UNICUM schaut: Real Steel

von Martin Przegendza
Foto: (c) DreamWorks II Distribution

Wenn ein Film versucht, RockyOver the Top und Transformers zu vermischen, ist Skepsis durchaus angebracht. Der gewagte Mix funktioniert in Real Steel aber erstaunlich gut. 

Roboter gehören nicht erst seit Pixars Wall-E oder den ausladenden Action-Spektakeln der Transformers zu den großen Stars in Hollywood. Lange bevor Filme zu 90 Prozent aus Computeranimationen bestanden, zeigten R2-D2 und C-3PO, aber auch der Militärroboter Johnny 5 aus Nummer Fünf lebt!, wie viel Pfeffer in einer Blechkiste stecken und wie viele Sympathien sie wecken kann. Das gilt auch für Real Steel, was vor allem an der herausragenden (computer-)technischen Umsetzung liegt. Aber auch am gelungenen Storymix irgendwo zwischen Underdog-, Sci-Fi- und Familiendrama. 

Ein bisschen Rocky, ein bisschen Transformers

In einer nicht allzu fernen Zukunft ist der Boxport ein gänzlich unblutiges Unterfangen. Dort steigen keine ukrainischen Brüder in den Ring, sondern ferngesteuerte Roboter. Hinter ihnen stehen Menschen, die den Maschinen zeigen, wie ein Aufwärtshaken zu sitzen hat. Charlie Kenton (Hugh Jackman), seines Zeichens Ex-Boxer aus Fleisch und Blut, ist einer von ihnen. Seine vielversprechende Karriere wurde jäh beendet, als die Zuschauergunst von schwitzenden Muskelmännern, hin zu Blechfaust schwingenden C-3POs umschlug.

Fortan hält sich Charlie mit illegalen Untergrund-Kämpfen über Wasser, in denen er vom Schrottplatz zusammengewürfelte Blechbüchsen in den Kampf schickt. Nach dem plötzlichen Tod der Mutter wird ihm das Sorgerecht für seinen zehnjährigen Sohn Max (Dakota Goyo) übertragen, den er bis dahin aber kaum kennt. Zum Glück teilt Max die Liebe seines Vaters zum Boxsport. Gemeinsam machen sie sich auf, ihren Roboter „Atom“ zur Nummer eins der offiziellen Roboter-Liga zu machen.

Over the top ohne Armdrücken und umgedrehte Mütze

Foto: (c) DreamWorks II Distribution

Charlie sieht natürlich die Chance für ein Comeback, muss gleichzeitig aber auch das Vertrauen seines Sohnes gewinnen. Wie im Trucker-Kultfilm Over the top mit Sylvester Stallone nutzt er den Sport (Boxen statt Armdrücken), um eine Verbindung zu dem Jungen zu schaffen. Gleichzeitig bedient sich Real Steel aber auch bei Rocky (wieder Stallone – ein Muster wird erkennbar). Alle Motive der klassischen Underdog-Story sind hier vorhanden.

Das ist nicht wirklich neu, funktioniert dank den engagierten Darstellern und der sympathischen Inszenierung aber durchaus. Wer einen grundguten Familienfilm im Blockbuster-Format sucht, darf blind zugreifen. Aber auch alle anderen sollten einen Blick riskieren: Die Roboter-Boxkämpfe allein sind Anlass genug. Box-Legende Sugar Ray Leonard stand dem Team um Regisseur Shawn Levy (Nachts im Museum) zur Seite und sorgte auch für das Training von Hauptdarsteller Hugh Jackman. Wirklich sehenswert wird Real Steel aber erst durch die herausragenden Computereffekte bzw. die tolle Animation der CGI-Blechbüchsen. Anders als in den Krawall-Filmen der Transformers lassen sich hier feinste Bewegungen ausmachen – dem ruhigen Schnitt sei Dank. So kommen auch Action-Fans auf ihre Kosten. 

Das Ganze ist natürlich fürchterlich vorhersehbar, besonders, wenn man die Filme aus Sylvester Stallones Glanzzeit kennt. Was bleibt ist kurzweiliges Blockbuster-Familienkino mit sympathischen Darstellern und grandiosen Computereffekten.



Real Steel

Action / Science-Fiction, USA 2011

Regie: Shawn Levy

Darsteller u.a.: Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly

Verleih: Disney Pictures

VÖ: 12. April 2012

Diskutiert mit im Forum

How I met your mother - HIMYM - Wer ist die Mutter?
Flocke16|
Welche Filme sollte ich sehen?
smeagol|
Super radiosendung gefunden, richtig geil!
camembert|
Ich war im Kino und plötzlich kam ein Film!
Salome|

UNICUM Newsletter

Hier die UNICUM Newsletter bestellen ! (Link)