UNICUM schaut: I'm Still Here

von Roman Milenski
(c) Koch Media

Joaquin Phoenix hört mit dem Schauspielern auf und wird Rapper? Mit dieser Meldung verblüffte der Filmstar 2008 ganz Hollywood. Doch dann kam heraus: alles nur eine PR-Ente!  Und wenn dabei noch die Filmkamera mitläuft, dann ist das eine "Mockumentary".

Da sitzt er. Bärtig, dickbäuchig, abgefuckt. Joaquin Phoenix sieht erbärmlich aus. Er wirkt wie eine Mischung aus Charles Manson und den Blues Brothers. US-Late Night-Altmeister David Letterman will von ihm etwas über seinen neuen Film Two Lovers erfahren. Doch statt zu vernünftig zu antworten, nuschelt sich Phoenix nur einsilbige Antworten in den Bart. Man fragt sich, ob er überhaupt weiß, wo er gerade ist. Für Letterman natürlich gefundenes Fressen.

Der erste Eindruck von Joaquin Phoenix in I'm Still Here, ist jener, dass er anscheinend keinen Bock mehr hat. Und tatsächlich: Einige Zeit vor dem bizarren Auftritt, verkündete der Walk The Line-Star, dass er nie wieder schauspielern werde. Ab sofort konzentriere er sich auf seine Karriere als Musiker. Hip Hop wo er machen. Ausgerechnet. Das passt doch nicht. Phoenix' jämmerliche Rap-Versuche, die in I'm Still here zu sehen und hören sind, wirken dann auch eher... ....um es so zu sagen: Thomas Gottschalks Version von "Rapper's Delight" hat mehr Flow. P.Diddy, den Phoenix gerne als Produzenten hätte, ist auch nicht allzu begeistert.

Der Film zeigt, wie der Spross einer Schauspieler-Familie dennoch mit aller Gewalt versucht, von dem für ihn vorbestimmten Weg der darstellenden Kunst abzukommen. Angeblich. Über zwei Jahre lang hat Joaquin Phoenix seine Kollegen und die Medien an der Nase herumgeführt. Sein Schwager Casey Affleck hat sich als Produzent, Regisseur und Kameramann mitschuldig gemacht. Gemeinsam drehten die beiden die "Mockumentary" (aus dem Englischen: (to) mock = verspotten, und documentary = Dokumentation) I'm Still Here - Phoenix' vermeintlicher Ausstieg aus Hollywood, Einstieg ins Musikgeschäft und Absturz mit Koks und Nutten.

Afflecks und Phoenix' Plan ging auf. Das perfid Geniale an ihrem Projekt ist nicht, dass Phoenix schauspielert mit dem Schauspielern aufzuhören und das er davon noch einen Film drehen lässt. Viel amüsanter ist die Beobachtung, wie sich das selbstverliebte Hollywood über Joaquin Phoenix lustig macht, nichtwissend, dass er es ist, der sich hinter seinem riesigen Jesus-Bart ins Fäustchen lacht. So entlarvt I'm Still Here ganz nebenbei diese scheinheilige Gesellschaft, die bekanntlich schon immer viele ihrer Kinder gefressen hat. Phoenix' fiktiver Weg in den beruflichen Ruin ist also noch nicht einmal so weit hergeholt. Großartig "geschauspielert".



 

I'm Still Here

Mockumentary, USA 2010

Regie: Casey Affleck

Darsteller u.a.: Joaquin Phoenix, Casey Affleck, Ben Stiller, P.Diddy

Verleih: Koch Media

VÖ: 13.01.2012

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