Vollständige Version anzeigen : Leon de Winter: "Hoffmanns Hunger" - Die Diskussion ist eröffnet!
Thomas Bernhard
08-12-2004, 08:38
Hallo Buchforumsnutzer und Buchlesekreisteilnehmer!
Dies ist der, ein Thread, in dem über das Werk von Leon de Winter, nämlich "Hoffmanns Hunger" diskutiert wird. Dieses Buch wurde vor ca 4 Wochen durch Abstimmung ermittelt und bis dato hatten hoffentlich viele die Möglichkeit, es zu lesen. Bitte keine Kommentare zu dem Buch von Leuten, die selbiges gar nicht gelesen haben!
Zu Beginn möchte ich vorschlagen, das jeder Leser, der seinen Senf zu "Hoffmanns Hunger" loswerden will, zuerst eine (mehr oder weniger, wie beliebt) komplette Besprechung (die deswegen nicht irgendiwe beosnders lang sein muß) hier hereinstellt, bevor dann gleitend die offene Diskussion zu bestimmten Aspekten beginnen kann.
Auf lebhafte Debatten freut sich:
Seite 65: Wann passiert endlich was
Seite 130: Es passiert immer noch nix.
... 2 Wochen Lesepause ...
Seite 365: Es ist eigentlich nix passiert.
Sprache:
In dem Buch kamen tatsächlich ein paar ganz interessante Sätze vor; aber die waren alle von Spinoza. :p
Das kann nicht alles einer schlechten Übersetzung geschuldet sein. Dafür sind sich Deutsch und Nederlands zu ähnlich. ;)
Figuren:
Kaum 10 % der Worte sind den Ereignissen gewidmet. Die Figuren nehmen hingegen den weitaus größten Raum ein. Da sollte man doch erwarten, dass ein Schriftsteller, der seinen Figuren so viel Platz einräumt, ihnen auch einen ähnlich hohen Anteil an Aufmerksamkeit und Liebe schenkt. Wir finden aber keines jener liebevollen Worte mit denen zum Beispiel Karl May seine oft schrulligen Figuren wie Halef Omar, Edeward Franke oder Jakob Pfefferkorn beschreibt.
Stattdessen entdecken wir einen Mangel an Präzision. Ein Sauberkeitsfanatiker raucht nicht, und ein Mensch der länger als 14 Tage ohne anständigen Schlaf auskommen muss, ist nicht mehr in der Lage, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen.
So schleppen sich die Seiten dahin, auf denen wir ständig mit kaputten Typen konfrontiert werden, bei denen wir uns im Verlauf des ganzen Romans nicht entscheiden können, ob wir sie bemitleiden oder verachten sollen; nach 200 Seiten kotzen sie einen nur noch an. :kotz:
Die Frauen sind zwar an Allem Schuld, aber sie bleiben im Hintergrund und kommen nicht über das Stadium einer Ehefrau, Geliebten oder Schlampe hinaus.
Die wesentlichen Elemente, Mitleid und Furcht, wollen sich einfach nicht einstellen; die Reinigung bleibt auf der Strecke. :confused:
Handlung: :confused:
Es findet keine statt. Alles verläuft irgendwie im Sande. Selbst die umständlich beschriebenen Personen bringen zu keiner Zeit eine Handlung in irgendeiner Weise voran. Alles bleibt im Ansatz stecken. Nichts hat irgendwelche Konsequenzen. Zusammenhänge wirken ehr an den Haaren herbeigezogen als vom Schriftsteller konstruiert. Am Ende löst sich Alles irgendwie in Wohlgefallen auf.
Orte:
Leon de Winter hat vom Prag des Jahres 1989 vermutlich weniger Ahnung als ich vom Warschau des Jahres 1988.
Bevor er einen weiteren Roman schreibt, sollte sich Leon de Winter mal "Entscheidung in Berlin" von Leon Uris durchlesen, und sich eine breite Scheibe von ihm abschneiden. :(
Sonstiges:
Leon de Winter lässt Hoffman Dinge über die Deutschen sagen bzw. beschreibt sie mit Worten, die vielleicht geeignet sind, den Absatz des Buches in den Niederlanden zu fördern; ich hätte mich jedoch geweigert, dieses Buch ins Deutsche zu übersetzen.
