UNICUM trifft: Johannes Strate
Nachsitzen mit dem "Revolverheld"-Sänger
- Foto: Michael Bahlo
Johannes Strate sitzt in einer leeren Schulklasse. Wie es kommt, dass der 32-jährige Sänger 13 Jahre nach seinem Abitur wieder in seiner Klasse sitzt? Für UNICUM ABI besuchte der „Schule des Jahres“-Promipate seine alte Schule und nahm uns mit auf eine Reise durch seine Schulvergangenheit.
- Johannes vor dem Schul-Kiosk | Foto: Michael Bahlo
Osterholz-Scharmbeck liegt etwa eine halbe Autostunde nördlich von Bremen. Aus nur einem Bahngleis besteht der Bahnhof, der für Johannes Strate heute zum Tor zu seiner Vergangenheit wird. Zu Schulzeiten reiste der Gymnasiast aus dem 14 km entfernten Worpswede noch per Schulbus an oder trampte. Auf der Fahrt zum „Gymnasium Osterholz-Scharmbeck“ klebt Johannes an der Fensterscheibe des Beifahrersitzes und die Erinnerungen sprudeln nur so aus ihm heraus. „Da war damals unser Bandproberaum. Oh, das Gebäude gibt’s gar nicht mehr.“
Ein weiteres unvergessenes Gebäude, unmittelbar neben seiner ehemaligen Schule, steht aber noch und zieht den Revolverhelden magisch an. „Zum Pausenbrot“ schreibt der wellige, königsblaue Plastikschriftzug auf der schaufenstergroßen Scheibe. Adrett gezogene kurze, aber vergilbte Häkelvorhänge sind Zeitzeugen von dem, was sich einst hier abspielte. Jeden Mittag besuchten Johannes und seine Freunde den Imbiss. „Hier haben wir immer geraucht – was ich mir Gott sei Dank abgewöhnt habe – und haben Frikadellenbrötchen und nach Rauch schmeckende Süßigkeiten verputzt“ sagt er und begutachtet dabei das altbackene Inventar. „Sieht genauso aus wie früher.“
Im Schulgebäude tummelt sich ein Dutzend etwa 17-Jähriger. „Ist er das?“ hört man, ganz, ganz leise. Johannes geht voraus, steuert zielstrebig ein Fleckchen in der Aula an, das für ihn einmal die Welt bedeuten sollte: die Bühne. Das ist nicht irgendeine Bühne, das ist die Bühne, auf der der Sänger seinen allerersten Auftritt hatte. „Kennt ihr das, wenn man an einer Stelle steht, an der man mal einen sehr emotionalen Moment hatte, und wieder nervös wird? Das habe ich jetzt gerade“, sagt er und streichelt den lädierten Vorhang. „Das ist immer noch der Vorhang, den zwei Leute beim ersten Schlagzeugtakt aufgezogen haben!“
- Johannes und sein ehemaliger Lehrer Herr Arndt | Foto: Michael Bahlo
14 Jahre alt war Johannes, als er gemeinsam mit Mitschülern seine erste Band gründete und die Schule zum Pogen brachte. Am guten Musikunterricht lag’s nicht. „Der Musikunterricht an meiner Schule war nicht so toll. Ich hab mich für Kunst entschieden, da hatten wir einen super Lehrer, Herrn Wormeck.“ Die ersten Bandauftritte in der Aula sollten auch aus anderen Gründen für Johannes enorm wichtig werden. Durch die Musik wurde er beliebt. „Ich bin in der achten Klasse ganz es gemobbt worden. Ich war der Kleinste und kam in eine Klasse ohne Freunde. Das war eins der schlimmsten Jahre meines Lebens. Deshalb bin ich jetzt auch immer gerne dabei, wenn es Aktionen gegen Mobbing an Schulen gibt.“ Dann wendete sich das Blatt. Bis zum offiziellen Jahrgangsschwarm schaffte er es. „In unserem Abibuch bin ich als ‚Mr. Sexy des Jahres‘ verewigt“ sagt er zögerlich und dreht sich lächelnd ab.
