UNICUM hört: Kraftklub "Mit K"

von Roman Milenski
Foto: Universal

Die Indie-Szene, Berlin, das System - alle kriegen ihr Fett weg. Auf ihrem Debütalbum Mit K geben sich Krafklub unverhohlen dreist und sind dabei sympathisch erfrischend.   

Kraftklub heissen nicht nur einfach Kraftklub. Der Gründungsmythos der Band geht tatsächlich auf ein Fitnessstudio zurück. In solch einem haben die Chemnitzer - Entschuldigung: "Karl-Marx-Städter" - trainiert und begannen Musik zur sportlichen Unterstützung der dort ansässigen Pumper zu produzieren. 

Musikalisch und verbal lassen die fünf Herren dementsprechend gerne die Muskeln spielen. Ein latent prolliges Auftreten, das Motzen gegen alles und jeden sowie schnelle, schrammelige Gitarren gehören zum Kraftklub-Standard. Dabei nehmen sich die selbsternannten "Original Ostler" allerdings selbst nicht ganz ernst. Wer denn Text von "Eure Mädchen" studiert, versteht was gemeint ist.

Klauen, Aufmucken, Spalten

Ihr Witz gepaart mit der rotzigen Attitüde ist aber gerade das Spannende an diesen Halbstarken. Dazu kommt der Sprechgesang von Frontmann Felix Brummer, der zuvor als MC Bernd Bass sein Glück suchte. Durch diese Faktoren klingt Mit K anders, obwohl die 13 Tracks auch immer einen Beigeschmack von "kennt man doch" haben. 

Letzteres liegt zum einen sicherlich daran, dass die Band in der deutschen Musiklandschaft schon etwas länger sehr präsent ist. Seit 2010 gibt es bereits eine EP und diverse Singles. Der breiten Masse dürfte Kraftklub durch die Single "Ich Will Nicht Nach Berlin", inklusive Platz 5 bei Raabs Bundesvision 2011, bekannt geworden sein. Darin ätzen sie gegen den Hauptstadt-Hype. Und das mit Recht.

Zum anderen hört sich Mit K stellenweise auch wie ein Album von Franz Ferdinand oder The Hives an. Das "Klauen" scheint jedoch bewusste Provokation zu sein, um mit einem Auge in Richtung der Bestohlenen zu zwinkern. Schließlich haben diese ganzen britischen und schwedischen Bands ihrerseits schon bei anderen gemopst. Kraftklub - "die Rächer der Enterbten". Viellleicht bekommen Brummer und seine Mannen irgendwann mal ein Dankesschreiben von Paul Weller. Übrigens: Die Diebstähle gipfeln bei "Karl-Marx-Stadt" in einem Sample von Becks "Loser" sowie bei "Zu Jung" in einer Aufzählung eingedeutschter Zitate der Popgeschichte. "Hey Joe, wohin rennst du mit der Knarre?" oder "Eingefärbte Liebe". Na, wer erkennts?

Kritiker stehen Kraftklub gespalten gegenüber. Die einen reden abfällig von den Atzen des Indie-Rocks, die anderen verliehen ihnen Preise. Eine feste Fangemeinde hat die Band längst rekrutiert. Auch ohne Album. Umso interessanter also zu beobachten, wie sich der Ruf der Band jetzt entwickeln wird. Aber ob positive oder negative Resonanz, wahrscheinlich werden die Jungs daraus sowieso einen ironisch vorlauten, neuen Song zaubern.



 

Kraftklub

Mit K

Label: Universal

VÖ: 20.01.2012

Für Fans von: Frittenbude, K.I.Z. und durchaus auch (sorry!) Franz Ferdinand oder The Hives


UNICUM Newsletter

Hier die UNICUM Newsletter bestellen ! (Link)