Max Prosa: „Castingshows haben nichts mit Musik zu tun“

Der junge Berliner Musiker im Interview

von Anna Lenja Hartfiel
Max Prosa
Foto: Sony

Max Prosa hat schon mit sechs Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Jetzt, mit 22, hat er sein erstes Album rausgebracht und tourt gerade quer durch Deutschland. Mit UNICUM sprach der Berliner Lockenkopf über seinen Werdegang und erklärte, warum Castingshows auch ihre guten Seiten haben.

Max, du selbst hast schon mit 17 Abi gemacht. Mit dem Turbo-Abi wird das jetzt ja in fast allen Bundesländern normal. Was hältst du davon?

Ich finde, dass man sich da nicht so einen Stress machen und sich ruhig Zeit lassen sollte. Mit 17 ist man einfach noch quirliger als mit 18 und soll dann diese Entscheidung treffen, was man die nächsten 60 Jahre inseinem Leben macht. Ich würde mir wünschen, dass dieses ganze Schulsystem einen länger begleitet. Wenn man an die Unikommt, ist das alles so selbstbestimmt und man wird so ins kalte Wasser geworfen. Ich weiß nicht, ob man dafür in dem Alter wirklich schon bereit ist. Ich war es zumindest nicht.

Vor dem Schritt ins Musikerleben hast du dann erst ein Studium angefangen. Wieso dieser Umweg? 

Nachdem ich mit 17 die Schule fertig gemacht habe, musste ich gucken, wie es weitergeht. Deshalb habe ich schnell angefangen, zu studieren. Das, worin ich in der Schule am besten war - also Physik. Da war aber trotzdem noch etwas in mir, das sich irgendwie dagegen gewehrt hat - dieses Künstlerische, das immer wollte, dass ich ihm mehr Zeit widme. Daraus habe ich dann die Konsequenz gezogen, das Studium abgebrochen und bin dann von Charlottenburg nach Neukölln in eine WG mit zwei Künstlern gezogen. An denen konnte ich mich so ein bisschen orientieren, wie dieser Lebensentwurf "Künstler" überhaupt aussieht, und habe ich mich dann dazu entschieden, das von morgens bis abends zu machen.

Du hast Physik studiert? Bei dir würde man ja eher was Geisteswissenschaftliches erwarten.

 Das stimmt, aber im Prinzip haben Musik und Physik auch viel gemeinsam. Es hat beides viel mit Strukturen zu tun. Musik und Lyrik sind zwar viel impulsiver und gefühlsbetonter und Physik eher abstrakt, aber man kann da durchaus Parallelen sehen.

Du hast vor kurzem dein erstes Album"Die Phantasie wird siegen" herausgebracht. Die Songs auf dem Album sind alle sehr sehnsüchtig. Was ist da deine Inspiration?

Sehnsucht ist ein total wichtiges Thema für mich und zieht sich deshalb auch durchs ganze Album. Jegliche Kunst ist durchtränkt von Sehnsucht. Sei es Literatur oder auch Musik - davon kann man sich natürlich inspirieren lassen. Ich lese viel und schreibe mir Sätze heraus, die mich interessieren. Die benutze ich dann oft als Startpunkt für ein Gedicht oder ein Lied.

Was hast du zuletzt gelesen? 

"Reise ans Ende der Nacht" von Louis-Ferdinand Céline. Ein tolles Buch!

Du singst auf Deutsch. Deutsche Singer-Songwriter sind ja allgemein gerade extrem gefragt. Ist das vielleicht so eine Art Gegenbewegung zu den ganzen Castingshows, die momentan im TV zu sehen sind?

Im Prinzip haben Castingshows ja nichts mit Musik zu tun. Das ist ja eigentlich Sadismus. Dieter Bohlen macht da kleine Mädchen fertig, und die Leute sehen das gerne. Kann schon sein, dass deshalb so eine Gegenbewegung entsteht, weil man hinter diesem ganzen Fake was Echtes sucht. Und dass deshalb dann so ein Bedürfnis wächst, Texte zu hören, die wirklich von jemandem kommen,statt nur DSDS-Gewinner XY mit der Ballade "I love you blabla". Damit tun die uns dann unterschwellig einen Gefallen, die ganzen Atzen (lacht).

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