UNICUM schaut: In guten Händen

- Foto: (c) Senator Home Entertainment
Wie man mit einem Staubwedel Hysterie bekämpft, zeigt euch der smarte Hugh Dancy im Historienfilm In guten Händen, einer charmanten Komödie über die Erfindung des Vibrators.
Mal ehrlich: Wer hätte vermutet, dass das lustbringende Erwachsenenspielzeug namens Vibrator ausgerechnet im prüden 19. Jahrhundert erfunden wurde, und nicht etwa in den wilden 1960ern? Vermutlich niemand. Doch genau aus dieser Tatsache hat die amerikanische Regisseurin Tanya Wexler eine clevere Komödie gezaubert, die die verstaubten Vorstellungen über Sexualität im viktorianischen England mit einem Augenzwinkern betrachtet.
Schlaflosigkeit, Depressionen, Wutausbrüche – die verzweifelten Frauen im Wartezimmer der angesehen Londoner Praxis von Dr. Robert Dalrymple (Jonathan Pryce) haben es nicht leicht. Doch bei dem vermeintlichen Frauenversteher sind sie in besten Händen. Im Kampf gegen die Hysterie verpasst der vornehme Mediziner den Damen eine wohltuende Ölmassage im Intimbereich, die zu einem „Krampfanfall“ führt und die Symptome lindert. Das Geschäft läuft so gut, dass er den jungen Arzt Mortimer Granville (Hugh Dancy) einstellt. Nicht nur die Patientinnen sind froh über den fingerfertigen Assistenten. Auch Emily Dalrymple (Felicity Jones), das vernünftige Töchterchen des Chefs, hat ein Auge auf den gutaussehenden Mediziner geworfen.
Doch so richtig glücklich wird Mortimer nicht. Irgendwann ist er mit dem Ansturm der Damenwelt überfordert, seine Hände versagen ihm den Dienst und den Ladies die Entspannung. Die Folge: er verliert seinen Job und Emily somit auch. Wobei Letzteres vielleicht gar nicht so schlimm ist, schließlich gibt es da ja noch ihre aufmüpfige Schwester Charlotte (Maggie Gyllenhaal). Und was Problem Nummer Eins betrifft: Wie praktisch, dass sein Freund und Wissenschaftler Edmund St. John-Smythe (Rupert Everett) just in diesem Moment an einem elektrischen Staubwedel bastelt, der den pfiffigen Arzt auf eine Idee bringt…
Liebe und Lektionen
In guten Händen erteilt eine Geschichtsstunde der etwas anderen Art. Mit einem Hauch Ironie nimmt der Film die Vorstellungen über Sexualität im 19. Jahrhundert unter die Lupe und kritisiert die männliche Idee des „Rein-Raus-Prinzips“ als alleinigen Lustfaktor. Ohne jedoch das charmante Männer-Trio allzu dumm dastehen zu lassen oder die Damen als übertriebene Emanzen abzustempeln. Schließlich sind die Lektionen in Sachen Wissenschaftsirrtümer und gesellschaftlichen Wandel auch elegant in eine Lovestory mit (vorhersehbarem) Happy End verpackt. Äußerlich überzeugt der Film durch stimmige Kostüme und eine insgesamt glaubhafte Atmosphäre. Wer auf der Suche nach einem befriedigenden Filmerlebnis für den nächsten Mädelsabend ist und klassische Hollywood-Romanzen nicht mehr sehen kann, ist hiermit sicherlich In guten Händen.
In guten Händen
Komödie, UK 2011
Regie: Tanya Wexler
Darsteller u. a.: Hugh Dancy, Maggie Gyllenhaal
Verleiher: Senator Home Entertainment
VÖ: 18.Mai










