UNICUM schaut: Roller Girl

von Martin Przegendza
Foto: (c) Senator

Drew Barrymores Regiedebüt erfindet nicht gerade das Rad neu. Und doch macht das Sport- und Coming-of-Age Drama Roller Girl großen Spaß.

Sportfilme folgen für gewöhnlich immer demselben Muster: Ein Loserteam spielt mit Herz, aber ohne Erfolg. Sie finden ihren Star und feiern erste Erfolge, bis sie abstürzen. Nach der Katharsis stellen sie sich dem Endspiel, das in der Regel glücklich für sie ausgeht. Ob sie jetzt Mighty Ducks of Anaheim oder Cleveland Indians heißen, ist dabei völlig egal. Beim Coming-of-age-Drama hingegen steht die aufwachsende Hauptfigur mit ihren Alltagsproblemen im Mittelpunkt. Sie werden von ihren Eltern häufig missverstanden und in Rollen gepresst, in die sie partout nicht passen.

Das ist auch bei Bliss Cavendar (Ellen PageJunoInception) so. Ihre Mutter (Marcia Gay Harden) sähe sie gerne als Schönheitsprinzessin – ganz so, wie es sich in der konservativen texanischen Ödnis gehört. Mädchen sind wahlweise Cheerleader oder Schönheitsprinzessinnen, während sich Jungs beim Football oder Baseball beweisen. Das passt der ruhigen Bliss aber so gar nicht. Bei einem Ausflug nach Austin entdeckt sie ihre Liebe zum Roller Derby, einem Vollkontaktsport auf Rollschuhen, für Frauen. Ohne große Umschweife – und ohne das Wissen ihrer Eltern – tritt Bliss den chronisch erfolglosen Hurl Scouts bei. Dass sie dafür eigentlich vier Jahre zu jung ist, ist mit einem kleinen Schwindel vergessen. Nicht jedoch die Konkurrenz der Holy Rollers. Vor allem deren Anführerin Iron Maven (Juliette LewisFrom Dusk Till Dawn) stört sich am plötzlichen Erfolg der Dauerverlierer. Als sie hinter Bliss' wahres Alter kommt, droht der Sportlertraum zu platzen. Zu allem Überfluss erfahren auch ihre Eltern, was die designierte Schönheitsprinzessin so treibt. Streitereien mit der besten Freundin (Alia ShawkatArrested Development), die erste große Liebe (Landon Pigg) und Probleme im Team sorgen für weitere Irrungen und Wirrungen.

Liebevoll und glaubwürdig

Roller Girl erfindet bei Leibe das Rad nicht neu – was überhaupt nicht stört. Es macht Spaß, dem grandiosen Ensemble beim Spiel durch ein bekanntes Drehbuch zuzuschauen. Dass sie dabei nicht zu klischeehaften Karikaturen verkommen, ist der größte Verdienst des Films. Drew Barrymore inszeniert gekonnt durchweg glaubhafte Charaktere, die sich schnell ins Zuschauerherz spielen. Dass sie dabei selbst als Hurl Scouts-Veteranin eine ihrer witzigsten und besten Auftritte seit langem hat, ist ein unerwartetes Schmankerl. Wie auch der Auftritt von Stuntfrau Zoe Bell (die in Quentin Tarantinos Death Proof die Konkurrenz alt aussehen ließ).

Trotz des spielfreudigen Casts dreht sich aber nahezu jede Einstellung um Ellen Page. Sie trägt den Film gewohnt souverän, wenn auch deutlich unaufgeregter als in Juno. Ihre Darstellung schlägt so eine wunderbare Brücke zwischen den rasanten und recht brutalen Sportszenen und dem ruhigen Rest. Sie zeigt in Roller Girl einmal mehr, warum sie zu den besten Schauspielerinnen ihrer Generation zählt.

Der Spaß ist den Darstellerinnen deutlich anzusehen. Und er überträgt sich auch auf das Publikum. Die umrundeten Genreklischees tun dabei deutlich weniger weh, als die Bodychecks beim Roller Derby. Auch wenn das Drehbuch kaum Abzweige macht und die Adoleszenz von Bliss recht konform anhand des unkonformen Rollschuhsports erzählt, vergehen die 111 Filmminuten wie im Flug. Zurück bleibt ein gutes Gefühl – und darauf kommt es am Ende an.


 

 

Roller Girl

Drama / Komödie, USA 2009

Regie: Drew Barrymore

Darsteller u.a.: Ellen Page, Juliette Lewis, Marcia Gay Harden

Verleih: Senator

VÖ: 03. Februar 2012

 

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