Boy Tour
Sonja Glass (li.) und Valeska Steiner sind BOY | Foto: Debora Mittelstaedt

Musik

29.05.2012

BOY Band

UNICUM trifft: BOY

Das Duo verrät seine Geheimnisse

Sie sind das Singer-Songwriter-Duo der Gegenwart. Ihr Song "Little Numbers" läuft nicht nur in einer Endlosschleife im Radio, sondern dient auch noch als Untermalung für ... mehr »

Autorenbild

07. Okt 2016

Barbara Kotzulla

Musik

BOY: Magische Momente kann man nicht planen

Im Publikum? Immer mehr Männer!

UNICUM: Was macht euch mehr Spaß – ein Festival oder ein Club-Gig?
Sonja Glass: Ich finde beides gut. Festivals mag ich gerne, weil man die Möglichkeit hat, auch vor Leuten zu spielen, die unsere Band noch nicht kennen und es toll ist, das Publikum für sich zu gewinnen. Außerdem kann man selber viele andere Shows sehen. Eigene Konzerte sind super, weil die Leute, die da sind, total Lust auf das Konzert haben und dadurch eine besondere Stimmung entsteht.

Zwischen eurem ersten Album "Mutual Friends" und dem jetzt zweiten Album "We were here" ist einige Zeit vergangen. Merkst du, dass sich das Publikum bei euren Konzerten verändert hat?
Wir hatten von Anfang an ein sehr breites Altersspektrum bei unseren Konzertbesuchern. Wir haben aber gemerkt, dass seit dem zweiten Album deutlich mehr Männer im Publikum stehen. Das finden wir total cool, denn wir haben uns immer gefragt, warum am Anfang viel mehr Frauen da waren. Beim ersten Album hatte ich das Gefühl, dass Männer denken, das sei nur Musik für Mädchen. Das sehe ich ganz anders. Frauen scheinen aber neue Acts schneller zu entdecken als Männer. Ich war schon öfter auf Konzerten von relativ unbekannten Bands und es sind immer mehr Frauen als Männer vor der Bühne. (lacht)

Wart ihr sehr aufgeregt, als ihr zum ersten Mal die neuen Songs live gespielt habt?
Neue Musik zu spielen ist immer super-spannend. Diesmal war das Album ja schon draußen, bevor wir mit den Songs unsere erste Tour zum zweiten Album gespielt haben, aber dennoch war es aufregend – auch, weil man ausprobieren muss, ob die Live-Arrangements funktionieren. In so einer Konzertatmosphäre wirken Lieder immer ganz anders.

Gab es denn bei einigen Songs Überraschungen?
Ja, zum Beispiel bei "Fear". Für mich ist es eines der besten Stücke vom zweiten Album und eines meiner Lieblingslieder. Trotzdem haben wir es noch nicht geschafft, ihn live so umzusetzen, dass er alles wegbläst. Irgendwie ist das komisch. (lacht) "No Sleep for the Dreamer" funktioniert dagegen live extrem gut, das hätte ich nicht unbedingt gedacht.



"Little Numbers" spielen die beiden immer noch gerne

Die "Kings of Leon" haben mal in einem Interview erzählt, dass es sie regelrecht ankotzt "Sex on Fire" zu spielen. Wie sieht es bei euch mit "Little Numbers" aus?
Das ist schade, dass Kings of Leon es so ungerne spielen, ich mag den Song! Bei uns ist es nicht so – wir spielen "Little Numbers" immer noch gerne. Ich war vor zwei Jahren für zehn Tage alleine in New York und habe dort Suzanne Vega gesehen, eine Künstlerin, die ja schon sehr viel länger mit ihrer Musik unterwegs ist als wir. Sie hat all ihre alten, wichtigen Songs gespielt – mit so einer Leidenschaft und so viel Spaß, das hat mich beeindruckt. Man kann ja auch versuchen, die Songs für sich selber frisch zuhalten, indem man etwa verschiedene Versionen macht. Wir sind "Little Numbers" dankbar und mögen ihn nach wie vor. Der Song hat irgendwie einen guten Vibe.

Gibt es bei jedem Live-Auftritt so etwas wie DEN magischen Moment für dich?
Diese Momente gibt es immer wieder. Aber man kann sie nicht planen oder herbeiführen, sondern sie geschehen einfach. Manchmal merkt man das gerade etwas Besonderes passiert, das man gar nicht greifen kann, aber jeder spürt es.

Bist du eigentlich selber auch eine sehr große Konzert- und Festivalgängerin?
Auf Festivals gehe ich tatsächlich nicht so gerne, weil ich es manchmal schwierig finde, zwischen so vielen Menschen zu stehen. Ich bekomme jetzt keine Panikattacken, bin aber froh, dass ich auf oder hinter der Bühne etwas mehr Platz habe. (lacht) Aber Konzerte besuche ich super-gerne, da kann ich mich entspannen und muss nicht selber aufgeregt sein. Das Problem ist nur: Wenn man selber Musikerin und viel unterwegs ist, dann verpasst man einfach viel. Das ist schade.

Was war für dich das beste Konzert, auf dem du je warst?
Ich habe immer Probleme mit diesen Superlativen. Die Zeit vergeht und besondere Momente überlagern sich, ohne dass sie an Wert verlieren. Es gab so ein paar Konzerte, die ich total toll fand. Vor kurzem habe ich zum Beispiel Ryan Bingham in Hamburg gesehen, das ist ein Country-Musiker aus den USA. Er hatte eine tolle Band und viele persönliche Geschichten zu erzählen. Das hat mich berührt. Oder Bon Iver, auf dem Palèo Festival in der Schweiz vor zwei, drei Jahren. Das war unfassbar.



2017 wollen BOY am neuen Album schreiben

Gibt es eine Band/einen Künsteler/in, die du unbedingt einmal gerne live sehen willst?
Viele! (lacht) Ich kannte Kate Tempest beispielsweise bis vor kurzem nicht, das ist eine britische Rapperin. Valeska hat mir von ihr erzählt und die würde ich wirklich gerne einmal live sehen. Sie ist sehr politisch und schreibt unfassbar gute Texte. Sie spielt nur leider auch immer genau dann, wenn wir selber spielen. Auf dem "New Fall" verpassen wir sie glaube ich zum Beispiel um einen Tag.

Ihr seid jetzt noch bis November auf Tour – wie sehen eure Pläne für 2017 aus?
Wir haben schon ein bisschen angefangen – allerdings mehr mental als in "Echt" – an dem nächsten Album zu schreiben. Wir bereiten uns also langsam darauf vor, das ist unser nächster, großer Schritt.


We were here BOY BOY live und im Netz

Am 21. August 2016 erschien mit "We were here" das zweite Album von BOY und der heißersehnte Nachfolger ihres Debüts "Mutual Friends". Bis zum 06. November sind Sonja Glass und Valeska Steiner mit ihren Band nach auf Tour, unter anderem auf dem "New Fall Festival" Ende Oktober.

Artikel-Bewertung:

3.25 von 5 Sternen bei 152 Bewertungen.

Deine Meinung: