Effektiv fürs Abi lernen

So bereitet ihr euch optimal auf eure Abiturprüfungen vor!

von Ann-Christin von Kieter und Barbara Kotzulla
Effektiv füs Abi lernen ist mit ein paar Tipps gar nicht so schwer
Foto: Thinkstock/Fuse

Eines vorweg: Natürlich werdet ihr hier keinen Standard-Lernplan finden können, der euch genau sagt, was ihr zu tun habt und was ihr fürs Abi lernen müsst. Schließlich hängt viel davon ab, um welche Fächer es sich handelt und wie ihr bisher mit dem Lernstoff umgegangen seid. Aber wir geben euch einige Tipps an die Hand, wie ihr euch die Zeit sinnvoll einteilt und am besten mit den Inhalten umgeht.



Abitur lernen

Rechtzeitige Vorbereitung

Sicher können Risikofreudige einfach versuchen, in der Nacht vor der Prüfung noch eben das nötige Wissen in den Kopf zu prügeln. "Mut zur Lücke" lautet für viele die Devise. Sinnvoller und vor allem stressfreier ist jedoch, so früh wie möglich mit der Vorbereitung zu beginnen.

Für Lerncoach Iris Komarek aus München beträgt die ideale Vorbereitungszeit sechs Monate: "Dann kann man genau die Wiederholungsfrequenz einhalten, durch die das Gelernte gesichert ins Langzeitgedächtnis kommt und dort bleibt. Am effektivsten ist es, wenn man genau dann den Lernstoff wiederholt, wenn man gerade dabei ist, ihn wieder zu vergessen – was ganz normal ist. Also nach ca. 20-30 Minuten, nach einem Tag, nach einer Woche, nach einem Monat und dann nach sechs Monaten."

  • 1. Lernregel: Am besten 6 Monate vor den Prüfungen mit dem Lernen beginnen. Lernstoff in regelmäßigen Abständen wiederholen.
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Erstellung eines Lernplans

Damit ihr die Zeit vernünftig einteilen könnt, empfiehlt sich die Erstellung eines Lernplans. Dazu müsst ihr euch einen Überblick über die gesamten Themen verschaffen, und euch genau überlegen, wie viel ihr an einem Tag meistern könnt und wollt. So könnt ihr ausrechnen, wann ihr loslegen müsst.

Die genaue Einhaltung eines zuvor erstellten Plans hilft dabei, sich jeden Tag zu motivieren. Allerdings müsst ihr auch flexibel reagieren können, falls einmal spontan etwas dazwischen kommt. Lasst euch auch genug Freiräume, so dass ihr auf nichts verzichten müsst, was euch wichtig ist. Gerade Sport hilft dabei, abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. Für euer regelmäßiges Training solltet ihr euch also auf jeden Fall Zeit nehmen.

  • 2. Lernregel: Legt in einem Lernplan fest, was ihr wann und wie lange lernen wollt. Denkt daran: Pausen sind wichtig – macht zwischendurch einen Spaziergang oder Sport!
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Das ideale Tagespensum

Damit ihr einen Lernplan erstellen könnt, müsst ihr realistisch abschätzen, wie viel ihr an einem Tag schaffen könnt. Dabei kommt es immer auf eine gewisse Tagesform an. Solange ihr noch den Unterricht besuchen müsst, sind maximal zwei Stunden am Nachmittag bzw. Abend realistisch. Sobald ihr den letzten Schultag hinter euch habt, könnt ihr dann wesentlich mehr Zeit einplanen.

Allerdings lässt sich der Kopf nicht unbegrenzt mit Wissen füllen. Irgendwann werdet ihr merken, dass ihr an einem Punkt ankommt, an dem  Konzentration nachlässt und sich Müdigkeit breit macht. Mutet ihr euch dauerhaft zu viel zu, macht der Körper schlapp. Erste Anzeichen können Kopfschmerzen, ein flaues Gefühl im Magen oder auch Verspannungen sein. Vorbeugen könnt ihr mit regelmäßigen Pausen. Manchmal wirkt schon ein kleiner Spaziergang Wunder. Um dauerhaft Stress abzubauen, empfehlen sich Entspannungsmethoden wie Yoga oder autogenes Training. Die dort erlernten Techniken könnt ihr später sicher auch im Studium oder in der Ausbildung gut gebrauchen. 

  • 3. Lernregel: Während der Unterrichtszeit solltet ihr max. 2 Stunden für das Abitur lernen, nach dem letzten Schultag dürft ihr mehr Zeit einplanen!
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Die richtige Tageszeit

Die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit schwankt im Laufe des Tages stark. Neurobiologen haben herausgefunden, dass die höchste Leistungsfähigkeit zwischen neun und elf Uhr gegeben ist. Zuvor hat der Körper noch mit morgendlichen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Um die Mittagszeit fällt die Leistungskurve dann rapide ab. Erst am Nachmittag geht es wieder bergauf. In der Zeit zwischen 16 und 18 Uhr erlebt ihr in der Regel ein weiteres Leistungshoch. Spätestens ab 21 Uhr lässt die Aufnahmebereitschaft deutlich nach.

Idealerweise beobachtet ihr euch eine Weile, bevor ihr euren Abi-Lernplan erstellt. Das könnt ihr prima in normalen Klausurphasen ausprobieren. Macht euch Notizen, wann ihr euch besonders fit fühlt und teilt den Tagesablauf in leistungsstärkere und -schwächere Phasen. Letztere könnt ihr dann gut für die schönen Dinge nutzen. Wenn es hart auf hart kommt, und ihr gegen Ende doch in Zeitnot geratet, solltet ihr diese Leistungstiefs dann eher zur Wiederholung des bereits gelernten Materials nehmen statt euch neue Inhalte aufzuzwingen.

  • 4. Lernregel: Von 9-11 Uhr und 16-18 Uhr seid ihr am leistungsfähigsten. Doch jeder hat einen anderen Rhythmus – macht euch klar, wann ihr am besten lernen könnt und nutzt die Zeit!
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Behandlung der Themen

Man neigt schnell dazu, sich zuerst mit den Inhalten zu befassen, die einem Spaß machen und nicht so kompliziert sind. Das Unangenehme wird dann gerne aufgeschoben. Das gilt sowohl für einzelne Themen als auch für ganze Fächer. Diese Verdrängungstaktik ist sicherlich verständlich, aber nicht sinnvoll. Schließlich verpulvert ihr so viel Energie für Dinge, die euch ohnehin leicht fallen. Dabei solltet ihr die volle Konzentration lieber für Inhalte aufheben, mit denen ihr auf Kriegsfuß standet.

Allerdings ist es für eure Motivation auch hilfreich, wenn ihr regelmäßig Erfolgserlebnisse verzeichnen könnt, und nicht schon am Start eures Lernmarathons verzweifelt. Wenn ihr euren Lernplan erstellt, achtet also darauf, sowohl die Fächer als auch die einzelnen Inhalte abzuwechseln. Die gleiche Strategie könnt ihr übrigens auch schon die ganze Schulzeit über anwenden, zum Beispiel wenn ihr die Hausaufgaben für den nächsten Tag erledigt. Statt das Schwierige bis zuletzt liegen zu lassen, lieber einfach mal die Reihenfolge auslosen.

  • 5. Lernregel: In eurem Lernplan sollten sich Themen und Inhalte abwechseln. Lost am besten die Reihenfolge aus. Das Aufschieben von unliebsamen Themen hilft euch nicht weiter!
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Umgang mit den Materialien

Wichtige Voraussetzung fürs Lernen sind vollständige Unterlagen. Denkt also daran, rechtzeitig eure Mitschriften zu überprüfen. Wenn euch etwas fehlt, könnt ihr es problemlos von Mitschülern kopieren. Achtet auch darauf, dass die Seiten sauber und ordentlich gestaltet sind, dann nehmt ihr diese gleich viel lieber in die Hand als olle Schmierzettel.

Am besten bringt ihr eure Mitschriften aus dem Unterricht zu Hause noch einmal in eine ordentliche Form. Durch das Abschreiben vertieft sich der Stoff gleich und es sammelt sich nicht so viel Arbeit für die "heiße Phase" an. Natürlich erfordert das anfangs eine Menge Disziplin, aber am Ende werdet ihr schnell merken, dass es sich schnell auszahlt.

Damit der Lernstoff leichter verinnerlicht werden kann, empfiehlt Iris Komarek eine abwechslungsreiche Gestaltung: "Ein guter Test ist, ein paar Seiten des Skripts aus etwa drei Metern Entfernung zu betrachten. Sehen alle gleich aus, dann liegt noch viel Potenzial drinnen. Also dann bunte Stifte zur Hand nehmen und Texte mit kleinen Zeichnungen aufpeppen!"

  • 6. Lernregel: Achtet auf eure Unterlagen und schreibt im Unterricht ordentlich mit! Abschriften vertiefen den Stoff, selbstgestaltete Materialien machen mehr Lust auf's Lernen!
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Weitere Hilfsmittel

Die Auswahl an Lernhilfen fürs Abitur ist riesig. Im Gegensatz zu den dicken Schulbüchern handelt es sich dabei eher um kompakte Ratgeber, die das nötige Prüfungswissen auf den Punkt bringen. Die Frage ist, ob sich eine Anschaffung von zusätzlichem Material überhaupt lohnt.

Iris Komarek hält Bücher mit den Abiturfragen der letzen Jahre für sinnvoll: "Dadurch kann man sich sehr gezielt vorbereiten und freundet sich schon früh mit der Art der Fragen an. Übrigens sollte man sich vor dem ersten Lernen mit den Abi-Fragen auseinandersetzen und sie nicht – wie die Meisten es tun – später als Kontrolle nutzen. Nur dann können sie als Orientierung und Zielvorgabe beim Lernen genutzt werden!"

