Parties, Kitsch und inhaftierte Eltern - So läuft das Abi im Ausland - Teil 2

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Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Ihr habt eure Abi-Prüfungen endlich hinter euch gebracht? Dann kann’s ja losgehen – Abi-Scherz, Abi-Feier, Abi-Ball und dann wartet die weite Welt mit neuen Möglichkeiten und Erfahrungen auf euch. Aber wie feiern eigentlich Schüler in anderen Ländern, wenn sie ihren Schulabschluss in der Tasche haben?

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China: Doping und Gefängnisstrafen für bessere Noten
Während die Russen sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen, entwickeln chinesische Schüler allein bei dem Gedanken an schlechte Noten Angstzustände. Sie legen am Ende ihrer Schullaufbahn eine Aufnahmeprüfung für die Universität ab, das allseits gefürchtete Gao Kao.
Zwölf Jahre Schule, lernen und arbeiten sind allein auf diese Prüfung ausgerichtet. Denn mit dem Ergebnis des Gao Kao beantworten sich viele zentrale Fragen im Leben der Schüler: Kann ich eine Uni besuchen und wenn ja, welche? Welche Fächer kann ich studieren? Welche Berufsfelder kommen für mich infrage? Und kann ich damit eine Familie ernähren und mich um meine Eltern sorgen?

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Ganz schön viel Druck für einen jungen Menschen. Kein Wunder, dass viele Schüler und Schulen zu ungewöhnlichen Mitteln greifen, um die Nervosität vor der Prüfung in den Griff zu bekommen. In der zentralchinesischen Provinz Hubei werden den Schülern beispielsweise intravenös Aminosäuren verabreicht, wie die chinesische Zeitung China Daily erst vor wenigen Wochen berichtete. Die Schüler sollen sich dadurch besser konzentrieren und länger lernen können.
Es darf allerdings bezweifelt werden, ob der erwünschte Effekt tatsächlich eintritt. Zwar berichtet eine Schülerin der Zeitung, sie fühle sich durch die Behandlung beruhigt und könne danach leichter weiterlernen. Einige Ärzte zeigen sich aber skeptisch. Sie halten derartige Infusionen „generell für unklug“ und raten Schülern, stattdessen auf eine ausgewogene Ernährung und genügend Schlaf zu setzen.

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Ähnlich fragwürdige Methoden lassen sich auch viele Eltern einfallen, um ihren Kindern zu guten Noten zu verhelfen. Die chinesische Regierung fährt daher schwere Geschütze auf, um Betrugsversuche zu erschweren und Schummler aufzuspüren. Die Examensaufgaben werden in einem Tresor verschlossen und von bewaffneten Wachleuten behütet. Sie gelten nämlich als Staatsgeheimnis der Kategorie „top secret“, berichtete die britische Tageszeitung „The Guardian“. Wer trotzdem versucht, sich die Fragen zu beschaffen, macht sich der illegalen Beschaffung von Staatsgeheimnissen schuldig, hieß es im „Guardian“ und Spiegel im Jahr 2009.
Damals hatten einige Eltern ihren Kindern beim Schummeln geholfen. Statt herkömmliche Spickzettel zu schreiben, entwickelten sie ausgefeilte Hightech-Systeme. Ein Vater stattete einen Schulkameraden seines Sohnes mit einem Miniatur-Scanner aus. Damit sollte der Schüler die Prüfungsaufgaben an den Vater schicken, der mehrere Lehrer mit der Lösung der Aufgaben beauftragte. Anschließend funkte der Vater seinem Sohn und dem Schulkameraden die Ergebnisse zu.
Andere Eltern hatten ihre Kinder mit winzigen In-Ear-Kopfhörern versorgt. Sie bestachen Lehrer, um an die Prüfungsaufgaben zu kommen und ließen diese von Studenten lösen. Die Antworten flüsterten sie ihren Kindern danach ins Ohr. Doch laut dem „Guardian“ wurde die Polizei auf die „ungewöhnlichen Funksignale“ aufmerksam. Die Betrüger flogen auf und fanden sich prompt auf der Anklagebank wieder. Gegen die betrügerischen Eltern wurden Haftstrafen von bis zu drei Jahren verhängt. Wie es den betroffenen Schülern ergangen ist, wurde nicht übermittelt.
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