Fazit:
Dieses war mit weitem Abstand das mieseste Buch, das ich jemals gelesen habe. (und das, beim Großen Gasförmigen, will echt was heißen) Ich bereue zutiefst, dass ich in der Abstimmung dafür gewesen bin. (Asche auf mein in Demut gesenktes Haupt)
Bleibt zum Abschluss nur noch die flehendliche Bitte an den Admin:
Wann bekomme ich endlich meinen kotzenden smiley?
MuReloaded
08-12-2004, 10:21
Hallo Buchforumsnutzer und Buchlesekreisteilnehmer!
Dies ist der, ein Thread, in dem über das Werk von Leon de Winter, nämlich "Hoffmanns Hunger" diskutiert wird. Dieses Buch wurde vor ca 4 Wochen durch Abstimmung ermittelt und bis dato hatten hoffentlich viele die Möglichkeit, es zu lesen. Bitte keine Kommentare zu dem Buch von Leuten, die selbiges gar nicht gelesen haben!
Zu Beginn möchte ich vorschlagen, das jeder Leser, der seinen Senf zu "Hoffmanns Hunger" loswerden will, zuerst eine (mehr oder weniger, wie beliebt) komplette Besprechung (die deswegen nicht irgendiwe beosnders lang sein muß) hier hereinstellt, bevor dann gleitend die offene Diskussion zu bestimmten Aspekten beginnen kann.
Auf lebhafte Debatten freut sich:
Muss mich leider ausklingen, habe das Buch bestellen wollenb, wäre dann erst in einer Woche geliefert. Werde trotzdem mitlesen und mich dann entscheiden es trotzdem noch zu kaufen.. oder nicht. Allerdings habe ich das Glück, dass ich ihn jede Woche in einem magazin lesen kann :) Viel Spass!
Nachtrag@Astir: vielleicht ist es vielbezeichnend, dass von seinen Büchern hier einige (auch ältere) direkt aus dem Regal zu kriegen sind, und dieses Buch mit langer Lieferzeit versehen ist..
rapunzeline
09-12-2004, 00:21
Seite 65: Wann passiert endlich was
Seite 130: Es passiert immer noch nix.
... 2 Wochen Lesepause ...
Seite 365: Es ist eigentlich nix passiert.
Sprache:
In dem Buch kamen tatsächlich ein paar ganz interessante Sätze vor; aber die waren alle von Spinoza. :p
Das kann nicht alles einer schlechten Übersetzung geschuldet sein. Dafür sind sich Deutsch und Nederlands zu ähnlich. ;)
Figuren:
Kaum 10 % der Worte sind den Ereignissen gewidmet. Die Figuren nehmen hingegen den weitaus größten Raum ein. Da sollte man doch erwarten, dass ein Schriftsteller, der seinen Figuren so viel Platz einräumt, ihnen auch einen ähnlich hohen Anteil an Aufmerksamkeit und Liebe schenkt. Wir finden aber keines jener liebevollen Worte mit denen zum Beispiel Karl May seine oft schrulligen Figuren wie Halef Omar, Edeward Franke oder Jakob Pfefferkorn beschreibt.
Stattdessen entdecken wir einen Mangel an Präzision. Ein Sauberkeitsfanatiker raucht nicht, und ein Mensch der länger als 14 Tage ohne anständigen Schlaf auskommen muss, ist nicht mehr in der Lage, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen.
So schleppen sich die Seiten dahin, auf denen wir ständig mit kaputten Typen konfrontiert werden, bei denen wir uns im Verlauf des ganzen Romans nicht entscheiden können, ob wir sie bemitleiden oder verachten sollen; nach 200 Seiten kotzen sie einen nur noch an. :kotz:
Die Frauen sind zwar an Allem Schuld, aber sie bleiben im Hintergrund und kommen nicht über das Stadium einer Ehefrau, Geliebten oder Schlampe hinaus.
Die wesentlichen Elemente, Mitleid und Furcht, wollen sich einfach nicht einstellen; die Reinigung bleibt auf der Strecke. :confused:
Handlung: :confused:
Es findet keine statt. Alles verläuft irgendwie im Sande. Selbst die umständlich beschriebenen Personen bringen zu keiner Zeit eine Handlung in irgendeiner Weise voran. Alles bleibt im Ansatz stecken. Nichts hat irgendwelche Konsequenzen. Zusammenhänge wirken ehr an den Haaren herbeigezogen als vom Schriftsteller konstruiert. Am Ende löst sich Alles irgendwie in Wohlgefallen auf.
Orte:
Leon de Winter hat vom Prag des Jahres 1989 vermutlich weniger Ahnung als ich vom Warschau des Jahres 1988.
