UNICUM hört: Apocalyptica "7th Symphony"
Siebte Symphonie aus Saiten und Metall

- Foto:Ralf Strathmann
Manche Ideen sind gekommen, um zu bleiben. Currywurst und Pommes zum Beispiel. Oder Cellos und Heavy Metal. Letzteres betreiben die Jungs von Apocalyptica seit fast 20 Jahren. 1993 gründeten die klassisch ausgebildeten Cellisten ihre Band, drei Jahre später erschien ihr Erstling „…plays Metallica by four cellos“. Welten prallten aufeinander: der verletzliche Klang eines Streichinstruments mit der Urgewalt des Metals. Vierzehn Jahre und sechs Alben später sind die Finnen nicht mehr aus der Musiklandschaft wegzudenken.
Ihr neues Album „7th Symphony“ untermauert diesen Status. Wuchtige, teils progressive Instrumentalstücke treffen auf radiotaugliche Rocknummern mit Ohrwurmfaktor. So trällert Gwen Stefanis Ehemann Gavin Rosdale auf der ersten Single-Auskopplung „End of Me“ eingängig, aber wenig anspruchsvoll. Gleiches gilt für die anderen Gesangsnummern, mit Ausnahme von „Bring Them to Light“. Hier zeigt Joe Duplantier, seines Zeichens Frontmann der französischen Experimental-Metal-Band Gojira, wie man zwei Welten verbindet. Rau und aggressiv, gleichzeitig aber melodisch, bildet der Song das Negativ zu den anderen Gesangsnummern.
Die wahre Stärke von„7th Symphony“ liegt aber in den Instrumentalstücken. Schon der Opener „At The Gates of Manala“, ein stolzer Siebenminüter, zeigt wo die Reise hingeht: in die Vergangenheit. Genauer gesagt ins Jahr 2000, als Apocalyptica mit ihrem dritten Album „Cult“ ihr eigenes Rad neu erfunden haben. Wie zu besten Zeiten schwanken sie von Saite zu Metall, von sphärischen Klängen zu aggressiven Riffs. Traditionelle Songstrukturen werden aufgebrochen, progressive Spielereien eingebaut. Das ist hohe Musikkunst aus dem hohen Norden.
Weitere Highlights sind die Ballade „Beautiful“, mit Schlagzeuger Mikko am Bass und der epische Schlusstrack „Rage of Poseidon“. Apropos Schlagzeuger: Slayers Jahrhundert-Drummer Dave Lombardo verewigt sich einmal mehr unverkennbar auf einem Album der Finnen. „2010“ heißt das dynamische Stück, ein treibender Thrash-Metal-Song, der auch mit seiner Hausband funktionieren würde.
So zeichnet sich auch auf „7th Symphony“ das Bild, dass die Vorgängeralben „Apocalyptica“ und „Worlds Collide“ gezeichnet haben: Massenkompatible Radiosingles mit bekannten Sängern auf der einen Seite, epische, unverwechselbare Instrumentalstücke auf der anderen Seite. Dass die Singles dieses Mal ein wenig poppiger ausgefallen sind, dürfte angesichts der bärenstarken Instrumentale nicht weiter stören. Es wird Apocalyptica nur noch bekannter machen und eine noch buntere Schar zu den Konzerten treiben. Dann stehen Kutten-Träger, Opern-Fan und Curry-Wurst-Esser friedlich vor der Bühne und lauschen drei Finnen und ihren Cellos.
Apocalyptica
7th Symphony
Label: Dragnet (Sony Music)
VÖ: 20. August 2010
Für Fans von: Metallica, Slayer, David Garrett
Besonderes: Auch als Special Edition mit zwei Bonus-Tracks und DVD erhältlich.










