More than Friendship
Studentenfilm
Filmprojekt
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09. Aug 2016

Entertainment

Ein studentisches Filmprojekt der besonderen Art: "More than Friendship"

-ARCHIV-

Zum DVD-Start am 29.11. sprach UNICUM mit Independentfilmer Timmy Ehegötz

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In "More Than Friendship" dreht sich alles um die Dreiecksbeziehung zwischen Mia (Michèle Fichtner), Lukas (Jakob Graf) und Jonas (Holger Foest). Seit frühester Kindheit befreundet, entwickelte sich zwischen ihnen irgendwann Liebe – eine Liebe, die alle Konventionen sprengt und bei anderen für Unverständnis sorgt. Bei ihrem jährlichen Urlaub können sie für kurze Zeit alle gesellschaftlichen Zwänge hinter sich lassen. Doch diesen Sommer wird der Trip von einem nahenden Unheil umschattet: Jonas hat Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium. Die Freunde ahnen: Am Ende ihres Abenteuer wartet der Tod.

"More Than Friendship" ist ein bewegender Film über Freundschaft und Liebe. Authentisch werden die Figuren beleuchtet, einfühlsam wird sich einem schwierigen Thema genähert. Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Timmy Ehegötz nimmt sich viel Zeit für seine Charaktere und ihre Emotionen. Ein bemerkenswertes Drama – vor allem, wenn man bedenkt, dass dieser Film neben dem Studium des Filmemachers entstanden ist ...

Student & Filmemacher Timmy Ehegötz im Interview

UNICUM: "More Than Friendship" ist dein zweites Filmprojekt – dabei hast du keine Ausbildung in diesem Bereich und studierst nichts in diese Richtung. Ein ziemlich aufwendiges Hobby, oder? (lacht) Eigentlich wollte ich früher Regie studieren, aber es ist richtig schwer an einen Studienplatz zu kommen. Ich habe Praktika absolviert und dabei gemerkt, dass es ein ziemlich umkämpftes Geschäft ist. Das war mir dann alles zu riskant – ich wollte lieber etwas Konkretes machen, etwas wo ich mich nicht von einem Job zum nächsten hangeln muss. Deswegen habe ich erst einmal eine Ausbildung zum Medienkaufmann gemacht. Die Leidenschaft für das Filmen war aber immer vorhanden, darum wollte ich einfach probieren, das umzusetzen.

Und wie ist letztendlich dann alles bei dir ins Rollen gekommen?Bei "More Than Friendship" durch den Tod eines guten Freundes. Mit diesem Ereignis wollte ich nach der Verarbeitung, die bei mir stattgefunden hat, nicht einfach abschließen. Das war für mich so ein wichtiges Thema, daran wollte ich andere heranführen. Und dabei habe ich direkt an einen Film gedacht. Andere würden ihre Erfahrungen und Gefühle eventuell eher in Bildern oder durch Texte ausdrücken, für mich war eine audiovisuelle Umsetzung spannender.

Hat dir diese emotionale Nähe bei der Arbeit am Film "geholfen"?Auf jeden Fall! Wenn dieser Tod nicht gewesen wäre, dann hätte ich mir gar keine Gedanken um ein neues Projekt gemacht. Eigentlich habe ich genug mit meinem Studium zu tun. Für mich war das eine schwierige Zeit; so emotional aufreibend, dass ich nicht einfach den Tod als "Erledigt" abhaken konnte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass da mehr passieren muss. "More Than Friendship" ist für ihn ... (überlegt) nicht unbedingt ein Denkmal, aber mir war wichtig, dass sein Tod irgendwie nicht umsonst war.

Kann man sich bei einem studentischen Film eher an schwierige Themen heranwagen?Im Filmgeschäft schielt man stets auf die Zielgruppe und das, was der Mainstream sehen will. Wir wollten uns nicht auf so etwas versteifen. Auch mit der Masse an Stoff wäre ich bei einem normalen Produzenten wohl eher auf taube Ohren gestoßen. Wir haben uns darüber überhaupt keine Gedanken gemacht, weil es für uns nicht wichtig ist, eine bestimmte Summe X wieder einzuspielen. Uns war klar, dass das Geld eventuell komplett verloren sein könnte. Eine feste Zielgruppe ist nicht unbedingt gegeben, oder nur eingeschränkt. Das ist ja das Gute an Studentenprojekten: das man da viel mehr umsetzen kann als in normalen Produktionen.

Auf der einen Seite die Idee, auf der anderen die Finanzen

Du sprichst den finanziellen Aspekt an: Alle Mitwirkenden haben auf eine Bezahlung verzichtet. War es schwer, Leute zu finden, die mitmachen? Gerade bei den jüngeren Schauspielern war es weniger schwer, da diese immer wieder Material, immer wieder Rollen für ihre Demobänder benötigen. Und wie viele Schauspieler gibt es, die sagen können, dass sie eine wirklich große Hauptrolle in einem Spielfilm erhalten haben? Daher war "More Than Friendship" für die drei jungen Darsteller eine Chance und ein Projekt, bei dem sie sich beweisen und auf sich aufmerksam machen konnten. Und Gabrielle Scharnitzky fand ihre Mutterrolle einfach so gut, dass sie mitmachte; für Andreas Külzer war es die erste Vaterrolle, das hat ihn gereizt. Die beiden arbeiten schon lange in der Branche und leisten es sich zwischendurch, Studenten zu helfen.

Was war mit dem Rest der Crew?Was besonders Ton und Kamera anbelangte, war es schon weitaus schwieriger. In diesen Bereichen gibt es generell viel weniger Menschen, die das in Deutschland machen, und die können sich normalerweise nicht leisten, ohne Geld zu arbeiten. Es ging dann nur, weil die Crew-Mitglieder selbst Studenten waren und zu dem Zeitpunkt frei hatten. Wir haben aber darauf geachtet, dass an den Drehtagen keine zusätzlichen Kosten für die Crewmitglieder anfielen. Wenn wir den ganzen Dreh normal bezahlt hätten, dann wäre wir schon auf etwa 100.000 Euro gekommen. Nun konnten wir den Film aber bereits mit circa 33.000 Euro umsetzen.

Bestimmt gibt es Studenten, die auch gerne einen Film drehen würden - doch die meisten haben eben wegen den Finanzen bedenken. War das für dich nie ein Stolperstein?Nein - das lag wohl daran, dass ich gelernter Kaufmann bin. Mir war immer klar, dass es ein gewisses Grundbudget geben muss, ohne das man gar nicht anzufangen braucht. Ich habe deswegen im Vorfeld mit den beiden Co-Produzenten gesprochen: Was denkt ihr, was ihr beisteuern könnt, damit wir das gemeinsam finanziert bekommen? Dann stand eine Summe im Raum, mit der wir das hinkriegen konnten. Letztendlich habe ich auf alles verzichtet, was teurer hätte werden können. Dabei ging es in erster Linie um die Produktion - für die Nachbearbeitung hat das Geld gefehlt. Über eine Crowdfunding-Aktion haben wir dann 5.000 Euro eingenommen. Das war von Anfang an so eingeplant. So kamen wir auf die Summe - und was nicht ging, wurde einfach nicht gemacht. Man lernt minimalistisch zu denken.

Sprich: So leidenschaftlich du an Drehbuch und Regie gegangen bist, so kaufmännisch-kühl hast du dich mit der Produktion befasst. Leider ja - gefallen hat mir das nicht. Aber ich weiß, dass es auf der einen Seite die wunderbaren Ideen gibt, andererseits muss man auch die Finanzen bedenken, sonst stirbt das ganze Projekt. Viele Filme scheitern in Deutschland daran, dass es hierzulande nicht das Kapital dafür gibt. Ich habe schon beim Drehbuch darauf geachtet und es so geschrieben, dass es umsetzbar war. Das hat mich natürlich schon eingeschränkt. Ich hätte viele Dinge gerne anders gemacht, aber ich wusste einfach, dass ich nicht zu sehr rumspinnen kann.

