Neue Verfilmung Jane Austen
Intrigant: Lady Susan (re.) kann sich auf ihre treue Freundin Alicia immer verlassen | Foto: KSM
Autorenbild

22. Dez 2016

Sandra Ruppel

Filme

Love & Friendship

Die neue Jane Austen Verfilmung: Ab dem 29. Dezember im Kino!

Die Witwe, die es faustdick hinter den Ohren hat

Lady Susan (Kate Beckinsale) ist clever, schön und sie bekommt meistens, was sie will. Sie liebt die Männer und die Männer lieben sie – und zwar in solch einem Ausmaß, dass ihr bereits der skandalöse Ruf anhaftet, die schlimmste Verführerin Englands zu sein.

Aber Lady Susan hat noch ein weiteres, weitaus größeres Problem: Seit dem Tod ihres Mannes fehlt ihr das Geld. Und die Residenz. All das sind nicht die besten Voraussetzungen, um sich auch weiterhin wie gewohnt und ungehindert in der Londoner High Society des 19. Jahrhunderts bewegen zu können. Noch dazu, wo gerade ihre aktuelle Affäre mit dem höchst attraktiven – und verheirateten – Lord Manwaring publik zu werden und ihren Ruf weiter zu gefährden droht.

Krise? Abwarten, Tee trinken und Töchter verheiraten!

Die abgebrühte Witwe beschließt also, erstmal abzutauchen, um ein wenig Gras über die Sache wachsen zu lassen und quartiert sich kurzerhand bei ihrem gutmütigen Schwager Charles Vernon (Justin Edwards) und dessen Frau Catherine (Emma Greenwell) ein. Auf deren Landsitz Churchill langweilt sich Lady Susan zwar ganz fürchterlich, aber immerhin hat sie hier Gelegenheit, sich in aller Ruhe zu überlegen, wie es nun für sie weitergehen soll. Sie kommt zu dem Schluss, dass alles nichts hilft: Ein Ehemann muss her! Nicht unbedingt für sie selbst – so ein Angetrauter bringt zwar finanzielle Sicherheit, macht aber ansonsten nur Ärger – sondern vor allem für ihre Tochter Frederica (Morfydd Clark). Die besucht zwar eigentlich gerade noch ein Internat, hat aber inzwischen schon das heiratsfähige Alter erreicht.

Einen geeigneten Kandidaten hat Lady Susan schnell ins Auge gefasst. Sie will, dass Frederica den ebenso reichen wie strunzblöden Sir James Martin (Tom Bennett) ehelicht. Ist Frederica erst einmal unter der Haube, kann sie ihre Mutter einfach mitversorgen, so zumindest Susans Plan. Dumm nur, dass Frederica mit der Wahl des Mannes, den Lady Susan für sie vorgesehen hat, so gar nicht einverstanden ist…



Jane Austen: unverblümt und unbekümmert

"Love & Friendship" ist die wahrscheinlich untypischste und mit 90 Minuten kürzeste Jane Austen-Verfilmung, die bisher auf der Leinwand zu sehen war. Vor allem aber ist sie die Lustigste und Unterhaltsamste.

Das mag daran liegen, dass der Film auf einer der sehr frühen (und eher unbekannten) Werke der englischen Literatin basiert, nämlich auf dem Briefroman "Lady Susan" und dass Austen darin unverblümt, frei und frech vom Leder zieht. Vielleicht liegt es daran, dass Whit Stillman, der sich bereits für die dramatische Komödie "The Last Days of Disco" verantwortlich zeigte, nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern auch Regie geführt hat. Ganz sicher aber liegt es daran, dass man sich entschieden hat, die britische Schauspielerin Kate Beckinsale als Lady Susan zu besetzen.

Kate Beckinsale: trocken, britisch und brillant

Beckinsale trägt den gesamten Film und liefert die unerhörte Dreistigkeit der manipulativen Lady Susan mit einer derartig trockenen britischen Attitüde ab, dass einem als Zuschauer der Mund vor Staunen nicht mehr zugeht. Und so raffiniert und durchtrieben Lady Susan auch ist, man kann sie einfach nicht hassen. Ihre eigennützigen Pläne – und mögen sie noch so offensichtlich sein – setzt die Lady mit einer solchen Selbstverständlichkeit um, dass man nicht anders kann, als ihr tief empfundenen Respekt zu zollen. Beckinsale, die in Filmen wie der Underworld-Reihe eher blass blieb, erfüllt Lady Susan absolut passgenau mit eben jener Souveränität, die die Figur braucht, um alle restlos um den Finger zu wickeln.

Fazit zu Love & Friendship

"Love & Friendship" macht einfach richtig viel Spaß. Die Kostüme sind liebevoll gestaltet, die Lockentürme auf den Köpfen der Damen sind hoch und die Dialoge sind schnell, clever und sprühen vor Witz – ohne dabei ins Alberne abzugleiten.

Wer es sich zutraut, sollte sich unbedingt den Spaß gönnen, den Film auf Englisch anzusehen. Der feine britische Humor, der streckenweise auch ein bisschen an Monty Python erinnert, geht in der Übersetzung etwas unter. Aber auch auf Deutsch: Whit Stillman liefert mit seiner Adaption von Austens "Lady Susan" ein kurzweiliges Filmvergnügen, das auch für diejenigen interessant sein könnte, die sonst mit englischen Klassikern nicht viel am Hut haben.

Lady Susans Kapriolen stehen im Mittelpunkt der Handlung, weswegen das Liebes- und Schmachtfest, wie wir es etwa aus Joe Wrights (großartiger!) filmischer Adaption von "Stolz & Vorurteil" mit Keira Knightley kennen, hier deutlich abgespeckter ausfällt. Aber dennoch: Ein bisschen Liebe darf selbstverständlich auch im Universum von Lady Susan nicht fehlen.

"Love & Friendship" ist mutiger und humoriger als alle bisherigen Austen Umsetzungen für Bildschirm oder Leinwand und daher ist es alles in allem ein famoses Vergnügen mit Köpfchen und Niveau.


UNICUM Filmtipp

Jane Austen Verfilmung neuLove & Friendship

Komödie, Großbritannien 2016

Regie: Whit Stillman

Darsteller u.a.: Kate Beckinsale, Chloë Sevigny, Xavier Samuel, Stephen Fry

Verleih: KSM

Kinostart: 29. Dezember 2016

Mehr Infos unter: loveandfriendshipmovie.com und facebook.com/LoveAndFriendshipMovie

 

 

Artikel-Bewertung:

3.67 von 5 Sternen bei 18 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: