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15. Aug 2016

Bücher

UNICUM Buchtipp: Cool Aussehen

-ARCHIV-

Von Mode und Jugendkulturen

Kleider machen Jugenkulturen

Fiese Frisuren, modische Randerscheinungen und schräge Outfits aus den 80ern gibt es nicht nur im Familienalbum. Mit dem Band "Cool Aussehen. Mode und Jugendkulturen." könnt ihr euch durch die Nostalgie der modischen Fehltritte blättern, ohne selbst direkt im Boden versinken zu wollen. Denn jeder Trend hat seinen Grund, erklären Herausgeberin Diana Weis und andere Autoren. Ob Punk, Popper oder Palästinensertuch, Mode ist nicht nur Kleidung, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls. Gerade bei den Jugendkulturen geht es dabei um Rebellion und um den Ausdruck der Individualität. Stimmt, da war ja was! möchte man jubeln, ich sah gar nicht behämmert aus, das war alles Attitüde! Zugegeben, nicht jedes gute Stück aus vergangenen Zeiten lässt sich so rechtfertigen. Aber versuchen kann man es ja mal. Und "Cool Aussehen" gibt die passenden Argumente dafür her.

Fußnoten für die Mode

Ein Bildband ist es zwar nicht, aber visuelle Reliquien der letzten Jahrzehnte finden sich auf fast jeder der 240 Seiten. "Cool Aussehen" ist allerdings nicht zum gedankenlosen Anschauen geeignet, dafür ist es zu wissenschaftlich angelegt. Die Autoren, kluge Köpfe der Mode- und Kulturszene, belegen ihre Texte in akademischer Manier mit Fußnoten, auch ihre Sprache ist an einigen Stellen etwas trocken geworden. Gut verständlich bleibt es trotzdem. Insgesamt 24 Beiträge beleuchten dabei verschiedene Trends und Stilrichtungen, die in den letzten Jahrzehnten auf den Straßen der Nation beobachtet werden konnten. Gerade deshalb ist das Buch nicht nur für Poptheoretiker und Jugendforscher interessant, denn bei einem so großen Spektrum findet sich eigentlich jeder irgendwo wieder. Eine gewisse Affinität zur Kultur und zur Mode sollte jedoch schon vorhanden sein – ansonsten könnte es für den Leser langweilig werden.

Hipster haben auch nur abgeschaut

Obendrauf werden Modephänomene erklärt, die sonst nur große Fragezeichen aufgeworfen haben. Zum Beispiel: welchen Zweck erfüllen eigentlich Piercings? Oder: Warum tragen aggressive Menschen oft Bomberjacken? Auch Zusammenhänge bei den Trends werden deutlicher. So erklärt Christian Tjaben, Mitbegründer des Magazins "Style And The Family Tunes", warum Skinheads genauso gerne Fred Perry tragen wie die Britpoper. Und von dünnen Menschen mit sehr engen Jeans weiss Mahret Kupka zu erzählen, die über "Mode und Körperlichkeiten am Beispiel der Skinny-Jeans" promoviert.

Mit Blick auf die momentanen Streetstyles bringt "Cool aussehen" auch ein bisschen Aha-Effekt ein, Stilmischungen und Parallelen geben sich besser zu erkennen. Die Hipster-Hochwasserjeans war schon in den 80ern unter dem Begriff "Prepiness" bekannt, der von Modeblogs bekannte "Hedonismus" wurde auch schon in der DDR gelebt. Wiedererkennungswert auf allen Ebenen also. Insgesamt ein interessantes Werk, das den Bücherregalen von Mode- und Kulturliebhabern hervorragend stehen wird.

 

 

Cool Aussehen. Mode & Jugendkulturen.Diana Weis (Hrgs.)Archiv der Jugenkulturen Verlag KG, 2012Preis: 36,00 €

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