Bevor er einen weiteren Roman schreibt, sollte sich Leon de Winter mal "Entscheidung in Berlin" von Leon Uris durchlesen, und sich eine breite Scheibe von ihm abschneiden. :(
Sonstiges:
Leon de Winter lässt Hoffman Dinge über die Deutschen sagen bzw. beschreibt sie mit Worten, die vielleicht geeignet sind, den Absatz des Buches in den Niederlanden zu fördern; ich hätte mich jedoch geweigert, dieses Buch ins Deutsche zu übersetzen.
Fazit:
Dieses war mit weitem Abstand das mieseste Buch, das ich jemals gelesen habe. (und das, beim Großen Gasförmigen, will echt was heißen) Ich bereue zutiefst, dass ich in der Abstimmung dafür gewesen bin. (Asche auf mein in Demut gesenktes Haupt)
Bleibt zum Abschluss nur noch die flehendliche Bitte an den Admin:
Wann bekomme ich endlich meinen kotzenden smiley?
Vermutlich legst Du nach diesem vernichtenden Vortrag auf jeglichen weiteren Kommentar zu diesem Buch keinen gesteigerten Wert!
Vermutlich legst Du nach diesem vernichtenden Vortrag auf jeglichen weiteren Kommentar zu diesem Buch keinen gesteigerten Wert!
DOCH!
Ich will Euch jammern, heulen und mit den Zähnen klappern hören! *fg*
(Außerdem wäre es ja unfair, wenn ich der Einzige bliebe, der durch die Hölle gegangen ist.)
naja hölle isses nich (ganz), aber ich gehe brav noch, ich schlage mich jetzt durch ...
MuReloaded
09-12-2004, 10:17
naja hölle isses nich (ganz), aber ich gehe brav noch, ich schlage mich jetzt durch ...
"ich gehe brav noch".. gegen den Willen?? :) so klingts nämlich :D
S. Anders
15-12-2004, 09:07
"..........................*zikadenzirpen*......... ................."
Da scheint Ihr Euch ja wirklich einen Gassenfeger ausgesucht zu haben. "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muß man (eben) schweigen." Wir haben verstanden.
;)
Sam
Welches Buch besprecht Ihr denn dann jetzt als Nächstes? Vielleicht bin ich diesmal dabei. :)
Welches Buch besprecht Ihr denn dann jetzt als Nächstes? Vielleicht bin ich diesmal dabei. :)
Wir könnten ja mal den Spieß rumdrehen, (nein, ich meine nicht, einen Kompaniefeldwebel um seine Querachse rotieren lassen :D ) und einen Kritiker besprechen. Ranickis Biographie würde ich für den Anfang zwar für übertrieben halten, aber wie wäre es mit Karasek. (Auf der Flucht)
Ja, und dann hätte ich da noch einen münchener Kollegen: Dr. rer.nat. (Physik) Frank Becker: Der Abend des Adlers (Herbig; 22,90 €)
@TB:
Wo bleibt die versprochene Rezension?
MissMarple
17-12-2004, 09:56
Ich möchte auch noch meine Meinung loswerden. Ich habe zwar für ein anderes Buch gestimmt, aber den "Hoffmanns Hunger" immerhin vor ca. eineinhalb Jahren im Urlaub gelesen. Leider kann ich mich nur noch wenig an den Inhalt erinnern. Schon damals kam mir das ganze Buch ziemlich belanglos vor, ich habe es gelesen und fertig und dann auch wieder vergessen. Warum so viele Leute für das Buch gestimmt haben, kann ich nicht ganz verstehen. Wer hat es eigentlich vorgeschlagen? Und: Warum?
momentan starre ich eher vierecke in die luft (ist schwieriger als kreise), anstatt den schluss des buches zu lesen, aber ich wollte mal statementen, dass entweder die übersetzung blöd ist (btw gibt es im niederländischen das wort "südwester"??) oder nuja ... das buch liest sich sehr zusammenrecherchiert, na ein glück kann man nicht die kaffeepausen vom leon rauslesen (obwohl ich an manchens tellen schon böse verdachtsmomente hatte). interessant finde ich die kapitelüberschriften und, dass es keine stupiden ablaufbeschreibungen gibt (er ging um die Ecke, da traf er auf sie und dann gingen beide nen kaffee trinken, hatten daann im hotel sex, erst gleich hinter der tür, dann noch aufm bett, dass es nicht so unbenutzt aussieht und dann nach ner erfrischung aus der schlechtbestückten minibar nochmal im wandschrank und gingen dann nochmal kaffee trinken, aber diesmal nur in der schäbigen hotelbar.) stichwort sex, mir isses ein bißchen zuviel im buch. aber man kann es lesen, es verursacht keine magenkrämpfe und keinen abnormalkonsistenten stuhlgang (haha), ich finde die behandlung der figuren gut, aber ob ich mir ein zweites buch von diesem knilch (er hatte schon wieder ne kolumne in der brigitte ...) antue ist noch schwerstens zu überlegen.
