Unternehmensgründung Studium
Wer ein Unternehmen gründen will, sollte sich bestmöglich vernetzen. | Foto: Thinkstock/m-gucci

Geld & Finanzen

28.08.2014

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Steuererklärung für Studenten

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04. Mär 2015

Barbara Kotzulla

Berufseinstieg

Der Traum vom eigenen Unternehmen: Gründungstipps für Studenten

Von der Idee über das Kapital bis zum Netzwerk

Wie kommt man überhaupt auf eine gute Idee?

UNICUM: Was muss man mitbringen, um erfolgreich ein Unternehmen zu gründen?
Norman Krüger: Die wichtigsten Dinge sind aus meiner Sicht: Leidenschaft für die eigene Geschäftsidee, die Bereitschaft eigene Fehler einzugestehen und den Mut, neue Wege zu gehen. Es ist leicht Wege zu beschreiten, die bereits beschritten worden sind. Es ist schwer, neue Ideen zu entwickeln und echte Chancen zu entdecken, die die Welt bereichern und einen echten, nachhaltigen Mehrwehrt schaffen. Unglücklicherweise bekommt man das notwendige Wissen dafür nur schwer an einer Hochschule vermittelt.

Wie erlangt man dennoch dieses Wissen?
Es ist wichtig, Netzwerke außerhalb der Uni zu bilden und abseits der Uni zu denken. Natürlich ist es notwendig, rechtliche Grundlagen und theoretisches betriebswirtschaftlichen Wissen zu erlangen, aber die Fähigkeit, wie ein Unternehmer zu denken, Chancen zu erkennen, ein Unternehmen aufzubauen und erfolgreich zu leiten, lernt man nur, indem man es tut.

Viele würden gerne, aber was bloß... Wie kommt man auf eine gute Gründer-Idee?
START Berlin e. V.Es ist nicht immer notwendig, eine eigene Idee zu entwickeln. Es gibt viele Menschen, die eine gute Gründungsidee besitzen und einen Partner suchen, mit dem sie diese Idee umsetzten können. Dafür gibt es zahlreiche Angebote und Netzwerke wie die studentische Initiative für Gründung und Unternehmertum START Berlin e.V. Darüber hinaus gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine eigene Idee zu entwickeln. Als einen der besten Ansätze empfinde ich den des Design Thinking: Man entwickelt dabei in kürzester Zeit eine brauchbare Idee, stellt sie so plastisch wie möglich dar und diskutiert sie mit anderen. So ist es möglich, sehr viele Ideen in kurzer Zeit zu entwickeln, sich früh Feedback zu holen und zu entscheiden, ob man eine Idee weiterentwickelt oder sie verwirft. Auch ergeben sich Ideen durch gründungsbezogene Seminare, Gespräche auf Netzwerkveranstaltungen oder einfach durch das eigene Interesse und dem Offenhalten von Augen und Ohren für Problemlösungen.

Was ist überhaupt eine gute Idee?
Eine gute Idee hat den Anspruch, einen wirklichen Mehrwert für seine Kunden schaffen zu wollen und dabei ein bestehendes Problem zu lösen. Je größer das Problem und je einfacher die Lösung dafür, desto besser ist die Idee. Am besten gefällt mir allerdings immer noch der Ausspruch von Albert Einstein: "Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie."

Wie funktioniert erfolgreiches Netzwerken?

Die Idee steht – welche Schritte folgen direkt im Anschluss?
Dann sollte man sich mittels Business Model Canvas, im Idealfall mit der Unterstützung von Freunden und Bekannten, genauer mit der Idee auseinandersetzten.

Moment, Business Model Canvas?
Hierbei werden alle wesentlichen Punkte wie die Beziehung zum Kunden, Schlüsselressourcen und -partnerschaften, Kosten- und Umsatzströme visualisiert, um ein Geschäftsmodel zu entwickeln. Anschließend sollten die getroffenen Hypothesen validiert und gegebenfalls angepasst werden. Wenn die Idee einer intensiven Untersuchung standgehalten hat, kann man sich an die Umsetzung dieser machen. Dabei ist es wichtig, so früh wie möglich mit potentiellen Kunden in Kontakt zu kommen und mit ihnen gemeinsam an der Lösung zu arbeiten.

Kontakte in die Wirtschaft sind also unerlässlich?
Es ist sehr wichtig, langfristige Kontakte aufzubauen. Dabei ist es nicht nur relevant, so früh wie möglich potenzielle Kunden zu identifizieren und kennenzulernen. Netzwerken besteht darin, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, die vor den gleichen Herausforderungen stehen oder standen wie man selbst. Zukünftige Unternehmer stehen vor vielen Aufgaben, die alleine oftmals nur schwer alleine zu bewältigen sind. Statt: "Wie löse ich ein Problem", sollte die erste Frage lauten: "Wer hat dieses Problem schon einmal gelöst und kann mir dabei helfen?" In solchen Momenten ist ein großes Netzwerk eine tolle Unterstützung.