Auch das Internet könne man nutzen, wenn man auf ganz gezielte Fragestellungen Antworten sucht. Aber: "Ewiges Recherchieren kann ein unglaublicher Zeitfresser sein und vom eigentlichen Lernweg abbringen", warnt Iris Komarek.

  • 7. Lernregel: Lernhilfen in Bücherform machen Sinn – stundenlange Recherche im Internet raubt oft nur Zeit.
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Die perfekte Lernumgebung

Um erfolgreich lernen zu können, solltet ihr dafür sorgen, dass ihr euch in der Lernumgebung wohl fühlt. Wenn euch absolute Stille eher beunruhigt, lasst ruhig im Hintergrund etwas Musik laufen, auch wenn oft empfohlen wird, für Ruhe zu sorgen. Grundsätzlich ist erlaubt, was euch gut tut.

Gleiches gilt für den Ort des Geschehens. Lernt ihr an eurem Schreibtisch, solltet ihr ihn von sämtlichen Dingen befreien, die euch ablenken könnten. Ein ordentlicher Arbeitsplatz wirkt sich übrigens auch positiv auf den Kopf aus. Sowohl Chaos als auch Strukturen können sich nämlich aufs Gehirn übertragen.

Trotzdem ist es auch in Ordnung, wenn ihr euch lieber draußen oder im Bett aufhalten wollt: "Das Gehirn ist im Liegen genauso leistungsstark wie im Sitzen", weiß Iris Komarek. Sie schlägt sogar vor, mit Lernkarten einen Spaziergang zu machen oder auf dem Hometrainer zu radeln, "denn in Bewegung lernt das Gehirn am besten!"

  • 8. Lernregel: Sorgt für Ordnung an eurem Schreibtisch und schafft euch die Atmosphäre, in der ihr am besten lernen könnt!
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Brainfood – Nahrung fürs Gehirn

Wer kennt sie nicht, die Werbung, in der sich ein Schulkind ein Stück Traubenzucker einwirft und dann in Windeseile eine Matheaufgabe löst. Aber kann dieses Wundermittel wirklich die Denkleistung steigern? Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät davon ab: "Es ist ein gängiges Vorurteil, dass Taubenzucker der Konzentration hilft. Dabei wird allenfalls der Blutzuckerspiegel kurzzeitig gepusht."

Stattdessen rät sie zu einer ausgewogenen Ernährungund zwar Tag für Tag und nicht nur in lernintensiveren Phasen. Dazu gehören unter anderem ein bewusster Umgang mit Kohlenhydraten und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Die vollständigen Ernährungstipps findet ihr in den zehn goldenen Regeln der DGE. "So bekommt der Körper alles, was er braucht und auch das Gehirn ist ausreichend versorgt." Auf Alkohol solltet ihr in der lernintensiven Zeit möglichst verzichten und lieber hinterher das bestandene Abitur ausreichend begießen.

  • 9. Lernregel: Achtet auf eine gesunde Ernährung und trinkt viel Wasser. Auf Alkohol solltet ihr in der Lernphase lieber verzichten.
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Nachhilfe kurz vor Schluss

Während der Vorbereitung merkt ihr, dass euch noch einige Unklarheiten im Kopf herumschwirren? Und auch eure Freunde und Mitschüler wissen keinen Rat? Dann wird es Zeit für Plan B. Was viele nicht wissen: Professionelle Nachhilfe-Institute bieten spezielle Abiturvorbereitungskurse an, die das nötige Wissen vermitteln. Und das notfalls kurz vor knapp.

"Neben den Stammschüler, die fast die gesamte Schulzeit über bei uns waren, kommen auch spontan einige neue Gesichter hinzu", weiß Angelika Bruske, Leiterin der Schülerhilfe in Bochum. Auch wer bisher noch keinen Kontakt zu Nachhilfeinstituten hatte, findet dort also Rat. "In Crashkursen von fünf Mal 90 Minuten Einzelunterricht geht es den Wissenslücken an den Kragen", verspricht Bruske. Auf dem Programm steht der aktuelle Stoff der Problemfächer. Die Vorbereitung erfolgt sowohl inhaltlich als auch formal, bei Bedarf könnt ihr so auch trainieren, die Klausuren strukturiert anzugehen. Auch fürs mündliche Abi halten die Experten Tipps bereit. So seid ihr für die anstehenden Prüfungen bestens gerüstet.

  • 10. Lernregel: Unterstützung findet ihr bei euren Freunden und Mitschüler. Wenn ihr wirklich ratlos seid, können euch Nachhilfe-Institute auf die Sprünge helfen.

Auf einen Blick:
Richtig fürs Abitur lernen in zehn Schritten

Checkliste Abitur

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