Thomas Bernhard
18-12-2004, 07:50
Nun ja, wo soll ich anfangen? Es beginnt eigentlich recht spannend: Der dicke Freddy Mancini in Prag, der im wahrsten Sinne fleischgewordene Kapitalismus in einer tristen-sozialistischen osteuropäischen Stadt. Er beobachtet durch Zufall ein Entführung und seine manische Fressgier hat durchaus humorvolle Züge. Im zweiten Kapitel jedoch wendet sich de Winter einer anderen Figur, Felix Hoffmann, zu und im Folgenden, den ganzen Rest des Buches weiß man nicht, ob „Hoffmanns Hunger“ ein Spionagethriller oder ein Familien-/Beziehungsmelodram sein soll, so schlingert das Buch einen Zickzackkurs.
Mann erfährt viel über den Hintergrund und die Geschichte der Hauptpersonen: Felix Aaron Hoffmann, Mancini, John Marks. Leider macht de Winter den Fehler, diese Personen (größtenteils jedenfalls) zu beschreiben, anstatt sie handeln zu lassen und damit dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein Bild zu machen, eine Meinung zu bilden. Das führt zu der etwas grotesken Situation, daß einem die Nebenfiguren im ersten Teil des Buches weit vertrauter und glaubwürdiger erscheinen als die Hauptpersonen. Was dabei de Winter m.E. gut gelungen ist, ist darzustellen, daß Menschen de facto keinen wirklich freien Willen haben, sondern innerhalb ihr Verpflichtungen, Ängste, Träume und Sehnsüchte nur einen geringen Spielraum haben. Freddy Mancini und Hoffmann scheitern an ihrer körperlichen Gelüsten (Hoffmann gleich in zwei Aspekten) und John Marks hat sich in eine Art selbstgebautes Gefängnis zurück gezogen. Dieser Marks ist, finde ich, die interessanteste Person in „Hoffmanns Hunger“, wird aber vom Autor recht stiefmütterlich behandelt. Trotz seiner leicht bizarren Schrullen empfinde ich durchaus Mitgefühl und Sympathie für ihn und da beschleicht mich der Gedanke, daß das so vom Verfasser nicht gedacht war. Im Grunde hat er - im Gegensatz zu Mancini und Hoffmann - den Kampf nicht aufgegeben, auch wenn er sich nun in einem lebenslangen Belagerungszustand befindet.
Warum de Winter unbedingt gleich zwei der drei Hauptfiguren mit Essproblemen ausstattet, ist mir ein Rätsel und Zeichen von mangelnder Phantasie.
Die rückblendend erzählte Geschichte der Hoffmann-Zwillinge ist mir persönlich stellenweise zu rührselig, ich fand die Reaktion Hoffmann auf den Pornofilmfund aber durchaus spannend erzählt und nachvollziehbar.
Daß die Frauen in den Gefühlskriegen allesamt zu den Gewinnern zählen, empfinde ich nicht als unglaubwürdig, eher im Gegenteil, aber de Winter lässt den Leser damit allein, es scheint kein tieferer Sinn dahinter zu stecken, scheint Zufall zu sein.
Völlig daneben ist m.E. die Beschäftigung mit Spinoza. Was will uns der Autor mit den recht sperrigen Lehren des holländischen Philosophen sagen? Mühsam versucht de Winter, Bezüge zum Handlungsgeschehen aufzubauen, indes: vergeblich. Möglicherweise reine Angeberei.
Leider hat sich der positive Eindruck, den ich nach der Lektüre von „Nur weg hier“ (ein anderes de Winter-Werk) hatte, nicht fortgesetzt.
Fazit. Ein fahriger Roman, gerade noch akzeptable Unterhaltungsprosa, aber nicht mehr.
Ja, die Probleme der Charaktere ... .
Essprobleme, Verdauungsprobleme, Potenzprobleme, Schlafprobleme ...