Danach wird das Lehrerzimmer gestürmt, doch es findet sich keiner von Johannes‘ ehemaligen Lehrern. Erst in der Turnhalle stößt Johannes auf einen seiner Lehrer. Herr Arndt leitet gerade die Badminton-AG, als sein früherer Volleyball-Schüler an die Tür von der Turnhalle klopft. Der Biologie- und Sportlehrer braucht kurz, bis er Johannes erkennt. Die Mädels aus der AG nicht. Sie zupfen an ihren Hotpants und lassen die Federbälle links liegen, während ihr Lehrer mit dem hübschen Sänger über alte Zeiten schnackt.
Der Parkplatz hinter der Sporthalle ist fast leer. Hier endete zu Abizeiten der Schultag von Johannes Strate, denn hier wartete sein Golf II. Da sein Golf heute nicht mehr wartet, muss schließlich ein Traditions-Chauffeur ran. Johannes Strate packt sein iPhone aus, wählt und sagt: „Hi Vaddi, kannst du mich gleich bei meiner alten Schule abholen?“
Und noch mehr Anekdorten aus Johannes' Schulzeit
- „Mein Abi war absolutes Mittelfeld: 2,9.“
- „Meine LKs waren Französisch und Politik. P3 war Deutsch und mündlich Mathe.“
- „Ich hab zwar mal im Interview gesagt, jeder sollte mal eine Sechs geschrieben haben, meine schlechteste Note war aber eine Fünf in Chemie.“
- „Unser Abimotto lautete ‚Abi 99 – und ein Punkt zu wenig‘.“
- „Die Abifahrt ging in die Einsamkeit nach Dänemark. Sechs Häuser mit Pool, Sauna und Bier.“
- „Ich hab mit fast niemandem aus der Schule heute noch Kontakt. Ich bin aber Taufpate des erstgeborenen Sohns meines Mitschülers Nico.“
- „Ich glaube, jeder Schüler findet mal eine Lehrerin heiß. Ich fand meine Französischlehrerin Frau Jansen-Pietsch gut. Die war elegant, streng und trotzdem cool.“
- „Ein paar Jahre lang habe ich Volleyball gespielt und auch an ‚Jugend trainiert für Olympia‘ teilgenommen. Leider haben wir es nie nach Berlin geschafft. Ich war extrem ehrgeizig.“
Zwei Fragen zu Johannes' Album "Die Zeichen stehen auf Sturm"
UNICUM: Als das Album rauskam, hast du gesagt, ein Soloalbum sei wie eine Therapie. Hat die funktioniert?
Johannes Strate: Man setzt sich bei einer eigenen Platte mit persönlichen Texten sehr intensiv mit den eigenen Sachen auseinander und erfährt dabei auch mehr über sich. Das war tatsächlich ein sehr therapeutischer Prozess.
Machst du es nochmal?
Erst einmal wird es wahrscheinlich eine weitere Revolverheld-Bandplatte geben. Wir setzen uns bald dafür zusammen. Aber danach möchte ich auf jeden Fall noch mal ein Soloalbum machen.
Die Zeichen Stehen Auf Sturm Tour 2012
29.04.2012 Kiel Orange Club
30.04.2012 Worpswede Music Hall
02.05.2012 Münster Sputnick
03.05.2012 Wilhelmshaven Pumpwerk
04.05.2012 Hannover Musikzentrum
05.05.2012 Lüneburg Vamos
08.05.2012 Krefeld KuFa
09.05.2012 Aschaffenburg Colos Saal
10.05.2012 Mannheim Alte Seilerei
12.05.2012 Wiesau Tüte
16.05.2012 Fulda Kreuz
17.05.2012 Friedrichshafen Bahnhof Fischach
18.05.2012 Karlsruhe Jubez
19.05.2012 Tübingen Sudhaus
Schule des Jahres 2012
UNICUM ABI dreht den Spieß um: Nicht ihr als Schüler bekommt gute oder schlechte Noten, sondern ihr könnt – noch bis zum 30. April 2012 – eure Schule bewerten.
Darauf können sich die Siegerschulen 2012 freuen: Johannes Strate (Revolverheld) singt für euch, Comedian Fabian Hintzen bespaßt euch, Wortkunst gibt’s mit dem ehemaligen deutschen Poetry Slam Meister Patrick Salmen, René Wegner zeigt euch den Trendsport HEADIS und Prof. Holger macht mit euch eine Stunde Sciencetainment!
Macht mit auf www.schuledesjahres.de!










