UNICUM schaut: Aushilfsgangster

- Foto: (c) Universal Pictures
Ocean's Eleven in Zeiten der Wirtschaftskrise, oder: ein Comedy All-Star-Ensemble unter Führung von Ben Stiller versucht den großen Coup - Aushilfsgangster, ab 8. März auf DVD. Ob die was taugt, erfahrt ihr in unserer Review.
Kriege, Miseren und Katastrophen waren schon immer dankenswerte Steilvolagen für Hollywood. Manchmal wird die Traumfabrik dem Stoff gerecht (wie im großartigen Irakkrieg-Film The Hurt Locker). Oft bleibt das Werk aber hinter den hohen Erwartungen zurück (wie bei Oliver Stones 9/11 Drama World Trade Center). „Aushilfsgangster“ nimmt sich die Finanzkrise vor und verpackt sie in einer seichteren Version von Ocean's Eleven.
Josh Kovacs (Ben Stiller) arbeitet als Ober-Concierge im Tower, einem der teuersten Apartmenthäuser Manhattans. Dort sorgt er sich vor allem um den exzentrischen Investment-Banker Arthur Shaw (Alan Alda, Aviator). Kovacs schätzt den Milliardär und vertraut auf dessen Finanzwissen. In der Hoffnung auf große Renditen legt er den gesamten Pensionsfonds der Tower-Angestellten bei Shaw an. Zu dumm, dass dieser ein millionenfacher Betrüger ist, wie sich bei der Festnahme durch das FBI herausstellt.
Das Geld ist weg, Kovacs ist nach einem Ausraster in Shaws Penthouse seinen Job los und das Ansehen bei seinen Ex-Kollegen auf dem Nullpunkt. Vor allem Lester (Stephen McKinley Henderson), dem Doorkeeper und der guten Seele des Hauses, geht der Betrug an die Nieren. Er stand kurz vor der Pension und sieht sich um seinen Lebensabend beraubt. In seiner Verzweiflung bleibt ihm nur der Selbstmord.
Doch der geht schief und weckt Kovacs Gerechtigkeitsgefühl. Das FBI steckt ihm, dass Shaw eine Notreserve in Millionenhöhe in seinem Apartment versteckt haben muss. Gemeinsam mit Tower-Concierge Charlie (Casey Affleck), dem bankrotten Investmentbanker Mr. Fitzhugh (Matthew Broderick) und dem Fahrstuhljungen Enrique (Michael Peña) beschließt er, sich zurückzuholen, was ihm gehört. Ohne kriminelle Erfahrungen fehlt es den Vieren aber an Know-how. Das soll der Gangster Slide (Eddy Murphy) ändern. Er wird zum Mentor der Aushilfsgangster und zum wichtigen Zahnrad in ihrem geplanten Coup.
Wer nicht nach Logik fragt, hat Spaß
Wie in Heist-Filmen üblich, dreht sich der Großteil der Handlung um den Raubzug der Helden. Aushilfsgangster investiert hier knapp eine Stunde seiner hundertminütigen Laufzeit. Leider verabschiedet sich die Logik in dieser Zeit komplett. Das war zwar auch bei Regisseur Brett Ratners (Rush Hour) offenkundigem Vorbild Ocean's Eleven nicht anders; wie auch beim actiongeladenen Italian Job. Doch während Erstgenannter durch seine gekonnt lässige Inszenierung und Letztgenannter durch sein Tempo und seine Action darüber hinwegsehen ließen, stolpert Tower Heist (so der Originaltitel) von einer konstruierten Wendung in die nächste.
Der Auftritt des Hausmädchens Odessa (Precious-Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe) ist sinnbildlich dafür. Als einer der Aushilfsgangster aussteigt, kommt sie ins Spiel. Wie der Zufall es so will, entpuppt sie sich als ausgewiesene Panzerknackerin. Unfähige Polizeibeamte wie auch durch französische Playboy-Hefte ablenkbare Security-Angestellte des Penthouses ermöglichen dem Gespann letztlich doch den erhofften Coup.
Stiller und Murphy zur Rettung

- Foto: (c) Universal Pictures
Es ist der gewohnt guten Darstellung von Ben Stiller zu verdanken, dass der Film nicht völlig absäuft. Wie so oft porträtiert Stiller den kleinen Mann, der über sich hinauswächst und dabei von einer Absurdität in die nächste stolpert. Seine Gagdichte ist hier zwar nicht so hoch wie sonst, reicht aber für eine vergnügliche Zeit aus. Wirklich überraschend ist der starke Auftritt von Eddy Murphy. Er trägt nahezu jede Szene, in der er auftaucht und sorgt mit seiner überdrehten Gangsterattitüde für einige Lacher. Vor allem der Eignungstest der Aushilfsgangster (sie sollen binnen 15 Minuten je Waren im Wert von 50 US-Dollar stehlen) gehört zu den Highlights des Films.
Mit einem stringenteren Skript hätte Tower Heist ein durchweg gelungener Film werden können. Die vielen Logiklöcher und die stellenweise nicht nachvollziehbare Handlung werten den vermeintlichen Spaß jedoch arg ab. Ein Hollywood-Star weniger hätte im Austausch gegen mehr Story-Entfaltung wahre Wunder bewirkt. So bleibt es bei einem kurzweiligen Film, der in erster Linie für Stiller- und Murphy-Fans interessant ist.
Aushilfsgangster
Comedy, USA 2011
Regie: Brett Ratners
Darsteller u.a.: Ben Stiller, Eddie Murphy, Casey Affleck
Verleih: Universal Pictures
VÖ: 08.03.2012










