UNICUM schaut: Wrecked

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Wer bin ich, was mache ich hier, was ist passiert? Fragen, die sich viele samstag- oder sonntagmorgens stellen. Wrecked mit Adrien Brody ist ein Mindgame, dessen Ansatz allerdings in eine wesentlich extremere Richtung geht.
Adrien Brody ist ein großartiger Schauspieler, eines kann er oft jedoch nicht so gut - sich passende Rollen und Filme aussuchen. Brody selber liefert zwar fast immer hervorragend ab, zweifelhaft bleiben aber oft die Produktionen, in denen er mitwirkt. Ist er heute in Arthouse-Meisterwerken wie Der Pianist zu sehen, könnte es morgen schon eine jämmerliche Fortsetzung von Actionfilmen wie Predator sein, die jenen Klassiker mehr vergewaltigt als huldigt.
Auch Wrecked ist wieder so ein fragwürdiger Fall. Adrien Brody mimt den namenlosen Protagonisten, der plötzlich einsam und allein in einem Autowrack mitten im Wald aufwacht. Auf der Rückbank liegt eine Leiche, er selbst ist schwer verletzt und auf dem Beifahrersitz eingeklemmt. Der Namenlose weiß zudem weder wer der Tote, noch wer er selbst ist. In einem Anfall von Panik befreit er sich und steht nun vor essentiellen Aufgaben. Er muss herausfinden, wer er ist, was passiert ist und in der Wildnis überleben. Bei dem Versuch einen Ausweg aus seiner beängstigenden Situation zu finden, stößt er auf Indizien, die seine Paranoia nicht besser machen: Eine Waffe und ein Radiobericht über einen Banküberfall.
Schauspielerisch gibt Adrien Brody in Wrecked wieder mal alles. Um sich auf den Film vorzubereiten, soll er eine Nacht in kanadischen Wäldern verbracht und Beeren und Käfer gekostet haben. Aufgrund von Brodys Leistung lässt sich über Wrecked wenigstens noch "der Film war stets bemüht" urteilen. Doch auch ein Adrien Brody kann ein mangelhaftes Drehbuch nicht mehr in Gold verwandeln. Anstrengend wird es vor allem in der zweiten Hälfte des Streifens. Der Protagonist wankt dann nur noch durch die Pampa und agiert wie Survivalgott Bear Grylls (Ausgesetzt in der Wildnis, DMAX) für Arme.
Der Stilmix aus Mindgame und einer Art Kammerspiel bei Wrecked mag ganz nett sein, ist aber auch nichts Neues. Das Überlebenskampf-Motiv erinnert zudem sehr an Danny Boyles letzten Film 127 Hours, der nicht allzu weit zurückliegt. Bonusmaterialien auf DVD wie Blu Ray sind die üblichen Making Ofs, Behind the Scenes und bla bla bla. Unter "ferner liefen" abhaken.
Wrecked
Mindgame, USA 2010
Regie: Michael Greenspan
Darsteller u.a.: Adrien Brody, Caroline Dhavernas, Ryan Robbins
Verleih: Universum
VÖ: 18. November 2011