"Ich habe mich jede freie Minute um das Projekt gekümmert"

Was würdest du Studentenfilm-Neulingen raten? Die Idee steht natürlich zu Beginn, aber man muss sich auch frühzeitig einen Budgetplan überlegen. Die meisten scheitern einfach an einer realistischen Kalkulation. Es hilft wirklich, wenn man sich genauestens überlegt, welche realen Kosten auf jeden Fall auf einen zukommen werden. Man muss von Anfang an wissen: Das ist finanzierbar, das kriege ich aus eigener Tasche bewerkstelligt oder mit Sponsoren. Erst dann fängt man an intensiv am Drehbuch zu arbeiten. Es muss vieles im Voraus gemacht werden, bevor man überhaupt an die Öffentlichkeit geht. Das kann auch mal ein Jahr dauern – man macht nicht von heute auf morgen einen Film. Wir haben z.B. im Herbst 2011 mit der ersten Idee angefangen. Man sollte auf alle Fälle auch an die sehr aufwendige Postproduktion denken: Da geht die Arbeit erst richtig los. Wie viele Stunden ich am PC saß, um das Material zu sichten - das ist so umfangreich, das können sich viele gar nicht vorstellen.

Wie hast du es geschafft, Film und Studium unter einen Hut zu bekommen?Das frage ich mich auch manchmal. Das Drehbuch habe ich immer nachts geschrieben: Tagsüber war ich an der Uni, gegen 22 Uhr habe ich mit dem Schreiben angefangen. Das ging dann so bis zwei, drei Uhr nachts und früh morgens bin ich wieder in die Uni. Ich habe in dieser Zeit ganz wenig geschlafen, sonst hätte ich es gar nicht hinbekommen. Genauso war es beim Schnitt. Ich habe mich jede freie Minute um das Projekt gekümmert. Mittlerweile bin ich aber froh, dass ich wieder ein geregeltes Schlafpensum habe.

Hast du dir alles selber beigebracht?Das war alles "Learning-by-Doing". Ich habe z. B. beim Schneiden auch immer noch meine Schwierigkeiten. Ich hatte mir damals einfach ein Programm gekauft, von dem ich wusste, dass ich damit gut klar komme. Aber der Schnitt dauerte natürlich bei mir wesentlich länger als bei Leuten, die sich damit auskennen. Profis hätten den Film sicher wesentlich schneller hinbekommen. Aber es hätte keiner ohne Geld den Film geschnitten. Verständlich, bei fast 38 Stunden Filmmaterial ist das eine monatelange Arbeit. Deswegen musste ich das selber machen. Ich finde aber, dass man viel mehr lernt, wenn man ins kalte Wasser geschmissen wird. 

Planst du weitere Filmprojekte?Ich habe mich schon dabei erwischt, dass ich mir überlegt habe, was ich Neues machen könnte. Ich versuche mich aber gerade zu bremsen, weil ich nächstes Jahr meine Masterarbeit schreibe. Und das wird definitiv nicht klappen: Masterarbeit und ein neues Filmprojekt. Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Ich möchte aber erstmal abwarten und sehen, welche Chancen man hat, das Geld wieder einzuspielen. Das Geld kommt ja auch nicht so auf mein Konto, das muss irgendwie verdient werden. Auf Dauer ist es dann doch einfach ein zu teures Hobby. Wenn dieser Film aber tatsächlich genug Einnahmen generiert, dann werde ich nach meinem Studium eventuell ein weiteres Projekt planen.

More than Friendship

Drama, D 2013

Regie: Timmy Ehegötz

Darsteller u.a.: Holger Foest, Michèle Fichtner, Jakob P. Graf, Gabrielle Scharnitzky, Andreas Külzer, Nils Weckbecker

Verleih: Beyond Pictures/Pro-Fun Media

VÖ: 29. November 2013

www.morethanfriendship.de

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