UNICUM schaut: Anonymus

von Roman Milenski
Foto: (c) Sony Pictures Home Entertainment

Wer war William Shakespeare? Eine Frage, die sich nicht nur grenzdebile Bewohner des Big Brother-Containers stellen. Auch viele Gelehrte glauben, dass hinter dem Namen eines der größten Schrifsteller der Weltgeschichte in Wirklichkeit jemand anders steckt. Regisseur Roland Emmerich schließt sich dieser Meinung in Anonymus an.

Wer hätte das gedacht? Roland Emmerich meets Shakespeare. Der deutsche Hollywood-Regisseur, sonst eher für Filme bekannt, in denen die Erde durch Umweltkatastrophen oder Aliens in die Luft gejagt wird, nähert sich einem Thema, dass Geschichts- und Literaturwissenschaftler beschäftigt. Filmreifen Stoff gibt es deren Kreisen immerhin genug. Beispielsweise die "Verschwörungstheorie", dass hinter den Meisterwerken William Shakespeares, wie Romeo & Julia oder Macbeth, gar keine reale Person oder zumindest ein anderer Autor steckt.

Letzteres glaubt anscheinend auch Emmerich. In Anonymus ist William Shakespeare (Rafe Spall) nur ein bedeutungsloser Schauspieler, dessen Name für die Veröffentlichung der Romane, Dramen und Theaterstücke des Adeligen Edward de Vere (Rhys Ifans) herhalten darf. Denn was heute als Hochkultur angesehen wird, war in Adelskreisen des elisabethanischen Englands verpönt. Neben Shakespeare, ist der junge Theaterregisseur und -autor Ben Jonson (Sebastian Armesto) an dieser Geheimniskrämerei beteiligt, indem er de Veres Stücke auf der Bühne inszeniert. Und die kommen an. Das Publikum applaudiert ekstatisch, allerdings für die Falschen, und in de Vere kocht seine unterdrückte Anerkennung.

Intrigen und Inzucht

Neben dem Betrug um die Werke Shakespeares, handelt Anonymus auch von den politischen Unruhen im England des 16. Jahrhunderts. Es herrscht ein Machtkampf um die Nachfolge Königin Elisabeths I., die der rebellierende Earl vof Essex gerne für sich beanspruchen würde. Außerdem hat Edward de Vere ein Verhältnis mit der Königin, aus dem ein Kind - der Earl of Southhampton - hervorgeht. Dabei weiß der Schriftsteller nicht, dass er selbst wohl auch ein unehelicher Sohn Elisabeths ist.

Anonymus ist in erster Linie eine ordentliche Portion Geschichtsstunde, für die der Zuschauer eigentlich umfangreicheres Vorwissen benötigt. Das Googeln der Begriffe "Oxford-Theorie", "Essex-Rebellion" oder "Prinz-Tudor-Theorie", sei an dieser Stelle empfohlen. Zugleich liegt in dieser Fülle an historischen Tatsachen oder Theorien aber auch die Schwäche des Films. Es wird zunehmend schwerer der Handlung zu folgen, vor allem da die Narration äußerst non-linear verläuft und munter zwischen den Jahren hin und her springt. Typisches Popcorn-Kino ist bei Anonymus Fehlanzeige, auch wenn der Name Roland Emmerich darübersteht. Ganz ohne seine vertraute Stilistik kommt dieser dann jedoch nicht aus. Ist Anonymus zum Großteil ein gelungener Kulissenfilm, musste für den Look des alten Londons hier und da auch der Computer herhalten. Und: Ein paar Explosionen gibt es auch!



 


Anonymus

Geschichtsdrama, USA 2011

Regie: Roland Emmerich

Darsteller u.a.: Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Joely Richardson

Verleih: Sony Pictures Home Entertainment

VÖ: 16. Mai 2012

How I met your mother - HIMYM - Wer ist die Mutter?
Flocke16|
Welche Filme sollte ich sehen?
smeagol|
Super radiosendung gefunden, richtig geil!
camembert|
Ich war im Kino und plötzlich kam ein Film!
Salome|

UNICUM Newsletter

Hier die UNICUM Newsletter bestellen ! (Link)