UNICUM hört: Trivium "In Waves"

- Foto: Jon Paul Douglass
„In Waves“ ist für Trivium, was „The Blackening“ für Machine Head war: Der Beweis, nach einem bärenstarken Album noch einen nachlegen zu können.
Trivium haben sich 2008 mit ihrem vierten Album „Shogun“ an die Speerspitze des modernen amerikanischen Heavy Metal katapultiert. Es bildet die perfekte Brücke zwischen den Metalcore-Alben „Ember to Inferno“ und „Ascendancy“ und dem gescholtenen Metallica Rip-off „The Crusade“. Die bandeigene Grund-Aggressivität gepaart mit großen Melodien und der Mut, auch mal die Acht-Minuten-Schallmauer zu sprengen, sicherten der Scheibe bei vielen einen Dauerrotationsplatz im CD-Player.
Drei Jahre später machen sich die vier Jungs aus Florida ran, einen würdigen Nachfolger auf die Musikwelt loszulassen. Mit neuem Mann hinter den Kesseln (Nick Augusto ersetzt Gründungsmitglied Travis Smith) und einem neuen Produzenten im Schlepptau (Colin Richardson statt Nick Raskulinecz) stehen die Vorzeichen auf Sturm. Und der wütet mit brachialer Naturgewalt.
Eine Monsterwelle bricht
Nach einem neunzig-sekündigen Intro bricht der Titeltrack wie eine Monsterwelle über den Hörer. Die brutalen Growls von Frontmann Matt Heafy fahren tief in Mark und Bein, bis der ohrwurmträchtige Refrain einem wieder Luft zum Atmen gibt. Mit „Inception of the End“ folgt ein melodiöser Vertreter, ehe „Dusk Dismantled“ wie ein Tsunami alles und jeden mit sich reißt. Der wohl härteste Track der Bandgeschichte ist gleichzeitig der beste der Platte. Was aber nicht heißt, dass „In Waves“ schon nach Lied Vier sein Pulver verschossen hat.
Mit dem Riffgewitter „A Skyline’s Severance“ und dem klassischen Thrash-Track „Caustic are the Ties that Bind“ warten im hinteren Teil der Scheibe noch echte Highlights. Aber leider auch einige unnötige Füller. „Black“ und „Built to Fall“ seien hier exemplarisch genannt. Zudem kommt Neuzugang Nick Augusto nicht an das dynamische Spiel seines Vorgängers Travis Smith heran.
Diese kleinen Unzulänglichkeiten degradieren den Taifun „In Waves“ jedoch keineswegs zu einem popeligen Gewitter auf hoher See. Die vier Jungs aus Florida führen den auf „Shogun“ eingeschlagenen Kurs konsequent fort und scheinen endlich ihren Sound gefunden zu haben. Die großartigen Melodien bleiben im Kopf hängen, während der Nacken noch von den Mosh-Parts schmerzt. Wenn man bedenkt, dass die Mannschaft erst Mitte zwanzig ist und bereits fünf Alben produziert hat, können wir noch Einiges von Trivium erwarten.
Übrigens: Wer kann, sollte zur Limited Edition von „In Waves“ greifen. Die kommt mit fünf Bonus-Tracks (unter anderem mit „Shattering the Skies Above“ aus dem God of War III Soundtrack und dem hervorragenden Sepultura Cover „Slave New World“) und einer DVD mit einem Konzert-Mitschnitt.
Trivium
In Waves
Label: Roadrunner Records (Warner)
VÖ: 5. August 2011
Für Fans von: Machine Head, Black Dahlia Murder, Metallica









