UNICUM schaut: Tetsuo - The Bullet Man

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Avantgardistisch, surreal, ästhetisch, gewalttätig – japanisches Kino ist eins aber sicherlich nicht: gewöhnlich. Regisseur Shinya Tsukamoto steht dieser Tradition in nichts nach. Kultstatus erreichte er mit seiner Tetsuo-Reihe. Der dritte Teil The Bullet Man erscheint jetzt erstmal als deutsche DVD und Blu-Ray.
Einfach hatte es Tsukamotos dritter Tetsuo-Film bei Leibe nicht. 2009 zeigte der Japaner auf dem Filmfestival von Venedig sein Werk erstmals der Öffentlichkeit. Der Erwartungsdruck durch seine loyale Anhängerschaft war hoch, hatte doch der erste Teil The Iron Man 1989 das Genre des japanischen Cyberpunks geprägt und ist der zweite Teil Body Hammer angeblich so brutal, dass er hierzulande beschlagnahmt ist. So viel schon mal vorweg: Die Erwartungen wurden größtenteils nicht enttäuscht. Tsukamoto ist eben Tsukamoto und hält was er verspricht.
Inhaltlich lässt sich The Bullet Man schnell umreissen. Motiv des Films ist das uralte Prinzip der Rache. Geschäftsmann Anthony muss mit ansehen, wie skrupellose Verbrecher seinen kleinen Sohn auf der Straße vorsätzlich überfahren. Seine Frau fordert Vergeltung, doch Anthony erlebt eine ausgeprägte Depression. Tief in seiner Seele schläft jedoch sein Hass, der allmählich erwacht und Anthony in einen Metallmenschen verwandelt, bereit die Mörder seines Sohnes zu finden und zu töten. Charles Bronson in Ein Mann sieht rot meets Film noir meets Robocop.
Inhalt ist bei Tsukamoto allerdings zweitrangig. Dem Regisseur ist es wichtiger, seinen Zuschauern einen optischen und auditiven Trip – im wahrsten Sinne des Wortes – zu bieten. Schnelle Schnitte, Handkamera und explizite Gewaltdarstellungen, die letztlich die ganze Sinnlosigkeit der Brutalität entlarven. Hinzu kommt ein Soundtrack, den niemand geringeres als die Industrial-Koryphäen Nine Inch Nails komponiert haben. Herauskommen sind Bilder und Klänge, die stimmig zueinander passen und alle das repräsentieren, was Protagonist Anthony durchlebt – die Hektik und Gefahr einer verwahrlosten, urbanen Gesellschaft, seine gebrochene Seele, der Zwiespalt in ihm und seine archaischen Instinkte.
Fazit: The Bullet Man ist für Viele ein Muss. Für Fans der Tetsuo-Reihe sowieso, aber natürlich auch für Bewunderer des japanischen Films allgemein, des Cyberpunks sowie des Splatter- und Bloodshed-Genres. Alle anderen seien gewarnt. The Bullet Man kann auch sehr verstörend wirken. Das liegt aber ganz im Sinne des Schöpfers.
Tetsuo - The Bullet Man
Cyberpunk, Japan 2009
Regie: Shinya Tsukamoto
Darsteller u.a.: Eric Bossick, Akiko Mono, Yuko Nakamura
Verleih: Koch Media
VÖ: 25. November 2011










