UNICUM hört: Madonna "MDNA"

Die Queen of Pop meldet sich mit ihrem 12. Studioalbum zurück

von Barbara Kotzulla
Foto: Universal Music

Queen of Pop. Erfolgreichste Künstlerin aller Zeiten. Musik-Ikone. Madonna könnte sich auf den glamourösen Titeln ausruhen, doch die Sängerin will es mit ihrem neuen Werk "MDNA" noch einmal wissen. Bei dem kalkulierten Angriff auf die internationalen Charts vergisst Frau Ciccone aber das Wesentliche: Gute Pop-Musik lebt von Innovation, Leidenschaft und Herzblut. Wer nur kopiert, kann sich nicht neu erfinden. Eine aufgebrachte Plattenkritik – und der Wunsch: "Give me all your Luvin'".

"Girl Gone Wild", "I'm Addicted", "Some Girls", "I'm a Sinner": Die Songtitel auf Madonnas aktuellem Werk "MDNA" spiegeln perfekt das Selbstbildnis der Sängerin wider. Alles dreht sich nur um sie – und um ihr Image als ewig junges, ewig verruchtes, ewig feierndes "Girl". In dieser Selbstwahrnehmung Madonnas liegt auch das Problem des Albums: Denn der Jugendwahn lebt nicht von der konsequenten Weiterentwicklung, sondern von der Kopie der aktuellen Trends. Und so zelebriert die Queen of Pop auf "MDNA" nicht ihre über die Jahre gereifte Kreativität und Erfahrung, sondern liefert stattdessen nur eine weitere Version des chartstauglichen Dance-Pop ab. Eigentlich ziemlich langweilig, wenn es nicht gleichzeitig so traurig wäre. 

Madonnas Alter – sie ist 53 – wird im Zusammenhang mit ihrer Musik und ihrem Auftreten immer wieder in den Vordergrund gestellt. Dabei sollte aber nicht die Frage im Raum stehen, ob eine Frau ihres Jahrgangs sich noch so benehmen, so anziehen darf. Vielmehr muss doch ein Aufschrei durch die Diskotheken-Beats hallen: Du hast 300 Mio. Platten verkauft, sieben Grammys gewonnen, unzählige einmalige Lieder gesungen, neue Trends kreiert – wo ist das alles hin? Madonna, wo ist deine Kreativität, dein Ehrgeiz, dein Mut und deine Liebe zur Musik hin? Zumindest in "MDNA" steckt nichts davon.

Der Reiz der Pop-Musik lag schon immer im Zusammenspiel von süßlicher Naivität und augenzwinkernder Doppeldeutigkeit. Aber muss eine gestandene Pop-Ikone wie Madonna heutzutage immer noch bierernst Liedtexte wie "Uh la la/your're my Superstar/uh la la/love the Way you are" ("Superstar") oder "I'm right by your Side/like a Thief in the Night" ("Masterpiece") von sich geben? Selbst weniger hoch hochdotierten Reimmonstern aka Liedtextern fällt da sicherlich besseres ein.

Mit "Turn up the Radio" hat es sogar tatsächlich ein gefälliger Song auf das Album geschafft: eine kleine Pop-Perle mit einem netten Refrain, bei dem die Dance-Wummer-Beats sich angenehm zurückhalten. Daneben wird dann wieder lasziv ("Gang Bang") oder groovig ("I don't give a") dem Sprechgesang gefrönt oder einfach nur über die standarisierten Tunes aus dem Computer gesungen. 

Im Vergleich dazu macht selbst Madonnas erste Single-Auskopplung "Give me all your Luvin" richtig Spaß. Immerhin hat Produzent Martin Solveig ("Hello") es geschafft, damit einen passablen Ohrwurm zu schaffen.

Zum Abschluß darf es aber doch etwas versöhnlicher werden: "MDNA" ist durchaus das, was es sein will. Ein modernes, kurzweiliges Dance-Pop-Album, das wie unter Strom gesetzte Zuckerwatte an den Gehörgängen kratzt. Würde es das Debütalbum eines aufstrebenden Gesangs-Sternchen sein, es würde niemanden stören und sicherlich seine Fans finden. Aber für den Standard, den sich eigentlich eine Madonna setzten sollte, sind die zwölf Tracks einfach nicht gut genug. Bleibt zu hoffen, dass die Sängerin bei Album Nr. 13 endlich zu sich selbst findet und akzeptiert, dass sie doch eigentlich eine verdammt gute Künstlerin ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt ...


Madonna

MDNA

Universal Music

VÖ.: 23.03.12

Für Fans von: aktueller Chartsmusik mit Dance-Hintergrund.

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