UNICUM schaut: Jane Eyre

von Heike Philipp
Jane Eyre - Der Kinofilm
Foto: © TOBIS

Eine schmerzliche Liebe, zwei überzeugende Hauptdarsteller und eine imposante Szenerie, kurzum: „Jane Eyre“ ist eine wunderbare Verfilmung eines Literaturklassikers aus dem 19. Jahrhundert. Und ein absoluter Frauenfilm!

Eine junge Frau im strömenden Regen, die unter Tränen in eine öde Moorlandschaft flüchtet. Das ist die aufwühlende Anfangsszene von "Jane Eyre", die den Zuschauer ins dramatische Geschehen zieht und daraufhin nicht mehr loslässt. Der Film bleibt die gesamte Zeit fesselnd, ergreifend und zum Heulen schön. Der Stoff über die Liebe zwischen Jane Eyre und Edward Rochester ist schon oft für Theater, Film und Fernsehen benutzt worden. Orson Welles, Timothy Dalton, William Hurt und Charlotte Gainsborough spielten bereits in dem Drama die Hauptrollen. Von diesen Vorlagen freigemacht hat sich der US-amerikanische Regisseur Cary Fukunaga. Seine Interpretation besticht durch die Reduzierung auf das Wesentliche, das Leiden der Hauptfigur Jane Eyre (Mia Wasikowska).

Ein romanhafter Film

In seiner Verfilmung von "Jane Eyre" hat Fukunaga die Handlung gestrafft, ohne Gefahr zu laufen, den begeisterten Romanleser zu enttäuschen. Nur allzu oft missglückt die Gratwanderung zwischen Buchtreue und Filmkonzept. Besonders feinsinnig ist Fukunagas Übernahme der Ich-Perspektive aus dem Roman für den Film. Beinahe jede Szene wird aus Janes Perspektive gezeigt. Die Hindernisse von Janes Liebe zu Edward (Michael Fassbender) erhalten so ihre ganz eigene dramatische Intensität.
Die Zeitsprünge zwischen Szenen zu Janes liebloser Kindheit, ihrer verzweifelten Flucht aus Thornfield und dem grausamen Leben im Internat lassen den Zuschauer zunächst mit offenen Fragen zurück. Ohne Kenntnis des Romans der britischen Autorin Charlotte Brontë ist es schwer am Anfang dem Filmgeschehen zu folgen.
Das Schicksal scheint sich für Jane zu drehen, als sie Gouvernante der kleinen Adele, dem Mündel des geheimnisvollen Edward Rochester, wird. Doch auch dort lauern dunkle Geheimnisse, Abgründe und Verrat. Grusel und Schauer der Ereignisse greifen zunehmend auf den Zuschauer über wie es auch bei den finsteren Vorgängen auf "Wuthering Heights" der Fall ist. Die graublaue Szenerie und das Agieren der Schauspieler tragen ein Übriges dazu bei.

Melancholisch und düster schön

In "Jane Eyre" begegnen wir einer gereiften Charakterdarstellerin, die Schmerz, Leid, Angst und Liebe glaubhaft spielen kann. Mia Wasikowska glänzte bereits in Tim Burtons Film "Alice im Wunderland" zusammen mit Johnny Depp. Naiv und zart, aber doch voller Willenskraft im Blick bahnt sich Mia Wasikowska als Jane ihren Weg durch ein von Konventionen geprägtes England.
 Wie immer ist es schade, dass einige Szenen es nicht in den Film geschafft haben. Im Bonusmaterial findet sich beispielweise die mit "Rochester pleads with Jane to stay" betitelte Szene, in der so viel Gefühl steckt. Michael Fassbender steht als verzweifelter, flehender Edward vor Janes Tür und bittet sie zu bleiben, weil er sie liebt. Doch Jane springt trotzdem aus dem Fenster von Thornfield. Bis zuletzt muss der Zuschauer zittern, ob Jane und Edward zueinander finden.
An dieser Stelle wird jedoch nicht verraten, ob es eine ähnlich schöne Schlussszene wie in der Verfilmung von "Stolz und Vorurteil" mit Keira Knightley gibt, nur so viel: Der Film "Jane Eyre" ist eine Herzschmerz-Schnulze vom Allerfeinsten! Wer wissen möchte, wie die Geschichte um Jane und Edward nach dem Film noch weitergeht, sollte zum Roman aus dem Jahr 1847 greifen.

 



Jane Eyre - Foto: DVD © TOBIS. Alle Rechte vorbehalten.

 

Jane Eyre

Drama, Romanze 2011

Regie: Cary Fukunaga

Darsteller: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Judi Dench, Sally Hawkins

VÖ: 3. Mai 2012

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