Wenn ich ständig von so vielen Problemen lesen muss, bekomme ich Konzentrationsprobleme. :eek:
Nachdem sich also hier niemand vor Begeisterung überschlägt und auch keiner was an der Kritik auszusetzen hat, sollten wir uns schleunigst auf ein neues Buch einigen, bevor der thread vor lauter Einigkeit noch einschläft, und wir Probleme bekommen, ihn zu reanimieren. :rolleyes:
Thomas Bernhard
20-12-2004, 14:41
Mitnichten besteht Einigkeit, mein lieber Astir!
Vor allem deine Irgnoranz der ersten 130 Seiten schreibt zum Himmel. Selbstverständlich passiert da was. Wenn du allerings rückblendend erzählte Geschichte für "nichts" hälst, dann kann ich dir auch nicht helfen! Wenn du keine Handlung erkannt hast, hast du wohl ein anderes Buch gelesen und "im Sande verlaufen" tut da ebenfalls nichts, mir drängt sich eher der schlimme Verdacht auf, du nimmst als Maßstab so Trivial-Knall-Autoren wie Chrichton oder Follet! Zumal Leon Uris "Entscheidung in Berlin" zum allerschlechtester Historienprosa gehört, die ich je lesen mußte. Und:Ich bin zwar von Herr de Winters Werk auch nicht begeistert, aber es mit Karl Mays Westernkitsch zu vergleichen ist doch reichlich unverfroren!
Kann es sein, Astir, das du von der Komplexität von "Hoffmanns Hunger" einfach überfodert warst???
QUOTE=Thomas Bernhard]Mitnichten besteht Einigkeit, mein lieber Astir![/quote] Da bin ich ja beruhigt!
Vor allem deine Irgnoranz der ersten 130 Seiten schreibt zum Himmel.
Na, in erster Linie schreibe ich hier im Forum, und indem ich die ersten 130 Seiten hier verurteile schenke ich ihnen erhebliche Beachtung und ignoriere sie keines Wegs.
Selbstverständlich passiert da was.
Aber nicht genug, um einen durchschnittlich interessierten Leser zum Weiterlesen zu motivieren.
Wenn du allerings rückblendend erzählte Geschichte für "nichts" hälst, dann kann ich dir auch nicht helfen!
Die banalen Rückblenden sind für den Fortgang der eigentlichen Handlung größtenteils irrelevant. Was interessiert es mich und wo ist es wichtig für die Handlung, ob der niederländische Fresssack mal im Suff in Khartoum die Hütte einer Negerhure abgefackelt hat?
Wenn du keine Handlung erkannt hast, hast du wohl ein anderes Buch gelesen
Hätt ich echt machen sollen.
und "im Sande verlaufen" tut da ebenfalls nichts,
So, dann erklär mir doch mal, was aus dem entführten CIA- Agenten geworden ist?
mir drängt sich eher der schlimme Verdacht auf, du nimmst als Maßstab so Trivial-Knall-Autoren wie Chrichton oder Follet!
Ich kann mich zwar auf Anhieb nicht so recht an ein Buch von Follet erinnern, aber wer nur Jurassic Park von Crichton gelesen hat, sollte sich nicht zu vorschnellen Urteilen hinreißen lassen. Sphere – Die Gedanken des Bösen – ist ein mit großer Sorgfalt durchdachtes Werk, das viel tiefer in die seelischen Abgründe der Menschen blickt, als das bei de Winter der Fall ist.
Zumal Leon Uris "Entscheidung in Berlin" zum allerschlechtester Historienprosa gehört, die ich je lesen mußte.
Na, wenn das das Schlechteste war, bist Du reichlich glimpflich davon gekommen.
Und:Ich bin zwar von Herr de Winters Werk auch nicht begeistert, aber es mit Karl Mays Westernkitsch zu vergleichen ist doch reichlich unverfroren!
Du hast Recht, der Vergleich schmeichelt Herrn de Winter maßlos.
Kann es sein, Astir, das du von der Komplexität von "Hoffmanns Hunger" einfach überfodert warst???
Mag sein, großer Meister, aber es ist Dir ja jederzeit möglich mir die vom Kitsch verklebten Augen mit Hilfe Deiner alles überstrahlenden Helligkeit zu öffnen, mich in Deiner schier unendlichen Güte mit all Deiner germanistischen Weißheit zu erleuchten, und im Übrigen eine Rezension abzuliefern, die einer Magisterarbeit würdig wäre.
