UNICUM hört: Mark Stewart "The Politics of Envy"
Mark Stewart kanns nicht lassen. Der Alt-Linke wirft auf seinem neuen Album The Politics of Envy (VÖ: 13.04.12) dem Establishment wieder radikale Sprüche entgegen und mischt, dank Unterstützung bekannter Namen, stilistisch munter herum. Überzeugt euch beim Pre-Listening selbst!
Mark Stewart - wer ist das eigentlich nochmal? OK, kleine Geschichtsstunde: Mark Stewart war in den späten 70ern Sänger der Band The Pop Group, die er zusammen mit vier Mitstreitern der linken Szene seiner Heimatstadt Bristol gründete. The Pop Group waren, wie sollte es bei diesem soziologischen Background der Mitglieder auch anders sein, inhaltlich stets eindeutig gesellschaftskritisch. Musikalisch hingegen waren sie mit ihrem Mix aus Punk, Funk, Free-Jazz und Dub alles andere als eindeutig. In den 80ern begab sich Stewart dann auf Solopfade. Er fabrizierte einen vom Industrial beeinflussten Sound, traf daneben auf einige Künstler des frühen Hip-Hop, und prägte so den Trip-Hop - den sogenannten Bristol Sound - entscheidend mit.
Das Stewart irgendwie ein Kind seiner Zeit geblieben ist, lässt sich auf The Politics of Envy recht zügig ausmachen. Schon allein an der Liste der ihn unterstützenden Künstler, die man voller Vorfreude studiert. So sind beispielsweise Dub-König Lee "Scratch" Perry, The Clash-Gründungsmitglied und -Gitarrist Keith Levene oder Primal Scream mit von der Partie. Bleibt nur noch die Frage, ob die Platte dann auch hält was sie verspricht.
Tut sie. Stewart schafft das Kunststück sich treu zu bleiben, ohne sich dabei AC/CD-mäßig immer wieder selber zu kopieren. Die verschiedenen musikalischen Einflüsse auf dem Album vereint er zu einer stimmigen Gesamtkomposition zwischen Industrial und Dubstep - mal krachend ("Autonomia"), mal pulsierend ("Baby Bourgeois"), mal entspannter (das David Bowie-Cover "Letter To Hermione"). Alles klingt so jung, dass man Herrn Stewart sein mittleres Alter gar nicht attestieren würde. Irgendwann mal ruhiger zu werden scheint ihn eh nicht zu interessieren. Sein Antrieb ist seine immer noch vorhandene Wut auf das System. Und da es ja immer genug zum Aufregen gibt, wird The Politics of Envy bestimmt nicht Mark Stewarts letztes Werk bleiben.
Mark Stewart "The Politics of Envy" - Pre-Listening
Mark Stewart
The Politics of Envy
Future Noise Music / Rough Trade
VÖ: 13. April 2012
Für Fans von: Nine Inch Nails, Wutbürgern und dem Bristol Sound










