UNICUM hört: John K. Samson „Provincial“

- Foto: Holger Wendt (Traumzeit Festival 2011, Duisburg)
Wohlig wie ein Wattebausch. Behaglich wie ein Wärmeakku. Unser Lieblingskanadier John K. Samson macht ohne Weakerthans im Rücken das, was er am besten kann: Platten aufnehmen.
Die Provinz ist in unseren Breitengraden ein vornehmlich negativ konnotierter Begriff, über den allerhand Vorurteile kursieren. In der Provinz werden die Bürgersteige hochgeklappt. In der Provinz soll es wieder Wölfe geben. Will man da wohnen? Natürlich nicht. Da bietet sich nur Landflucht an. John K. Samson – selbst beheimatet in Winnipeg, einer 700.000 Einwohnerstadt an der Ostküste Kanadas – will davon nichts hören. Ihn zieht es gerade dorthin, wo es still und einsam ist. Er klemmt das GPS in die Armatur und nimmt den „Highway 1 West“ in Richtung „Heart Of The Continent“. Sein physischer Road Trip ist natürlich auch ein allegorischer. Klar, werden hier Landschaften und Buckelpisten besungen, aber im Großen und Ganzen dreht sich Provincial um diejenigen, die sie beschreiten. Doch erstmal der Reihe nach.
Samson werden diejenigen von euch kennen, die sich öfter mal in Skateparks rumgetrieben haben. Er stand aber nicht auf dem Board, sondern hat davon in seiner Melodycore-Band Propagandhi gesungen. In der Hochphase des Skatepunks gründete Samson The Weakerthans und experimentierte mit Country, Pop und leisen Akustikklampfen. "Quiet is the new loud" war die Devise. Hierzulande gruppierte sich eine stetig wachsende Fanbase um die Kanadier. Das lag sowohl an den legendären Weakerthans-Platten, die alle paar Jahre wahre Begeisterungsstürme auslösten, als auch an der duften Promo des Hamburger Labels Grand Hotel van Cleef. So läuft das, wenn Fans ihre Helden unter Vertrag nehmen.
An Provincial wird die alte Weakerthans-Garde ihre wahre Freude haben. Der warme Sound der zwölf Songs knüpft nahtlos an die Reihe von Singles (City Route 85, Provincial Road 222) an, die Samson in den letzten drei Jahren rausgebracht hat. Alles wirkt sehr herzlich und wattebauschig. Über allem thront Samsons jugendliche Stimme, der man erstens gerne zuhört und zweitens alles abnimmt. Fernab von gängigen Rock-Klischees besingt er Mikrowelten, deren Zentrum die kanadische Einöde ist. Seine Protagonisten sind vergessene Eishockey-Spieler und surrende GPS-Geräte. Samsons Verdienst ist es, dass man selbst in den krudesten Geschichten einen Funken von sich selbst entdeckt. Ein wenig Vertrautheit.
John K. Samson
Provincial
Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ.: 27.01.2012
Für Fans von: Kanada, Eishockey, The Weakerthans





















































































