Nachdem keiner an einer Diskussion des Geposteten interessiert zu sein scheint, und selbst Ihro Heiligkeit Sir Thomas nichts weiter zu "Hoffmans Hunger" zu sagen hat, erkläre ich die Diskussion für beendet und bitte gleichzeitig um Vorschläge für ein neues Buch.
Jetzt, nach Weihnachten, sollte sich doch auf dem einen oder anderen Gabentisch was Gedrucktes befunden haben.
Jetzt, nach Weihnachten, sollte sich doch auf dem einen oder anderen Gabentisch was Gedrucktes befunden haben.
bekomme meine weihnachtsgeschenke zwar erst die nächsten tage, aber ich weiß, dass meine eltern mir von angela krauß "die gesamtliebe und die einzelliebe" schenken werden, das ist die frankfurter poetikvorlesung dieser dame. ich kenne sie schon in ausschnitten ausm radio und von der dame selbst gelesen und weil der thommy bee meint ich würde nur osttulpen vorschlagen, will ich ihn auch diesmal nicht enttäuschen.
ansonsten schlage ich noch ein zu benennendes buch vom herrn hürlimann vor oder mache doch einen ganz anderen vorschlag. da es ja wirklich schwierig ist, eine besprechung im netz/im einem forum durchzuführen, frage ich mich, wie es denn wäre, eine kurze erzählung oder einen gedichtezyklus aus dem gutenbergprojekt ( gutenberg.spiegel.de ) zu ziehen, hier im forum einzustellen und dann darüber zu plauschen. so kann man auch problemlos sachen zitieren.
ansonsten ist gerade auf der aktuellen brigitteausgabe vom herrn von kleist "die marquise von o" drauf (ne brigitte kostet 2,20 eus inkl. ewiglarmoyanter heidenreichkolumne, pullover-mütze-schal-strickanleitungen, einem schicken pailettenkleid auf seite 22 , superleckerklingenden cocktailrezepten und einer probe haarkurcreme)
schönen - abend
jodo
S. Anders
26-12-2004, 13:16
Ich finde, der Buchlesekreis sollte die Gelegenheit, die ihm die SZ mit ihrer preisgünstigen "Bibliothek" bietet, nutzen und eines der vielen (durchweg gut lesbaren) Werke aus dieser Reihe wählen. Einen frostklirren Leon-De-Winter-Einbruch dürftet Ihr hier nicht mehr erleben. Auch sollten 4,90 Euro für ein Hardcover-Buch nun wirklich jedem Interessierten tragbar erscheinen:
Das Programm (http://sz-bibliothek.sueddeutsche.de/sz-bibliothek/?aktion=sz)
Lenichen
26-12-2004, 21:43
Fünf Euro für ein Buch ist natürlich wirklich vertretbar, doch leider ist die Auswahl der Autoren und deren Werke für mich nicht wirklich geglückt, da ich das Meiste schon kennen (ob als Buch oder als Film). Doch bei Umberto Eco fiel mir ein wirklich gutes anderes Buch ein: "Das folkult'sche Pendel". Ich hab es zwar grade erst angefangen zu lesen, aber schon die ersten paar Seiten finde ich recht spannend und wirklich gut geschrieben. Wer aber Physik völlig abstoßend findet, wird nicht über die ersten drei Seiten hinauslesen können...
Thomas Bernhard
27-12-2004, 11:26
Sollten wir die neuen Vorschläge nicht in einem dafür eingerichteten Thread nennen? ...das wäre doch übersichtlicher. Dort kann dann jeder, der einen Vorschlag machen will, dies tun und sogleich begründen, warum wir dieses Buch lesen sollten.
Den Vorschlag von Jodoca, einen kompletten Text hier hereinnzustellen und darüber zu diskutieren, finde ich nicht so gut. Ich habe das hier eben gerade deswegen innitiert, damit man über einen längeren, literarischen Text diskutieren kann, der schwarzweiß gedruckt vor einem liegt. Über komplett reingestellte Texte kann man ja nach wie vor im Prosa-Forum diskutieren.
Herr Samuel Anders schlägt gleich 20 Titel auf einmal vor (willlst du wirklich behaupten die Traumnovelle und vor allem der fahrig-wirr-schlampige Ullysses sei "durchweg gut lesbar"???), also hier würde ich doch um eine Fokussierung auf bestimmte Werke empfehlen.
Ich für meinen Teil habe auch schon über einen eigenen Vorschlag nachgedacht, bin aber nur soweit gekommen, daß es nicht schon wieder ein zeitgenössischer Europäer wie de Winter sein sollte...
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