UNICUM hört: Die Ärzte "Auch"

von Roman Milenski
Foto: (c) Nela König

Brauchen Die Ärzte eigentlich noch Plattenkritiken? Nein. Ihr neues Album Auch wird sowieso auf Platz eins landen. Vorausgesetzt Die Amigos werfen jetzt nicht noch schnell was auf den Markt.

Doch vorher muss erst mal die Frage "Ist das noch Punkrock?" geklärt werden. Schon wieder. Wen interessiert's? Es ist Die Ärzte! Was 1982 in einem besetzten Berliner Haus begann, ist im Jahr des 30jährigen Bandjubiläums längst über sämtliche Ansprüche wie Zweifel erhaben. Die Ärzte können alles und dürfen alles. MTV ist tot - macht nichts. Sie drehen dennoch zu allen 16 Songs auf Auch jeweils zwei Musikvideos in Form kurzer Animationsfilmchen und parken diese auf youtube

Platten soll ja angeblich auch niemand mehr kaufen und am besten man veröffentlicht als Musiker gleich nur noch auf iTunes. Ja ja. Die Ärzte beweisen warum Haptik so schön sein kann. Die Compact Disc-Version von Auch kommt als altmodisches, analoges Gesellschaftsspiel daher. Mitgelieferte Bierkorken dienen als Spielfiguren, das Booklet lässt sich zum Spielbrett umfunktionieren. Dazu gibt es das Album auch anno 2012 wieder auf Vinyl gepresst. Uns Nostalgiker und ewige Spielkinder freut's.

Endorphinversorgung

So viel zu den Äußerlichkeiten. Inhaltlich knüpft Auch mit einer Heterogenität aus Selbsthuldigung ("zeiDverschwÄndung") oder -ironie, Lebensberatung ("Das darfst du"), latenter Trauer ("Tamagotchi") und Klamauk ("Cpt. Metal") bei seinen zwei jüngsten Vorgängern Jazz ist anders und Geräusch an. Ein Die Ärzte-Standardwerk eben, dem man schnell anmerkt, dass die Herren Vetter a.k.a. Urlaub (oder umgekehrt), Felsenheimer und González kompositorisch fast zu gleichen Teilen mitgewirkt haben. Und das mit dem Punkrock und dem Stil beantworten die drei in "TCR" übrigens dann doch indirekt: "Wir kümmern uns um den Rock...Wir kümmern uns um das 'Hey, Hey'...Wir sorgen immer wieder gern für Endorphine." 

Stimmt. Auch wenn, wie bei so vielen neuen Alben von Größen im Rockgeschäft, die Phrase "muss man sich wohl erst dran gewöhnen" gilt. Ein paar Tracks haben sicherlich das Potential, es bei Konzerten zumindest in die zweite Garnitur der Krachersongs zu schaffen. Aber hin oder her. Darum geht es hier nicht. Die Ärzte sind im deutschsprachigen Raum einer der wenigen Felse in der aufgewühlten Brandung postmoderner Popkultur. Allein deshalb sorgen die Berliner schon für Endorphinausschüttungen. Egal womit, prophetengleich werden Die Ärzte die Menschen immer wieder um sich scharen. Campino sollte vorsichtshalber schon mal seine Haare färben.



Die Ärzte 

Auch

Hot Action Records

VÖ: 13. April 2012

Für Fans von: Fix und Foxi, Paule, Zitroneneis, Sommer, Palmen, Sonnenschein, Helmut Kohl, Grace Kelly, Currywurst, lustigen Astronauten, Männlichkeitswahn, Sylt, Katzenfutter von Aldi und und und

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