Hollywood-Ingenieure im Charaktertest
Fotos: Universal Pictures, Getty Images, Paramount Pictures, Concorde Home Entertainment, Sony Pictures Home Entertainment, JD Hancock, Flickr, CBS
Verrückte Wissenschaftler, geniale Tüftler oder technikversessene Bösewichte: Ingenieure kamen in der Film- und Fernsehgeschichte stets als Exzentriker daher. UNICUM macht die Probe aufs Exempel. Wären Scotty, MacGyver und Co denn im echten Leben überhaupt an Unternehmen zu vergeben? Wären sie Vorbilder für angehende Ingenieur- oder Naturwissenschaftler? Unsere Steckbrief-Galerie gibt die Antworten!
Alter: 71
Tätigkeit: freiberuflicher Wissenschaftler
Typ: zerstreutes Genie
Ausbildung: unklar, bezeichnet sich als "Schüler aller Wissenschaften"
Soft Skills: denkt divergierend, manchmal aber vergesslich / abwesend
Größte Errungenschaft: "Fluxkompensator", mit dem er einen DeLorean DMC-12 zur Zeitmaschine machte
Schwächen: hat aufgrund seiner Beschaffungskriminalität Ärger mit lybischen Terroristen
Wäre im wahren Leben: Bei Umweltschützern verpönt! Sein Fluxkompensator schluckt mit 1,2 Gigawatt die Nennleistung eines Atomkraftwerks. In Zeiten der Energiewende ein Unding. Kein Unternehmen, das auf Corporate Social Responsibility Wert legt, würde den "Doc" einstellen.
Alter: unterschiedlich, bis zu 85
Tätigkeit: Quartiermeister der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des britischen Geheimdienstes MI6
Typ: Daniel Düsentrieb
Ausbildung: unklar
Soft Skills: kreativ, vertrauenswürdig, britischer Humor
Größte Errungenschaft: Unterwasser-Auto (aus Der Spion, der mich liebte)
Schwächen: Oberlehrer-Attitüde, kann sich außerdem schwer von seinen Gadgets trennen
Wäre im wahren Leben: Leiter eines innovationsgetriebenen Unternehmens, das ständig neue Kondratieff-Zyklen startet. Siehe frühe Bond-Filme: Autotelefon, Pager, GPS. Damals revolutionär, heute Alltag.
Alter: 43
Tätigkeit: Chefingenieur des Raumschiffs "Enterprise"
Typ: kompetenter Schrauber
Ausbildung: diente der Sternenflotte in jungen Jahren auf einem entlegenen Außenposten und schrieb eine Doktorarbeit über die Veredelung von Dilithium-Kristallen durch negative Zentrifugation
Soft Skills: ist die Ruhe in Person und kann bei dringenden Reparaturen an der Enterprise stets die unrealistischen Zeitvorgaben von Captain Kirk unterbieten
Größte Errungenschaft: entwickelte auf Basis theoretischer Überlegungen von Spock das Beamen
Schwächen: So gut wie keine. Vielleicht zu nachsichtig gegenüber Chef-Allüren. Hat außerdem eigentlich nur vier Finger (Schauspieler James Doohan fehlte tatsächlich der rechte Mittelfinger, den er im Zweiten Weltkrieg verlor. Mit geschickter Kameraführung oder Handdoubles wurde dies aber fast immer kaschiert).
Wäre im wahren Leben: Ein interessantes Vorbild, etwa typischer technischer Betriebsleiter mit Hang zum Pragmatismus. Übrigens: Wissenschaftler konnten bereits einzelne Atome "beamen". Um aber atomare Bindungen von Dingen oder Menschen zu lösen, müsste eine Erhitzung auf ca. 1 Milliarde K erfolgen. Das wäre ungesund.
Alter: 38
Tätigkeit: CEO von Stark Industries
Typ: Self-Made-Genie
Ausbildung: studierte Elektrotechnik am MIT, zwei Master-Titel
Soft Skills: Eloquenz, Selbstdisziplin und -vertrauen, analytisches Denken
Größte Errungenschaft: "Iron Man Armor MK III" (erster rot-gelber Kampfanzug)
Schwächen: Exzentriker, Lebemann, nah an narzisstischer Persönlichkeitsstörung, reagiert allergisch auf Kritik
Wäre im wahren Leben: Leiter einer Rüstungsfirma. Würde Streitkräfte beliefern (natürlich nur die Guten) und reich werden. Erfolgreiches Entrepreneurship, kombiniert mit Rampensau-Attitüde, gäben der Boulevard-Presse Futter. Sein Schaffen würde dabei allerdings verklärt werden.
