn entführt. Oder doch nicht? Und die Theorie der vielen Welten entwickelt sich für alle zu einem ganz realen Albtraum.

Nach dem Doktor der Neuanfang

Regisseurin Claudia Lehmann | Foto: Iko Freese/DRAMA.

Verantwortlich für diesen naturwissenschaftlichen Thriller ist die Regisseurin und Drehbuchautorin Claudia Lehmann. Und wenn es jemanden gibt, der theoretische Physik und Nervenkitzel zusammenbringen kann, dann die Wahl-Berlinerin. Mit 28 hatte sie einen Doktor der Physik und ein Luxusproblem: Das Forschen machte ihr Spaß, aber ebenso reizvoll war ihr jahrelanger Nebenjob am Theater.

Am Ende kehrte sie 2004 den Naturwissenschaften den Rücken und fing frisch promoviert noch mal ganz von vorne an, als Erstsemester an der Hamburg Media School. "Aber das war ja auch schön", resümiert sie im Interview, "denn für mich war immer wichtig, dass sich neue Herausforderungen und neue Wege zeigen."

Ihr Abschlussfilm "Memoryeffekt" lief auf der Berlinale und brachte ihr ein Praktikum in Hollywood ein. Ihr erster Kinofilm "Schilf" handelt nun ausgerechnet von dem Fach, dem sie eigentlich den Rücken gekehrt hatte. und die Dreharbeiten brachten sie zum CERN, dem renommierten Forschungsinstitut nahe Genf.

Drehgenehmigung fürs Mekka der Physik

Dreh im CERN-Institut | Foto: X-Verleih

Das Mekka aller Physiker leitet mittlerweile ihr ehemaliger Chef des Graduiertenkollegs aus Uni-Tagen. "Es hat auch etwas von heimkehr gehabt, diese etwas älteren Gänge und Büros, die internationale Sprache", erinnert sich die Regisseurin. 

Dabei waren die Dreharbeiten in den heiligen Hallen keine Selbstverständlichkeit. "Normalerweise darf man dort nicht drehen, weil es die Abläufe stört und man ja nie vorhersagen kann, wann dort etwas passiert.", erklärt Produzentin Manuela Stehr. "Was uns betraf, lag der Schwerpunkt vor allem bei der Frage, ob das, was wir zu erzählen hatten, vertretbar war. Nach eingehender Prüfung bekamen wir schließlich bescheinigt, dass alles okay ist. Von da an lief es ganz fabelhaft."

Positiver Nebeneffekt: Durch die intensive Zusammenarbeit mit dem CERN und der Physikern der Uni Jena wurde das Drehbuch mehrfach von Experten durchleuchtet. Nicht nur deshalb zeigt sich Hauptdarsteller Mark Waschke von der Zusammenarbeit mit Claudia Lehmann noch immer nachhaltig beeindruckt: "Claudia hat wirklich verstanden, was die Formeln auf der Tafel genau bedeuten."

Foto | X-Verleih

Herausgekommen ist jedoch kein geballtes Fachchinesisch. Sondern 90 Minuten gute, anspruchsvolle und spannende Unterhaltung, die zeigt, dass Physik mehr ist als leuchtende Glühbirnen und Eisennadel-Versuche im Magnetfeld. Denn in "Schilf" geht's um Moral, Schuld, Verantwortung und parallele Welten. 

Ob diese Mischung zu einer Kino-Erfolgsformel taugt, wird sich ab dem 8. März beweisen. Den beiden erfolgreichsten Kinofilmen aller Zeiten, "Avata" und "Titanic" wird der Thriller wohl erst einmal keine Konkurrenz machen, obwohl die Blockbuster mit "Schilf" eines verbindet. Deren Regisseur James Cameron war auch mal Physiker.

"Schilf – Alles, was denkbar ist, existiert"; Regie: Claudia Lehmann; Darsteller: Mark Waschke, Stipe Erceg, Bernadette Heerwagen; ab 8. März im Kino

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