UNICUM hört: David Lynch "Crazy Clown Time"

von Roman Milenski
Foto: PIAS

Regisseur David Lynch ist ein künstlerisches Universaltalent. Er kann nicht nur Film, sondern auch Malerei und Musik. Bei seinem neuen Album Crazy Clown Time bleibt er dem Surrealismus weitesgehend treu.

David Lynch als Musiker hat man ja eigentlich nicht so auf dem Schirm. Dabei ist die Musik schon länger ein Steckenpferd des Regisseurs. Beispielsweise war er teilweise an den Soundtracks seiner Filme, wie Eraserhead oder Mulholland Drive, beteiligt. Zusammen mit John Neff folgte 2001 die experimentelle Rock-Platte BlueBob

Experimentell ist ohnehin eine treffende Bezeichnung für das gesamte Schaffen von David Lynch. Sein erstes musikalisches Solowerk (bei dem er fast alles selber komponierte und spielte) Crazy Clown Time bildet da keine Ausnahme. Auch wenn Lynch selbst für Anhänger seiner Filme musikalisch noch eine unbekannte Komponente sein mag, im Grunde verhält es sich bei ihm wie bei AC/DC: Man ahnt schon im Vorfeld eines neuen Projekts was man bekommt.

Hypnotischer, moderner Electro-Blues

Auch wenn Crazy Clown Time mit "Pinky's Dream", bei dem Yeah Yeah Yeahs Sängerin Karen O. mit ihrer Stimme gastiert, mit stampfendem Rock'n'Roll beginnt, wendet sich Lynch im Verlauf der Platte doch größtenteils atmosphärischem Electro zu. Und dessen Klänge und Texte sind genauso verstörend düster wie seine Filme eben. Muss man einen Zugang zu finden. Wer das tut, den erwartet ein Sound, der Lynch-typisch wie ein grotesker Traum wirkt. Oder vielleicht auch eher Albtraum, wie im Falle des Songs "Noah's Arc". 

Das Design des Ganzen ist auf Abwechslung bemüht. Mal verschrobener, mal romantischer, mal leiser, mal lauter, langsamer oder schneller. Dennoch bleibt es ein in sich stimmiges Gesamtkonzept. Böse Zungen könnten bei Crazy Clown Time hier und dort auch von Eintönigkeit sprechen. So oder so, am Ende hätte Lynch damit aber wieder seine gewohnt aufwühlende Wirkung erreicht.



 

David Lynch

Crazy Clown Time

Sunday Best/PIAS

VÖ: 04. November 2011

Für Fans von: Kraftwerk, Minimal Techno, Art-Punk


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