UNICUM hört: Kamikaze Queens "Automatic Life"

- Foto: Sounds of Subterrania
"This is Berlin Punk Cabaret." So beschreiben zumindest die Kamikaze Queens selber ihr neues Album Automatic Life. Welcher Schubladen-inkompatibler Stil damit bloß wieder gemeint ist?
Wenn Berlin die Stadt der kreativen Zugezogenen ist, dann sind die Kamikaze Queens vielleicht so etwas wie deren popkulturelle Botschafter. Die fünf Damen und Herren könnten nämlich gar nicht repräsentativer für dieses Phänomen in der deutschen Hauptstadt sein. Die beiden Sängerinnen Mad Kate und Trinity Sarratt kommen aus San Francisco, Drummer Nico Lippolis ist gebürtiger Italiener mit Zwischenstationen in London und New York, Bassist Lloyd Clark II stammt aus dem Westen des US-Bundesstaats New York und Gitarrist Tex Morton kommt sowieso von und war schon überall.
In Berlin fand sich das Quintett schließlich zusammen, um Musik zu machen. Dabei sind ihre musikalischen Hintergründe fast so unterschiedlich wie ihre geographischen. Sängerin Mad Kate zum Beispiel dürfte vielen eigentlich als Mitglied von Bonaparte bekannt sein. Und so verbirgt sich hinter der von der Band selbst erfundenen Stilbezeichnung "Berlin Punk Cabaret", auf Automatic Life ein Mix aus Glam, Punk, Rockabilly und Western Swing. Gewagt, und fügt sich dann zu einem latent dadaistischen Ganzen zusammen.
The message is "Diversität"
Für Automatic Life gilt dann auch die alte Regel, dass man das Album in seiner ganzen Blüte betrachten sollte. Typische Songs für eine mögliche Singleauskopplung finden sich eher schwieriger. Beim ersten Reinhören, sprich den den ersten beiden Songs "Tastee 29" und "Good Times", hat man klanglich zunächst das Gefühl sich irgendwo zwischen 70er-(Glam-)Rock und frühem 90er-Gören-Grunge zu bewegen. Zumal die Stimme von Mad Kate an einen Hybrid aus Suzi Quatro und Courtney Love erinnert. Aber keine Angst! Es wird besser. Und die vielfältige Richtung von Automatic Life ist damit immerhin schon vorgegeben.
Im Mittelteil dominiert bei Stücken wie "Do The Crab" dann der Rock'n'Roll, hier vor allem durch Tex Mortons Gitarre vertreten. Ganz experimentell wird es, wenn Mimosa Pale die Kamikaze Queens auf einer Säge featured. Den Soundeffekt, um es mal so zu nennen, den sie aus dem Werkzeug rausholt, lässt "I Was A Teenage Mermaid" und "I Just Can't Help it" wie Hintergrundmusik aus einem Ed Wood-Film wirken.
Fehlenden Abwechslungsreichtum und mangelnde Kreativität kann Automatic Life nicht unterstellt werden. Vom Hocker reisst es einen dann aber auch nicht. Zu plakativ, zu bemüht, um wirklich dauerhaft hörbar zu sein.
Kamikaze Queens
Automatic Life
Sounds of Subterrania
VÖ: 30. September 2011
Für Fans von: den 20er bis 50er Jahren, John Waters-Filmen, Vivien Westwood-Mode, The Sweet, Bonaparte