Netzwerken: Das lässt sich immer so schwer greifen... Was braucht es dafür?
Offenheit, Neugier und ein ehrliches Interesse an der Person, mit der man sich unterhält. Es ist wichtig, offen darüber zu kommunizieren, was man aktuell sucht. Nur so ist es möglich, Hilfe zu finden. Die meisten Menschen sind sehr hilfsbereit. Ein erfolgreiches und nachhaltiges Netzwerk besteht aus Menschen, die sowohl Hilfe anbieten, aber selbst auch Unterstützung suchen. Dabei sollte man selbst stets immer mehr Hilfe anbieten als in Anspruch nehmen, nur so kann man darauf bauen, dass einem im Bedarfsfall auch Unterstützung angeboten wird.

Woher kriege ich das Geld für mein Startkapital?

Ein entscheidendes Thema sind auch die Finanzen...
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Studenten, an Geld zu gelangen. Einer der bekanntesten ist das EXIST-Gründerstipendium. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an "Business Angels", die bei der Umsetzung der eigenen Geschäftsidee unterstützen. Ebenso bieten Inkubatoren und Acceleratorprogramme, wie beispielsweise das StartupbootCamp oder Hub:raum (Telekom) nicht nur Geld, sondern stellen parallel ihr Netzwerk zu Verfügung und bieten Know-how an.

Was, wenn ich nur auf der Suche nach Geld bin?
Dann kann man entweder einen Bankkredit aufnehmen oder eine Crowdfunding-Kampagne starten. Letztere Variante bietet im Vergleich zu anderen Finanzierungsmethoden zudem eine hohe Aufmerksamkeit für die eigene Geschäftsidee.

Wird man als junger Gründer von den "alten Hasen" überhaupt ernstgenommen?
Man hat sicherlich zu Beginn etwas mehr Überzeugungsarbeit zu leisten, aber mit professionellem und verbindlichem Auftreten kann man seinem Gegenüber sehr schnell von sich überzeugen. Wichtig ist dabei die Leidenschaft für die Idee und der Willen, diese unbedingt umsetzten zu wollen. Alle Gründer, ob frisch von der Uni oder "alter Hase", müssen jeden Tag die Bereitschaft zeigen, längere und anstrengende Arbeitstage in Kauf zu nehmen und sich großen Herausforderungen, aber auch Chancen zu stellen.

Vollzeit-Student und Unternehmer: geht das?

Kann man studieren – und "nebenbei" gründen?
Ein Unternehmen aufzubauen ist, sofern man es ernsthaft betreibt, sehr zeitintensiv. Aus meiner Erfahrung ist es nicht möglich, ein Unternehmen zu gründen, dass das Ziel verfolgt zu wachsen, Mitarbeiter einzustellen, stetig mehr Umsatz zu generieren und gleichzeitig erfolgreich ein Vollzeit-Präsenzstudium zu absolvieren.

Gibt es da also für Studierende keine Chance, beides zu bewältigen?
Doch. Es ist möglich ein Unternehmen zu gründen, das nur für den reinen Betriebszweck besteht. So wäre es etwa denkbar, einen kleineren Onlinehandel aufzubauen oder eine freischaffende Tätigkeit anzubieten. Dadurch kann man erste Erfahrungen sammeln und fehlende Kompetenzen aufdecken, die während des Studiums dazu gewonnen werden können. Das Studium bietet eine ideale Möglichkeit, sich breites Wissen anzueignen. Dies sollte man so intensiv wie möglich nutzten.

Die junge deutsche Generation gilt ja ohnehin als gründungsfaul.
Ich würde das nicht als gründungsfaul, sondern eher als gründungsscheu bezeichnen. Viele Studenten haben Angst vor einer Unternehmensgründung, da statistisch gesehen, die Chance zu scheitern, sehr hoch ist. Viele schreckt der Arbeitsaufwand ab, ebenso wie die nicht vorhandenen oder nur geringen Geldeinnahmequellen. Die Sorge vor einer unsicheren Zukunft hält viele Gründungswillige dann doch ab, den Schritt in die Selbständigkeit zu gehen. Dem stehen allerdings mannigfaltige staatliche und private Unterstützungsmöglichkeit, die Chance seinen eigenen Wünsche und Ziele zu verwirklichen, stetig neue Erfahrungen und Wissen zu erlangen und nicht zuletzt unbegrenzte Einnahmequellen gegenüber.

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