„Homevideo“: Erster Fernsehfilm über Cyber-Mobbing

von Heike Philipp
"Homevideo" - Claas (Wotan Wilke Möhring, rechts) stellt seinen Sohn (Jonas Nay, links) zur Rede.
Bild: NDR/Gordon Timpen

Wie schnell, hart und unvorhersehbar Mobbing einen Jugendlichen treffen kann, zeigt der deutsche Film „Homevideo“. Am 19. Oktober 2011 wird damit der erste Fernsehfilm zum Thema "Cyber-Mobbing" im Ersten ausgestrahlt. Als Beraterin zum Film befragte UNICUM für euch Catrin Wagner zum Thema „Mobbing - Ursachen und Gegenmaßnahmen“.

Die Gefahren und Risiken des WorldWideWebs sind heutzutage kaum mehr einzuschätzen. Soziale Netzwerke bieten eine scheinbar anonyme Plattform, die gerne von Jugendlichen genutzt wird, um Beleidigungen, Spott und Gemeinheiten Ausdruck zu verleihen. Cyber-Mobbing ist ein aktuelles Thema, das an Brisanz immer weiter zunimmt.

In dem Film „Homevideo“ geht es um den verschlossenen, sensiblen 15-jährigen Jakob (Jonas Nay), der gerne Videos dreht. Er befindet sich gerade mitten in der Pubertät, nähert sich seiner Liebe Hannah (Sophia Boehme) an und ist den dauernden Streitigkeiten seiner Eltern Irina (Nicole Marischk) und Claas (Wotan Wilke Möhring) ausgesetzt. Beinahe ein normales Teenagerleben. Die spätere Trennung seiner Eltern trifft ihn umso härter. Als dann auch noch sein Mitschüler Henry ein Video von Jakob ins Internet stellt, das ihn beim Onanieren zeigt, gerät ein unaufhaltsamer Strudel in Gang. Er erhält in Chatrooms unzählige hasserfüllte Nachrichten, wird in der Schule gehänselt. Brutal und eindringlich zeigt der Film die harte Realität des Cyber-Mobbings in der Schule. Vor allem beweist der Film eines: Jeder kann zum Mobbing-Opfer werden!

„Mobbing ist behandelbar“

Catrin Wagner, Anti-Gewalt-Trainerin
Catrin Wagner, Anti-Gewalt-Trainerin

Dies stellt auch Catrin Wagner, Diplom-Sportlehrerin und Trainerin für geschlechtsspezifische Gewaltprävention, fest: „Es gibt gar kein Mobbing-Profil.“ Catrin Wagner war lange in der Kinder- und Jugendarbeit tätig und ist seit 12 Jahren frei als Anti-Gewalt-Trainerin unterwegs. Mittlerweile hat sie bei „Millimetertraining“ ein kompetentes Team an ihrer Seite. „Wir machen mehrwöchige Trainings mit den Kindern und Jugendlichen in den Schulen zum Thema Gewalt und Mobbing.“ Die Trainings bestehen vor allem aus Rollenspielen, vielen Selbstbehauptungsübungen, Reflexionen und Standortorientierungen, damit die Jugendlichen ein Gefühl in der Situation entwickeln können. Man kann also aktiv etwas gegen Mobbing machen. Fast ausschließlich werden die Projekte von den Schulen und Institutionen selbst angefragt. „Sehr viele Schulen integrieren dieses Training als festen Bestandteil in ihre Schulprogramme“, berichtet Frau Wagner.

Die Motivation der Kinder und Jugendliche, andere zu mobben, ist sehr unterschiedlich. „Ein ganz banaler Grund ist Langeweile“, weiß Frau Wagner aus Erfahrung zu referieren. „Dann fangen sehr viele erstmal einen Streit an und daraus entwickelt sich das weitere Geschehen. Denn Mobbing ist ein längerer Prozess.“ Aber auch Spaß ist ein neben dem Empfinden, mobben sei normal, ein häufiger Grund.

Welche Anlässe gibt es für Mobbing?

Warum es dann innerhalb der Klassen zum Mobbing kommt, liegt laut Frau Wagner daran, „dass das Klassenklima nicht gut ist, dass es Veränderungen in Klassengemeinschaften gibt, beispielsweise neue Klassenlehrer oder viele neue Kinder hinzukommen ...“ Aber auch interkulturelle Konflikte können zum Anlass werden sowie Neid und auseinandergehende Freundschaften.

Wenn es zu Hänseleien kommt, zeigen die jugendlichen Opfer daraufhin meist Reaktionen, die sich um Begriffe wie „scheiße, doof“ drehen. Doch es kommen auch Antworten wie „Ich bin einsam, nicht richtig, hässlich.“ Darüber hinaus spielt auf Seiten der Opfer ebenso Wut und Aggression eine Rolle.

„Die unfassbare Dimension des Cyber-Mobbing unterschätzt man. Es verbreitet sich rasend schnell. Das kenne ich aus vielen Berichten, dass es nicht nur in der Schule bekannt ist, sondern in der ganzen Stadt das Gerücht kursiert. Was bei den Opfern Verzweiflung und ein Gefühl von Hilflosigkeit auslöst, denn diese Ausbreitung ist äußerst schlecht einzudämmen“, konstatiert Catrin Wagner. Beim Cyber-Mobbing werden auf eine schamlosere Weise die Opfer verletzt, da sich die Täter hinter ihrem Computer sicher fühlen.

„Mach es öffentlich!“

Meist wissen Mobbing-Opfer gar nicht, an wen sie sich wenden sollen/ können. Als Ansprechperson eignet sich jeder, dem das Opfer vertraut, sei es ein Elternteil, Vertrauenslehrer, Geschwister, Freunde … Doch gerade die Eltern sollten informiert werden. Dazu rät Frau Wagner: „Was ganz wichtig ist, da Mobbing ein Gruppenprozess ist, ist der Kontakt und das Gespräch. Die Betroffenen müssen unterstützt werden, sich zu öffnen und darüber zu sprechen. Für Mobbing-Opfer ist es wichtig, jemanden zu finden, dem sie sich anvertrauen können, weil sich sonst ihr Leidensdruck aufstaut.“ Mitwisser sollten sich daher immer zum Geschehen in der Klasse äußern, denn das Thematisieren der Situation ist enorm wichtig, um dem Mobbing Einhalt zu gebieten. „Das ist ein Stückweit Zivilcourage“, sagt die Anti-Gewalt-Trainerin weiterhin.

Erste Maßnahmen gegen den Mobbing-Strudel sind Beweise zu sichern. Beispielweise könnt ihr als Opfer Screenshots von den entsprechenden Internetseiten machen. Darüber hinaus solltet ihr dem Betreiber der Seite melden, dass sich Inhalte darauf befinden, die dort nichts zu suchen haben. „Eltern sollten zudem die Internetnutzung ihrer Kinder stärker kontrollieren oder zumindest Interesse dafür zeigen. Die Aufklärung in der Schule sollte dies sinnvoll ergänzen“, fordert Catrin Wagner.

Im Rahmen eines Live-Chats nach der Ausstrahlung des Films „Homevideo“ können Betroffene, interessierte Eltern und Jugendliche sich an Catrin Wagner mit ihren Fragen und Problemen wenden.

How I met your mother - HIMYM - Wer ist die Mutter?
Flocke16|
Welche Filme sollte ich sehen?
smeagol|
Super radiosendung gefunden, richtig geil!
camembert|
Ich war im Kino und plötzlich kam ein Film!
Salome|

UNICUM Newsletter

Hier die UNICUM Newsletter bestellen ! (Link)