UNICUM schaut: Bunraku

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Was kommt dabei raus, wenn man japanisches Puppentheater, Sin City und Sucker Punch in einen Topf wirft? Die Antwort lautet Bunraku, ein Film, der das Prädikat Style over substance mit Stolz schwellender Brust trägt.
Eigentlich ist Bunraku die traditionelle Form des japanischen Figurentheaters. Die kunstvollen Darbietungen der bis zu einen Meter fünfzig großen Figuren vor dynamisch aufpoppenden Hintergründen gehören zu den kulturellen Grundsäulen Japans. Selbiges kann man vom Film Bunruku nicht sagen – auch wenn er sich sowohl bei den Kulissen als auch bei seinem Namen beim traditionellen Puppentheater bedient.
Die Geschichte ist schnell erklärt: In einer post-nuklearen Welt, in der Schusswaffen verboten wurden, regiert ein böser Herrscher (Ron Perlman) ein Dorf im Land der aufgehenden Sonne. Zwei Junge Helden (Josh Hartnett und der japanische Sänger Gackt) wollen ihn stürzen und das Dorf befreien. Eine Frau (Demi Moore), Rache und Woody Harrelson als Barkeeper spielen auch eine Rolle.
Die Handlung im Stile eines Film noir steht in Bunraku aber zu keinem Zeitpunkt im Mittelpunkt. Sie dient viel mehr als Bühne für die beeindruckenden Kulissen, die in der Tradition des japanischen Figurentheaters stehen. In einer Szene sieht man beispielsweise ein mehrstöckiges Gebäude von der Seite, ohne Wände. Josh Hartnett steigt vom Dach in das oberste Stockwerk, um sich – wie in einem Videospiel – seinen Weg nach unten durchzukämpfen. Das ganze kommt ohne Schnitte aus und sieht einfach verdammt gut aus.
Überhaupt ist Style over substance hier ein Lob. Die Szenen kommen ohne sichtbare Schnitte aus – eine Sequenz geht durch einen kleinen Kulissenwechsel in die nächste über. Die sehen gewollt reduziert und eindimensional aus, was den traditionellen Ursprung des Films weiter untermalt. Traumhafte Kamerafahrten setzen die Hintergründe immer wieder in Szene. Visuell spielt Bunraku in einer Liga mit Sin City, Sucker Punch und Sky Captain and the World of Tomorrow. Wüste Actioneinlagen, die ab und an blutig daherkommen, sorgen für weitere Erhellung.
Leider ist der Film gut und gerne 20 Minuten zu lang, was sich in deutlich spürbaren Längen bemerkbar macht. Immer wieder wird das Tempo verschleppt, um der Story ein wenig Raum zu lassen. Den braucht die kleine Rachegeschichte jedoch nicht. Sie hat zu wenig zu erzählen, um das Mehr an Laufzeit sinnvoll auszunutzen.
Letztendlich steht und fällt Bunraku mit seinem visuellen Stil. Wer sich damit anfreunden kann, wird mit einem der visuell ansprechendsten und mutigsten Filme der jüngeren Kinogeschichte belohnt. Alle anderen werden voller Unverständnis den Kopf schütteln und einen weiteren Film des Comic- und Videospiellagers verfluchen. Die ersten fünf Minuten des Films reichen dabei als Anschauungsmaterial zur Entscheidungsfindung aus.
Bunraku
Genre: Action, Film noir
Regie: Guy Moshe
Darsteller: Josh Hartnett, Gackt, Ron Perlman, Woody Harrelson, Demi Morre
Verleih: Splendid
VÖ: 14. Oktober 2011