Alter: 26
Tätigkeit: Raumfahrtingenieur am California Institute of Technology
Typ: Nerd
Ausbildung: Master in Ingenieurwissenschaft am MIT
Soft Skills: miese Anmachsprüche und Zaubertricks
Größte Errungenschaft: "Wolowitz'sche Schwerelosigkeit-Notdurftentsorgungssystem" (Weltraumklo für die ISS)
Schwächen: Erdnussallergie, Comic- und Videospielsucht, hat keinen Doktortitel
Wäre im wahren Leben: Genau das, was er in der Fernsehserie. Vielleicht kein Role-Model, dennoch recht realistisch. Hat viel auf dem Kasten, aber ein Problem mit Frauen. Typischer Ingenieur also (haha)... Würde in der Echtwelt eher die Fach- als Führungslaufbahn einschlagen, und wahrscheinlich scheitern.
Alter: 35
Tätigkeit: Angestellter der "Phoenix Foundation" (Forschungsorganisation und privater Sicherheitsdienst)
Typ: Pfiffikus
Ausbildung: Physikstudium und Agent der Special Forces
Soft Skills: Empathie, Organisationstalent, Sprachgenie (Deutsch, Russisch, Gebärdensprache und und und)
Größte Errungenschaft: selbstgebauter Laser aus: kristallbestückten Stangen, Rubin, goldenem Ball, Schlüssel und Sonnenlicht
Schwächen: glaubt unablässig an das gute im Menschen
Wäre im wahren Leben: Wohl eher Soziologe und Kandidat auf die Nachfolge Niklas Luhmanns, denn: Niemand beweist durch die Kombination physikalischen Wissens und handwerklicher Begabung, dass Reduktion von Komplexität eine feine Lösung für jede Art von Problemen ist. Alternativjob: Moderator bei den Mythbusters.
Alter: Unbekannt
Tätigkeit: freiberuflicher Bösewicht mit purer Lust am Schabernack
Typ: Superschurke
Ausbildung: Autodidakt seit Kindestagen - wollte schon als kleiner Junge in den Weltraum und malte und bastelte Raketen
Soft Skills: harte Schale, aber gar nicht mal so tief drinnen ein Herz, weich wie Pudding
Größte Errungenschaft: Diebstahl des Mondes mit Hilfe eines von Erzfeind Vector gemopsten Schrumpfstrahlers
Schwächen: Mutterkomplex (will, dass Mama einmal im Leben stolz auf ihn ist)
Wäre im wahren Leben: Überhaupt irgendeine Art Ingenieur? Ist eher User als Erfinder, betreibt keine eigene Grundlagenforschung und legt selbst kaum Hand an. Lässt seine Handlanger - Dr. Nefario und die putzigen Minions - alle Arbeit machen. In Unternehmen mit ausreichend Ja-Sagern in subalternen Positionen könnte Gru sich eine Weile an der Spitze halten. Aber nur bis die zweite Ebene revoltiert und einen Betriebsrat gründet.
Alter: 50
Tätigkeit: selbstständiger Atom-Physiker
Typ: erst Weltverbesserer, dann Mad Scientist
Ausbildung: Doktor der Nuklearphysik und Biochemie
Soft Skills: Durchsetzungsvermögen und analytisches Denken
Größte Errungenschaft: Entwicklung neurosensitiver Tentakel
Schwächen: Größenwahn, Machtbessenheit, aber wenn die Tentakel erstmal weg sind, ein Mensch wie jeder andere
Wäre im wahren Leben: Bei Einnahme entsprechender Psychopharmaka ein ebenso begnadeter wie charmanter Wissenschaftler. Könnte es in einem auf Exzellenz gegründeten Unternehmen bis ganz nach oben schaffen.
Alter: 170
Tätigkeit: CEO des Lieferdienstes "Planet Express" und Professor an der Mars University
Typ: Mad Scientist
Ausbildung: machte 14 Jahre lang den Master und habilitierte mit 59
Soft Skills: neugierig und kreativ
Größte Errungenschaft: Schwarze-Energie-Antrieb - bewegt nicht das Raumschiff, sondern den Raum drumherum
Schwächen: senil, verwirrt, amoralisch, kaltblütig, verheizt Angestellte mit den Worten "good news, everyone"
Wäre im wahren Leben: Am Kernforschungszentrum CERN beschäftigt, alles andere wäre nicht urgewaltig genug. Schließlich stand die Welt durch seine Erfindungen schon öfters am Rande des Untergangs. Auch der Large Hadron Colider am CERN sollte nach Lesart der Physik-Auguren die Welt bei Inbetriebnahme in ein schwarzes Loch stürzen. Steht aber noch alles. Bis Farnsworth käme.

















