Filme und Musik downloaden oder streamen - legal oder illegal? - Teil 2

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Das Internet ist ein Eldorado für Musik- und Film-Fans. An allen Ecken und Enden warten vorgeblich kostenlose Angebote darauf, heruntergeladen zu werden. UNICUM ABI erklärt, was erlaubt ist – und wo ihr lieber die Finger von lassen solltet.
Anwaltsschreiben statt Geburtstagsgeschenk
Es war ein sonniger Tag im Juli 2010. Patrick war gut drauf, denn er besuchte seine Eltern in Dahme, nahe Berlin. Er wollte ein schönes Wochenende verbringen und mit seinen Freunden feiern – er hatte Geburtstag. Doch die Stimmung kippte, als sein Vater ihm sein Geschenk überreichte. Das war nicht – wie erhofft – Geld für neue Klamotten. Sondern eine Rechnung über 900 Euro, verfasst von einer Anwaltskanzlei im Auftrag der Plattenfirma Universal Music.
Patrick wurde vorgeworfen, das Album „Für dich noch immer Fanta Sie“ der Fantastischen Vier illegal in einer Tauschbörse heruntergeladen zu haben. "Das war ein Schock für mich", erinnert sich der 27-Jährige. "Zuerst wollte ich es gar nicht glauben." Das Anwaltsschreiben war an seine Eltern gegangen, weil er wenige Wochen zuvor bei ihnen zu Besuch war und das Album über den Internetanschluss seines Vaters heruntergeladen hatte. Zu dem Zeitpunkt lebte Patrick schon lange nicht mehr in Dahme, sondern in Berlin.
"Meine Eltern haben mir bis zu meinem Geburtstag nichts von dem Schreiben gesagt. Dann traf es mich wie ein Schlag." Böse seien sie nicht gewesen, er sei schließlich alt genug. Aber für seinen Vater, auf dessen Namen das Anwaltsschreiben ausgestellt war, sei es ebenfalls eine sehr unangenehme Situation gewesen. Er war es auch, der die 900 Euro überwies. Patrick musste ihm das Geld dann in Raten zurückzahlen.
Immer Rat bei einem Anwalt holen

- Patrick R. wirft nur noch fürs Foto einen Blick auf illegale Seiten - Foto: Henning Ohlsen
Bevor man eine Strafzahlung in dieser Höhe begleicht, lohnt es sich, Rat bei einem Anwalt einzuholen. In manchen Fällen stellen Rechtsexperten Fehler in den Anschreiben fest, da es sich in der Regel um Massenanfertigungen handelt und die Schuld nicht immer nachgewiesen werden kann. Auf diese Weise können Angeklagte manchmal um die Strafzahlung herumkommen oder sie zumindest mindern. Auch Patrick und sein Vater suchten Rat bei einer Freundin, die als Rechtsexpertin bei der Polizei arbeitete.
Doch in diesem Fall war nichts zu machen. „Ich wusste, dass ich schuldig bin“, sagt der 27-Jährige. Viel Zeit für eine Reaktion blieb ohnehin nicht. In dem Schreiben stand, dass das Geld innerhalb von sieben Tagen überwiesen werden sollte, andernfalls würde Universal Strafanzeige erstatten. Dadurch hätte das Tauschbörsen-Abenteuer noch teurer werden können, denn dann hätte Patrick auch noch die Anwaltskosten des Musiklabels tragen müssen. Wäre es zu einer Gerichtsverhandlung gekommen, hätte er bei einer Niederlage sogar die gesamten Gerichtskosten übernehmen müssen.
Illegales Downloaden ist eine Straftat
Patrick gibt ganz offen zu: "Ich habe früher öfter mal was runtergeladen." Filme, Serien, Musik – der Zugang über Tauschbörsen wie Bittorrent ist einfach. Laut dem Bundesverband der Musikindustrie werden pro Jahr rund 250 Millionen Songs illegal aus dem Netz gesogen. Dass es sich dabei um eine Straftat handelt, ist vielen Nutzern gar nicht bewusst. Die Plattenlabels und Musikfirmen verfolgen die Hörer aber gar nicht wegen der Downloads.
In den Anwaltsschreiben wird das Hochladen angezeigt. Jeder Nutzer einer Tauschbörse ist dazu gezwungen, Dateien, die er herunterlädt, auch zum Upload anderen Raubkopierern zur Verfügung zu stellen. Bei Patrick hat die 900-Euro-Strafe Wirkung gezeigt. "Seitdem habe ich nie wieder etwas illegal heruntergeladen", sagt er. Und auch sein Geburtstag war – zumindest musikalisch – kein Reinfall. Das 15 Euro kostende Album der Fantastischen Vier haben ihm seine Eltern gleich mit in die Schleife eingewickelt.
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